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Hochwertiges Rindfleisch boomt

Qualitativ hochwertiges Rindfleisch wird immer beliebter bei den Konsumenten. Coop und Migros können derzeit ihre Nachfrage nicht decken. Gesucht sind neue Produzenten.

von Foodaktuell Importer



Tiere, deren Fleisch als Natura-Beef oder Weide-Beef vermarktet wird, geniessen viel Auslauf.

“Wir hätten gerne mehr verkauft, wenn ausreichend Tiere auf dem Markt erhältlich gewesen wären”, erklärt Coop-Mediensprecherin Denise Stadler. Aufgrund der Angebotsknappheit habe man aber auf mehrere geplante Aktionen verzichten müssen, weshalb sich die aktuellen Verkäufe auf dem Vorjahresniveau bewegen und nicht weiter gewachsen seien. In den letzten Jahren habe der Absatz deutlich zugenommen. Und: “Wir sehen künftig weiterhin gutes Vermarktungspotential. Der geschätzte Mehrabsatz liegt bei rund 10 Prozent”, sagt Stadler. Die Rede ist von Natura Beef, einem Label für Qualitätsrindfleisch, das bei den Kunden von Coop immer beliebter wird.

Kräftiges Wachstum

Das freut Urs Vogt, Geschäftsführer von Mutterkuh Schweiz, ganz besonders, denn die Mitglieder seines Verbandes liefern die Rinder für Natura Beef. “Dank des steigenden Absatzes hat es Platz für neue Produzenten”, erklärt Vogt. Er rechnet mit einem jährlichen Wachstum von 100 Betrieben. Wie sehr die Mutterkuhhalter in einem Wachstumsmarkt operieren, zeigt die rasante Zunahme der Betriebszahlen: Seit der Gründung von Mutterkuh Schweiz vor 30 Jahren sind die Betriebe von anfänglich 40 auf heute rund 4’700 angewachsen.

Gleich sieht die Entwicklung bei den geschlachteten Tieren aus: Konnten 1980 gerade mal 300 Tiere als Natura Beef vermarktet werden, waren es 2009 bereits über 34’000. Letztes Jahr haben die Mutterkuhhalter mit Natura-Veal ein neues Label für Kalbfleisch ins Leben gerufen.

Dieses kann Coop derzeit nur in den Regionen Bern, Zentralschweiz und Zürich verkaufen, weil es nicht genügend Kalbfleisch gebe für den gesamten Schweizer Markt. Der Detaillist hätte deshalb gerne ein Vielfaches der heutigen Menge. Man sei eben erst im Aufbau der Produktion, erklärt Vogt, denn das Angebot lasse sich nicht einfach von heute auf morgen ausdehnen, zumal neue Produzenten hohe Auflagen zu erfüllen hätten.

Positiv ist die Entwicklung auch beim SwissPrimBeef. Dabei handelt es sich um Gourmetfleisch von Rassen wie beispielsweise Angusrindern. Manor stellt derzeit sein Rindfleischsortiment auf Angus-Tiere aus dem SwissPrimBeef-Programm um.

Boom auch bei der Migros

Qualitativ hochstehendes Rindfleisch boomt aber nicht nur bei Coop, sondern auch bei der Migros. Diese hat im April die Label “Weide-Beef und Bio Weide-Beef” in der Deutschschweiz neu lanciert – mit Erfolg. “Der Verkauf entwickelt sich sehr positiv und liegt über unseren Erwartungen”, erklärt Migros-Mediensprecher Urs Peter Naef. Insbesondere beim Bio Weide-Beef hätte der Umsatz überdurchschnittlich zugenommen. So sehr, dass die Nachfrage derzeit nicht befriedigt werden könne.

“Wir haben hoffnungslos zu wenig Tiere”, erklärt denn auch Hubert Lombard, Präsident der Interessengemeinschaft Bio Weide-Beef. Zusammen mit dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) und kofinanziert von Bio Suisse und der Migros startet er Mitte Oktober eine Kampagne, mit der neue Produzenten gewonnen werden sollen. “Wir suchen 150 bis 200 neue Betriebe.”

Neue Produzenten gesucht

Lombard ist überzeugt, dass ihm die desolate Lage auf dem Milchmarkt bei der Suche nach neuen Produzenten behilflich sein wird. “Milchbauern, die mit den aktuellen Preisen nicht über die Runden kommen, haben in der Bio-Weide-Beef-Produktion eine Alternative.” Auch Vogt bestätigt, dass er viele Anfragen von Milchbauern hätte, die sich nach einem anderen Betriebszweig umschauen würden.

Zwar werfe eine Milchkuh mehr Ertrag ab als eine Mutterkuh. Letztere verursachten aber auch weniger Arbeit, da das tägliche Melken wegfalle. “Dadurch ist man zeitlich flexibler und kann einem Nebenerwerb nachgehen”, erklärt Vogt. Einen weiteren Vorteil sieht er darin, dass sich die Umstellung auf Rindfleisch-Produktion auch deshalb lohne, weil es sich dabei auch zukünftig um einen Wachstumsmarkt handeln werde.

Dass hochwertiges Rindfleisch bei den Konsumenten immer beliebter wird, ist für Vogt und Lombard wenig verwunderlich. So würden die Tiere naturnah und tiergerecht gehalten, hätten viel Auslauf und bekämen nur hofeigenes Futter. Darum sei das Fleisch zart, schmackhaft und weise wertvolle Omega-3-Fettsäuren auf.

Mutterkuh-Herde in Gommis-wald SG

Natura- und Weide-Beef: Hohe Anforderungen

Bauern, die für Coop oder Migros Qualitätsrindfleisch produzieren, müssen eine Reihe von hohen Auflagen erfüllen: So muss Tieren des Weide-Beef-Programms im Sommer jeden Tag acht Stunden Auslauf gewährt und auch im Winter müssen sie täglich an die frische Luft gelassen werden. Darüber hinaus sind Laufställe vorgeschrieben und die Fütterung basiert auf Raufutter wie Weidegras, Heu oder Grassilage.

Bei Natura Beef, Natura Veal und SwissPrimBeef handelt es sich um Fleisch von Tieren aus Mutterkuhhaltung. Das sind Kühe, die ihre Jungen mit ihrer Milch selbst aufziehen. Nebst täglichem Auslauf sind wie beim Weide Beef tierfreundliche Ställe vorgeschrieben und das Futter stammt vorwiegend vom Hof. Der Einsatz von wachstumsfördernden Zusatzstoffen, tierischen Eiweissen oder Fetten und gentechnisch veränderten Futtermitteln ist bei beiden Labeln verboten. Aus Qualitätsgründen muss die Abstammung der Tiere offiziell ausgewiesen sein. (Text und erstes Bild: LID / Michael Wahl)

Weiterlesen: Weidebeef-Label der Migros