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Kassensturz: Konsumenten bevorzugen Ebersalami

Eine vom Konsumentenmagazin Kassensturz durchgeführte Blinddegustation von Salami ergibt, dass die Konsumenten Rohwurst von unkastrierten Schweinen bevorzugen.

von Foodaktuell Importer



AMS-prämierte KAG-Eber-Rohwurst (Salami) der Metzgerei Eichenberger

13.10.2010 – (lid) – Von den knapp 181 Teilnehmern an der Blinddegustation erkannten 49 Prozent keinen Unterschied zwischen Salami von kastrierten und unkastrierten Schweinen. Von denjenigen, die einen Unterschied erkannten, bevorzugten 45 Prozent die Salami mit Eberfleisch, nur 36 Prozent schmeckte die normale Salami besser.

Die Nutztierschutzorganisation KAG Freiland fordert aufgrund der Ergebnisse, dass die Schweizer Fleischbranche ihre Vorurteile gegen Eberfleisch ablege. Die Konsumenten akzeptierten auch Produkte von unkastrierten Schweinen und es sei somit kein Eingriff an männlichen Ferkeln nötig.

Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleischfachverbandes, sagte gegenüber dem Kassensturz, dass Salami nur ein kleiner Teil der gesamten Produktepalette sei und andere Produkte wegen des Ebergeruchs nicht abgesetzt werden können. Im Durchschnitt sind zehn Prozent des Eberfleisches geruchsbelastet. Der Ebergeruch entsteht beim Erhitzen des Fleisches.

Schweine werden heute unter Narkose chirurgisch kastriert.

Mitteilung von Kagfreiland

Der ’Kassensturz’ führte eine Massen-Blinddegustation mit KAG-Ebersalami durch. Mit überraschendem
Resultat: Die Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten bevorzugt Eberfleisch
von unkastrierten Schweinen gegenüber normalem Fleisch von kastrierten Schweinen. Von
’Stinkfleisch’ keine Rede. KAGfreiland, die schweizerische Nutztierschutz-Organisation, ruft die
Fleischbranche auf, ihre Vorurteile gegenüber Eberfleisch abzulegen und die Ebermast als tierfreundlichste
Alternative zur Ferkelkastration anzuwenden.

Den Detailhandel ermuntert sie, Produkte
von unkastrierten Schweinen ins Sortiment aufzunehmen.
Der grosse Vorteil der Ebermast liegt darin, dass die Ferkel nicht kastriert werden, also unversehrt bleiben.

Seit zehn Jahren propagiert KAGfreiland die Ebermast. Sie funktioniert. Es gibt KAG-Bauern, die
Ebermast erfolgreich betreiben (z.B. Sepp Sennhauser aus Rossrüti SG, Lorenz Spuhler aus Wislikofen
AG). Und es gibt eine Metzgerei, die eine Palette mit neun Eberfleisch-Produkten anbietet (Metzgerei
Eichenberger, Wetzikon ZH). Diese hat im Jahre 2005 für den Eber-Bauernschüblig den Prix d’innovation
gewonnen, den bedeutendsten Preis im Nahrungsmittelbereich.

Trotzdem lehnt die Fleischbranche Eberfleisch
vehement ab. Eberfleisch stinkt, so der Tenor. Dabei hat noch im Juni 2003 der damalige Präsident
der Suisseporcs (Schweizer Schweineproduzenten) im ’Kassensturz’ verlauten lassen: «Unser Ziel
ist die Ebermast.»

Eine Eber-Produktelinie in Coop und Migros?

Die Blinddegustation des ’Kassensturz’ zeigt nun, dass die Konsumenten Eberfleisch nicht nur akzeptieren,
sondern es gegenüber normalem Schweinefleisch gar bevorzugen. «Es ist jetzt an der Zeit, dass die
Fleischbranche ihre Vorurteile gegenüber Eberfleisch ablegt», fordert KAG-Geschäftsleiter Roman Weibel.

Und vom Detailhandel erwartet er, dass eine Eber-Produktelinie lanciert wird. KAGfreiland zählt drei
Gründe auf, die für Eberfleisch sprechen:
1) Es ist kein Eingriff an den männlichen Ferkeln nötig.
2) Auch
aus geruchsbelasteten Ebern können sehr gute Schweinefleischprodukte hergestellt werden.
3) Die Konsumenten
akzeptieren Produkte von unkastrierten Schweinen.

KAGfreiland ist eine gemeinnützige Nutztierschutz-Organisation, die sich für artgerechte Nutztierhaltung einsetzt. KAGfreiland ist zugleich
das Bio-Label mit den schweizweit strengsten Richtlinien. KAGfreiland finanziert sich aus Mitgliederbeiträgen und Spenden.

Kagfeiland-Jungeber

Kassensturz: Stinkt Salami aus Eberfleisch wirklich?

Sendung vom Dienstag, 12. Oktober 2010: Metzgermeister Guido Lehmann von der Metzgerei Eichenberger in Wetzikon (ZH) ist ein Pionier bezüglich Eberfleisch. Er verarbeitete für «Kassensturz» zwei Schweine zu Salami mit der genau gleichen Rezeptur. Einmal aus Fleisch vom kastrierten Schwein und einmal aus Eberfleisch mit Geruch.

Nur die wenigsten Eber riechen schlecht. Im Schnitt jeder Zehnte. Eberfleisch ohne Geruch verkauft der Metzgermeister wie gewöhnliches Schweinefleisch. Nur aus dem Eberfleisch mit Geruch macht er Rohprodukte wie beispielsweise Salami, Bauernschüblig, Coppa oder Schinkenspeck.

Für die Salami verwendete Metzgermeister Guido Lehmann auch Edelstücke wie beispielsweise das Schulterfilet. Ganz wichtig: Das Fleisch muss möglichst mager sein. Zum Rezept gehören auch Würfelspeck, Rindfleisch, Salz und Gewürze. Die Salami wurden anderthalb Tage geräuchert.

Erstaunlich: Knapp die Hälfte, 49 Prozent, hat den Unterschied zwischen den beiden Salami nicht erkannt. 51 Prozent haben den Unterschied erkannt. Knapp zwei Drittel davon empfanden den Unterschied gering. Den Unterschied deutlich erkannt haben nur die wenigsten.

Welche Salami schmeckt besser? Das überraschende Ergebnis: 19 Prozent gaben an, beide Salami schmecken gleich gut. Die normale Salami vom kastrierten Eber bevorzugten 36 Prozent und fast die Hälfte, 45 Prozent, ass lieber Ebersalami. Im Klartext: Konsumentinnen und Konsumenten bevorzugen Ebersalami.

Ebermast im grossen Stil wäre auch in der Schweiz möglich. Das beweist die Degustation. In Holland beispielsweise wird diese tierfreundliche Methode bereits grossflächig umgesetzt. Das Fleisch mit Geruch wird dort aussortiert und zu Wurstwaren verarbeitet. Anders in der Schweiz. Noch immer werden hierzulande den Ferkeln die Hoden abgeschnitten. Seit diesem Jahr nur noch unter Narkose.

Von Eberfleisch will die Schweizer Fleischbranche nach wie vor nichts wissen. Ebersalami mache nur ein kleiner Teil der ganzen Produktpalette aus, sagt Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbandes. Die Verwertung der übrigen Schlachtkörper sei somit nicht gelöst. Wenn man gewisse Produkte nicht absetzen könne, so komme dies einer Verschwendung gleich. «Dies können wir als ethisch-moralischen Gründen nicht stützen, weil Tiere getötet würden, die man nicht verwenden könnte.»

Auch bei der Migros ist Eberfleisch kein Thema. Sie verkauft nur Fleisch von kastrierten Schweinen. Die Migros schreibt «Kassensturz»: «Wenn durch Zucht, Fütterung und Haltung die Geruchsbelastung verlässlich reduziert werden kann, wird die Migros auf Ebermast umstellen. Dies ist heute noch nicht gegeben.» Anders Coop: Der Grossverteiler experimentiert seit gut zwei Jahren mit verschiedenen Pilotprojekten. Doch die tierfreundliche Methode sei noch nicht marktreif, sagt Mediensprecherin Susanne Sugimoto. (Auszug aus dem Bericht in www.kassensturz.ch)