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Mit Intelligenz ins Kartoffellager

Kartoffeln einlagern will gelernt sein. Die Knollen, so profan sie aussehen, so anspruchsvoll sind sie in ihrer Behandlung. Dies stellt Know-how an die Steuerungstechnologie der Einlagerung.

von Alimenta Import

Das breite Band arbeitet still und leise im diffus mattgrünen Licht des riesigen Kartoffellagers.  Wie von Geisterhand gesteuert, bewegt sich der lange Koloss des Förderbandes zentimetergenau vorwärts, immer darauf bedacht, die Knollen schonend auf die schon vorhandenen Kartoffelberge abzulegen.

Die total 55?000 Tonnen Industriekartoffeln laufen über Hunderte Meter Förderbänder, bis sie im Zwischenlager der Frigemo in Cressier NE gelagert werden. Von der Annahme, wo die Kartoffeln vom Landwirt mit dem Traktor angeliefert werden, über die ­Sortieranlagen ins Lager und von da aus zur kontinuierlichen Verarbeitung zu Pommes frites und zu anderen der total 100 Kartoffelprodukte, die die Frigemo produziert. «Das Herzstück der Förderung ist zweifellos das ­Befüllband, das die Kartoffeln auf den letz­ten Metern ihrer Reise ans Lager legt», sagt Rolf Langenegger, Rohmaterialverantwortlicher der Frigemo. Denn dort messen Sensoren die Lage des Bandes und den Abstand zum Boden respektive den gelagerten Kar­toffeln und übermitteln die Daten an die ­Steuerung.

Nach diesen Informationen wird dann das vorderste Teilstück des Förderbandes gesteuert, und so ist gewährleistet, dass die Kartoffeln ohne Schaden im grössten Kartoffellager der Schweiz zu liegen kommen. «Schliesslich ist das A und O der Kartoffellagerung die Sorgfalt», sagt Kartoffelfachmann Langenegger, und keine Kartoffel fällt höher als 20  bis 30 cm.

Dank Totalschaden zur Investition
Den Anstoss für die Investition in ein neues Einlagerungssystem gab der Totalschaden Ende der Erntekampagne 2008.  Das System zur Einlagerung wurde schon im  Jahr 1996 erstellt. Schon damals mit ähnlichen Bändern wie heute. Dennoch sind beim jetzigen 480?000 Franken teuren System, das vor einem Jahr fertiggestellt wurde, grundlegende Un­terschiede vorhanden. Besonders die Steuerungstechnik stellt laut Langenegger einen Quantensprung dar. Schon von der Bedienung her, selbstverständlich durch eine Touch-Screen-Oberfläche, oder mit der Flexibilität, die jetzt erreicht wird.

So kann beispielsweise der Befüllvorgang in einer Zelle gestoppt werden und in einer anderen weitergearbeitet werden. Später kann bei der ersten Zelle am gleichen Standort wieder weiterbefüllt werden. Dabei kann sich das Befüllband erinnern, an welcher Stelle es stehengeblieben ist, als es das letzte Mal in dieser Zelle Kartoffeln eingelagert hat. Besonders bei Produktewechsel ist dies sehr wichtig. «Heute Morgen wurde die Sorte Agria eingelagert. Im Laufe des Vormittags haben wir wieder auf die Hauptsorte Innovator umgeschwenkt, sagt Langenegger.

Auch die Geschwindigkeit und die Zuverlässigkeit konnten mit der neuen ­Anlage erhöht werden. Dies bietet weitere Vorteile. Denn das Erntezeitfenster bei der Kartoffel ist kurz. Laut Rolf Langenegger ist der Betrieb bestrebt, möglichst Anfang ­August zu starten und bis Mitte Oktober durchzuziehen. In dieser Zeit wird auch zweischichtig, von 5 Uhr morgens bis 11 Uhr abends, gearbeitet.
Logistisch perfekte Lage

Die Industriekartoffeln werden in Cressier lose angeliefert und auch lose gelagert. Die em­pfindlichen Knollen werden nur durch Aussenluft kühl gehalten. Konstante 8 Grad Temperatur bei 90% Feuchtigkeit sind an­gestrebt.

Der Standort der Frigemo liegt logistisch perfekt im Seeland, wo die Anfahrtswege aus den haupsächlichen Anbaugebieten der Schweiz, der Waadt und dem Kanton Bern kurz sind. Aus Kartoffeln produziert das Unternehmen über 100 verschiedene Produkte. Zudem ist die Frigemo Lizenznehmer der Weltmarke McCain. Die Frigemo-Unternehmensgruppe besteht aus fünf spezialisierten Produktionsstätten, die Kartoffeln, Gemüse, Salatprodukte und Eier verarbeiten. Die Produktionsstätten bestehen aus den eigenen Handels­firmen Gourmador, Zollikofen und Unterseen, den Gebrüdern Marksteinern Basel, Bonfrais Bongel, Ecublens, Michel Comestibles, Unterseen, Kellenberger Frisch-Service, Zürich, und Eiermaa, Brütisellen. Die Fenaco-Tochter Frigemo erwirtschaftet mit 850 Mitarbeitern einen Umsatz von 450 Mio. Franken.