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Der Dialog mit der Maschine wird fliessender

Die Steuerungstechnik gilt als einer der Innovationstreiber im ­Maschinenbau. Auch die Lebensmittelindustrie kann davon profitieren, hat sie doch einen hohen Automatisierungsgrad.

von Alimenta Import

Viel ist passiert in den letzten Jahren in Sachen Steuerungen. Kom­binationen von Steuerungs-, Antriebs- und Visualisierungskomponenten sind in einem System zusammengeschmolzen. Mechanische Komponenten in Anlagen werden immer mehr durch Software ersetzt. Sensoren und Aktoren (elektromechanische Bauelemente) werden immer intelligenter, mit dem Ziel, sich weitgehend selbst zu steuern. Der Dialog innerhalb der einzelnen Komponenten nimmt sprunghaft zu.

Informationsflut abrufen
Nicht nur pick and place, also das Ergreifen und Stapeln, beispielsweise eines Getränke­kartons auf einer Palette, ist das Nonplusultra moderner Steuerungstechnologie. «Gerade
in der CNC-Technik ist viel passiert», sagt Werner Erismann vom Technologiekonzern ABB. So können Kamerasysteme integriert in moderne Steuerungstechnologie nicht nur Pflaumen von Pfirsichen unterscheiden und diese richtig sortieren, sondern die Produk­tionsschritte werden durch BUS-Technologie (Verbindungssysteme für elektronische und elektrische Komponenten) in Steuerungs­systemen gleichzeitig überwacht und damit jedes kleinste Detail rückverfolgbar gemacht. «Batchgenaue Informationen abspeichern und diese wiederum abgeben. Gerade dieser, für die Lebensmittelindustrie immer wichtigere Prozess, war früher nur über aufwendige Schnittstellen und teure Geräte möglich und ziemlich kompliziert», sagt Felix Roth von B+R Industrieautomation in Frauenfeld.

Bessere Sicherheit
Optimierte Prozessrückverfolgbarkeit ist nicht der einzige Verdienst der modernen Steuerungstechnik, sondern auch die verbesserte Sicherheit. Wenn früher die Roboter und alle beweglichen Teile hinter Schutzgittern standen, sorgen heute andere in die Steuerungskontrolle integrierte Konzepte mit Laser­schranken und Fotokomeras für bessere ­Sicherheit. Ganz nach dem Motto Safety First, wie Erismann erklärt.

Alles nur Mainstream-Technologie?
Viel passiert ist auch in der Entwicklung der Kapazitäten. Dies kann sich am ­besten veranschaulichen, wer vor zwanzig Jahren einen PC gekauft hat und die Leistung dieses mit einem heutigen vergleicht. Aus ­Kilobytes wurden Terabytes. Die meisten der neuen Funktionen in industriellen Steuerun­gen werden mittlerweile von den Informationstechnologien inspiriert, die der Anwender vom heimischen PC her kennt. Ein Fachbericht des deutschen Verbandes der Maschinen und Anlagenbauer (VDMA) nennt diese Entwicklung «Mainstream-Technologien». Sie böten Vorteile, ist Heinz Müller, Elpex AG, Burgdorf, überzeugt. Denn der ­Dialog Mensch–Maschine ist mit der neuen Informationstechnologie, zum Beispiel der ganzen Visualisierung, viel besser ­geworden. «Heute können auch Ungelernte, manchmal sogar solche Mitarbeiter, die die Sprache nicht richtig können, nun auch eine komplexe Anlage bedienen. Meistens können diese dann auch sofort damit umgehen», sagt Müller.

In die Anlage in China sehen
Die grossen Kapazitäten, die Visualisierung, die Kommunikation zwischen den einzelnen Werkzeugen und Maschinenteilen und die Durchgängigkeit, wo alle erdenkbaren Informationen ausgetauscht werden können, erleichtert nicht nur der anwendenden Industrie das Leben, sondern auch dasjenige des Steuerungsbauers. Dieser kann Störungen viel einfacher diagnostizieren. Meistens auch über eine Fernwartung über Hunderte, ja Tausende von Kilometern. «Gerade heute Morgen hat ein Techniker in Burgdorf an einer Anlage in einer Nestlé-Fabrik in China Änderungen ­gemacht», sagt Heinz Müller der Elpex AG. ­Früher musste ein Techniker für diese Änderungen nach China fliegen.