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Der Durchbruch ist in Griffweite

Wenn alles nach Plan läuft, werden die Butterlager ab Ende Oktober um ­gegen 2000 Tonnen erleichtert. Viele Zeichen deuten darauf hin, dass endlich eine Lösung gefunden wurde, den Markt längerfristig ins Lot zu bringen.

von Alimenta Import

Nach langem Hin und Her, nach Weigerungen einzelner Organisationen, die Rechnungen zu begleichen, und schliesslich nach einer weiteren Verhandlungsrunde haben nun alle Mitglieder der Branchenorganisation (BO) Milch zugesagt, die ausstehenden Beträge zur Entlastung der Butterlager einzuzahlen.
Die säumigen Zahler haben eingelenkt, weil ihnen der Vorstand in der letzten Verhandlungsrunde einen Kompromiss unterbreitet hat. Der Beitrag von ursprünglich bis zu 6 wird neu auf 2,5 Rappen pro Kilo Milch begrenzt. Mit diesem Schritt könnten Härtefälle entschärft werden, sagt Markus Zemp, Präsident der BO. Als Beispiel führt er Produzentenorganisationen an, die fusioniert haben und deren zusätzliche Milchmenge als Mehrmenge angerechnet wurde. Für diese Zusatzmenge wurde der Ansatz der Butterent­las­tungs­kasse bedeutend höher berechnet als für die Vertragsmilchmenge.
Um eine gleichmässige Verteilung der Kosten auf sämtliche Marktakteure zu gewährleisten, soll der Beitrag für silofrei produzierte Milch – vorgesehen war die Zahlung von drei Mal 1,5 Rappen pro Kilo – im gleichen Verhältnis reduziert werden. «Aus diesem Grund werden wir die dritte Rechnung sistieren», sagt Jacques Gygax, Direktor von Fromarte. Die Organisation ist zuständig für das Inkasso der Beiträge für silofrei produzierte, verkäste Milch.

10 statt 15 Mio. Franken
Ein reduzierter Maximalansatz heisst indes, dass weniger Geld in der Entlastungskasse eingezahlt wird. Derzeit geht man von 10 anstatt 15 Mio. Franken aus. «Damit könnten gegen 2000 Tonnen Butter ausgeführt werden», sagt Michel Pellaux, Generalsekretär von Cremo. Beim Freiburger Milchverarbeiter liegt der grösste Teil der Butter am Lager. Die Situation auf dem Weltmarkt ist gut. Der Preis bewegt sich um Fr. 4.50 pro Kilo, Tendenz steigend. Bis Weihnacht wird die stabile Lage anhalten, anschliessend sinken die Preise jeweils wieder. Deshalb sei es wichtig, dass die Geschäfte noch im alten Jahr abgeschlossen werden können, sagt Pellaux.
Nach dem Export von 2000 Tonnen werden Ende Jahr immer noch 1500 Tonnen ­Butter mehr in den Lagern liegen, als benötigt werden. Michel Pellaux gibt sich aber zuversichtlich, dass auch dieses Problem gelöst ­werden kann. Einerseits hofft er auf die Nahrungsmittelverarbeiter, die in ihren Rezeptu­ren Palmöl durch Butter ersetzen könnten. Schätzungen zufolge könnte so der Butterverbrauch jährlich bis 4000 Tonnen ansteigen.

Industrie ist interessiert an Butter
Pro Jahr werden mehr als 30?000 Tonnen Palmöl in die Schweiz importiert. In letzter Zeit kam das Produkt zunehmend in Verruf, weil für dessen Gewinnung Regenwälder abgeholzt werden. Eine Substitution von Palmöl durch Butter erlaubt es der Lebensmittelin­dus­trie, ihr Image aufzuwerten. Laut Michel ­Pellaux sind die Grossverteiler dieser Absicht gegenüber ebenfalls positiv eingestellt. Hin­-
zu kommt, dass parlamentarische Vorstösse und die hängige Swissness-Vorlage für Druck gesorgt haben, nach Lösungen zu suchen. Derzeit ist eine Arbeitsgruppe der BO Milch ­daran, Vorschläge zu erarbeiten, um die ­Preisdifferenz zu verkleinern.
Vorstellbar ist, dass dazu ein weiterer Fonds geäufnet wird. Ähnlich der Schoggi­gesetz-Kasse, aus der Rohstoffe für Exportprodukte verbilligt werden, könnte aus dem neu geschaffenen Fonds dereinst die Butter für im Inland verkaufte Biscuits verbilligt werden. Als Diskussionsgrundlage dient derzeit der EU-Preis plus eine Swissness-Zulage.

Vorschlag zur Segmentierung
Der wichtigste Pfeiler eines stabilen Milchmarktes dürfte aber dessen Segmentierung sein. Die Vorstandsmitglieder der BO Milch haben sich in ihrer Strategiesitzung im September darauf geeinigt, die Milch in eine A-, in eine B- und in eine C-Menge aufzuteilen. Das A-Segment umfasst Konsummilch und -rahm mit Grenzschutz, Butter und Milchpulver mit Grenzschutz oder Rohstoffpreisausgleich sowie die verkäste Milch. Vorgesehen ist, dass sich die Milchverarbeiter verpflichten, mindestens 60% der gesamten aktuellen Milchmenge zum Preis des A-Segmentes zu übernehmen. Der bisher innerhalb der Branche vierteljährlich festgelegte Richtpreis soll für dieses Segment weiterhin gelten.
Dem B-Segment zugerechnet werden soll Milch, die unter anderem zu Quark ohne Grenzschutz, zu Joghurt für den Export, zu Milchmischgetränken für den Inlandmarkt, zu Magermilchpulver für den Export, aber auch zu Käse für besondere Projekte wie Export oder Importabwehr verarbeitet wird. Als B-Richtpreis soll der Schwellenpreis gelten. Ihm zugrunde liegt der Wert eines Kilos Milch, das zu Magermilchpulver für den Export auf dem Weltmarkt und zu Butter für den Inlandmarkt verarbeitet wird. Die Geschäftsstelle der BO Milch soll ihn monatlich berechnen.
Butter, Mager- und Vollmilchpulver, die für den Weltmarkt produziert werden, fallen unter das C-Segment. Als Richtpreis gilt der Garantiepreis (Wert eines Kilos Milch, das zu Voll­milchpulver und Butter auf dem Weltmarkt abgesetzt wird). Er wird ebenfalls monat­lich von der Geschäftsstelle der BO berechnet.

Transparenz, das A und O

Zusätzlich ist geplant, den Milchmarkt transparent zu machen. Beide Vertragspartner sollen fortan die Gesamtmengen aller Segmente an die Geschäftsstelle der BO melden müssen. Unter diese Regelung fallen neu auch die Zweitmilchkäufer. Besteht der Verdacht auf Unregelmässigkeiten, kann die Geschäftsstelle als Ombudsstelle beigezogen werden.
Die Regelung zur Segmentierung des Milchmarktes ist noch nicht in Kraft. Am nächsten Donnerstag wird der Vorstand der BO Milch die Details prüfen, damit die Delegierten an ihrer Versammlung vom 24. November darüber abstimmen können.

«Umsetzbar» und «griffig»
«Diese Lösung ist umsetzbar», gibt sich BO-Milch-Präsident Markus Zemp überzeugt. Im Gegensatz zum bisher von der BO vertretenen Modell zur Mengensteuerung, das auf den drei Pfeilern Milchlieferverträge, Börse und Abräumung basierte, richte sich die Segmentierung danach, was wirklich am Markt passiere. Entsprechend gebe es kaum Widerstand.
Auch Michel Pellaux glaubt, dass sich dadurch die Lage auf dem Milchmarkt beruhigen wird. «Durch die volle Transparenz sind die Vor­aussetzungen für den Erfolg gegeben.» Für Fromarte-Direktor Jacques Gygax sind die Vorschläge so griffig wie nie. «Besonders der Punkt, dass mindestens 60% der Menge zum A-Segment gehören müssen, könnte das Vertrauen der Milchproduzenten stärken.»