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Wissenswertes über Reh, Wildschwein und Gämse

von Foodaktuell Importer


Reh

Das Reh ist die kleinste einheimische Hirschart. Seine Körperform entspricht dem «Schlüpfertyp», der vielen Tierarten gebüsch- und unterholzreicher Habitate eigen ist: Kopf und Brustkorb sind schmal, die Wirbelsäule nach oben gewölbt. Dank der langen Hinterläufe bewegt sich ein flüchtendes Reh in weiten Sätzen fort, um sich in naher Deckung zu verstecken.



Das Geweih (in der Jägersprache Gehörn) wird bei den Böcken jedes Jahr nach Abwurf im Herbst/Winter wieder neu gebildet. Das Geweih auf dem Bild ist noch am Wachsen, es ist noch im Bast. Man kann das Alter der Rehböcke nicht abschätzen anhand ihres Geweihs, das Wachstum ist stark abhängig von ihrer Kondition. Rehgeissen tragen keine Geweihe. Rehe kann man nicht züchten. Sie sind sehr wählerisch beim Futter, vermehrensich bei Haltung in Gehegen nicht, und die Böcke werden gegenüber den Wärtern aggressiv. Bild: Rehbock (W-FOTO / fotolia)

Rehe wechseln zweimal jährlich ihr Fell: April – Juni ins rötliche Sommerfell, September/Oktober ins graubraune Winterfell. Im Winter können die Geschlechter anhand des Spiegels, dem weissen Feld am Hinterteil, unterschieden werden: Beim Bock ist er nieren-, bei der Geiss herzförmig. Rehe haben keinen sichtbaren Schwanz.

Der Bock trägt ein relativ kleines, endenarmes Geweih aus Knochensubstanz, das jeden Herbst abgeworfen und bis zum nächsten Frühling wieder aufgebaut wird. Das hierzu nötige Material wird in einem behaarten, blutgefäss- und nervenreichen Hautüberzug (Bast) transportiert, der beim fertigen Geweih vertrocknet und an Zweigen und Stämmchen durch Reiben (Fegen) abgestreift wird.

Der Geweihzyklus wird hormonell gesteuert und ist mit dem Fortpflanzungszyklus gekoppelt. Das Geweih dient in erster Linie als Waffe, insbesondere zur Verteidigung eines Reviers gegen Rivalen vor und während der Brunftzeit. Rehböcke markieren ihre Reviergrenzen optisch und geruchlich, indem sie mit dem Geweih kleine Stämmchen verletzen (Schlagen) und dort Drüsensekrete anbringen.

Rehe sind Wiederkäuer und damit Pflanzenfresser. Sie wählen Pflanzenteile aus einem breiten Artenspektrum; der Nahrungsanteil an Bäumen, Sträuchern, Stauden, Kräutern und Gräsern variiert je nach Region. Rehe benötigen leichtverdauliche Nahrung, da ihr Magen relativ klein ist und nur mit mehreren Füllungen (8-12 pro Tag) genügend Nährstoffe aufnehmen kann. Trotzdem enthält die Nahrung im Normalfall mindestens 20 % zähe Bestandteile (Laub, Laubreisig), im Winter bis über 50 %.

Der Nahrungsbedarf schwankt im Jahresverlauf beträchtlich, besonders hoch ist er bei säugenden Geissen und im Herbst zur Anlage von winterlichen Fettreserven. Im Winter selbst braucht ein Reh nur etwa 1/3 der Nahrung, die eine Rehmutter benötigt, was durch entsprechende Anpassungen (u.a. Reduktion des Pansenvolumens) möglich wird.

Die für alle Säugetiere schwierige Verdauung der pflanzlichen Zellulose findet beim Reh im 4-kammrigen Wiederkäuermagen mit Hilfe von Mikroorganismen statt. Dieses Verdauungssystem erlaubt eine rasche Nahrungsaufnahme an Ort und eine relativ gründliche, schrittweise Verdauung in Sicherheit.

Rehe haben ein typisches Wiederkäuergebiss: eine Hornplatte im Oberkiefer anstelle der Schneidezähne und eine Lücke zwischen Schneide- und Vorbackenzähnen. Die Backenzähne sind breitkronige Mahlzähne zum Zerkleinern der Nahrung. Aufgrund des Zahnwechsels vom Milch- ins Dauergebiss kann das Alter bis zum 14. Monat relativ genau bestimmt werden, danach muss es geschätzt werden.

Das Reh besiedelt unterschiedliche Lebensräume von den Tiefebenen bis über die Waldgrenze im Alpenraum. Einschränkend auf die Verbreitung wirken die winterlichen Bedingungen, weshalb gebietsweise saisonale Wanderungen zwischen Sommer- und Wintergebieten beobachtet werden.

Optimale Lebensräume für «Waldrehe» sind gebüsch- und unterholzreiche Wälder, die kleinflächig mit Acker- und Wiesland wechseln. Die Streifgebiete sind bei ganzjährig im selben Gebiet lebenden Rehen eher klein (meist weniger als 1 km im Durchmesser). Rehe leben aber auch in völlig offenen, deckungsarmen Agrargebieten. Diese «Feldrehe» zeigen spezielle Anpassungen bezüglich Ernährung und Sozialorganisation. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen in Polen, in der Schweiz wurden Ansätze dazu beobachtet.

Rehe leben eher einzelgängerisch während der Brunft und Setzzeit, jedoch gesellig in Gruppen über den Winter. Ab März/April verteidigen Böcke 10-30 ha grosse Reviere gegen Rivalen. Unterlegene Böcke halten sich im «Niemandsland» zwischen den Revieren auf. Die Geissen wählen einen Bock und suchen sich in dessen Revier ein geeignetes Aufzuchtsgebiet für ihre Kitze; optimal sind Waldlichtungen oder sonnige, trockene Wiesen.

Da Kitze etwa 3 Wochen brauchen, um ihre Mutter kennen zu lernen, werden sie in den ersten Lebenswochen von den anderen Rehen isoliert, um Verwechslungen zu verhindern. Erst dann schliesst sich der letztjährige Nachwuchs allmählich der Mutter und den neuen Kitzen an. Insbesondere unter Weibchen bestehen langjährige Beziehungen, meist jedoch unter Einhaltung einer gewissen Distanz.

Da die Brunft im Juli-August stattfindet, die Kitze aber erst im Mai-Juni des nächsten Jahres geboren werden, hat das Reh eine ungewöhnlich lange Tragzeit. Gemessen an der Körpergrösse, dürfte sie beim Reh nicht länger als 4-5 Monate dauern. Die verlängerte Tragzeit ist vermutlich eine Anpassung an die Wechsel der Jahreszeiten und ist auch von anderen Tierarten, z.B. Mardern, bekannt. Sie ergibt sich, weil die Keime zunächst frei beweglich in der Gebärmutter verbleiben und sich erst im Dezember/Januar in die Gebärmutterwand einnisten. Danach entwickeln sich in etwa 5 Monaten geburtsfähige Jungtiere.

Neugeborene Kitze sind voll entwickelt und suchen sich selbständig einen Liegeplatz. Bei Gefahr ducken sie sich – gut getarnt durch ihr getüpfeltes Fell und noch ohne Eigengeruch; so sind sie vor natürlichen Feinden gut geschützt. Sie flüchten erst im Alter von 2-4 Wochen. Die Mutter besucht ihre abgelegten Kitze nur kurz zum Säugen und Säubern. Wenn sich Mutter und Kind an Geruch und Lautäusserungen individuell erkennen, folgen die Jungen ihrer Mutter. Sie werden 2-3 Monate gesäugt, doch beginnen sie bereits im Hochsommer zusätzlich pflanzliche Nahrung zu fressen. Dabei lernen sie von der Mutter, was gut ist und was gemieden werden sollte.

Durch die seitliche Augenstellung verfügt das Reh über ein relativ grosses Sehfeld: Bewegungen (v.a. Hell-Dunkel-Kontraste) kann es sehr gut wahrnehmen, aber weniger gut räumlich sehen. In der dichtbewachsenen Umwelt eines Rehes sind Düfte die wichtigsten Signale. Verschiedene Drüsensekrete dienen der innerartlichen Kommunikation.

Eng verbunden mit dem ausgezeichneten Geruchsinn ist der Geschmacksinn. Rehe vermögen Pflanzenteile nach Verdaulichkeit und Nährstoffgehalt zu unterscheiden und können sich so – abhängig vom Angebot – optimal ernähren. Auch das Gehör ist ausgezeichnet entwickelt und dient der gegenseitigen Verständigung sowie der Gefahrenerkennung.

Unabhängig von der Bestandesdichte gehen viele Kitze bei schlechtem Wetter in den ersten Lebenstagen an Unterkühlung ein oder werden auf Wiesen vermäht. Zahlreiche Rehe werden auf Strassen überfahren. (Schweiz 1996: geschätzter Rehbestand 124000; Anzahl erlegter Tiere 43400; Fallwild 15400, davon 7500 überfahren).

Wildschwein

Wildschweine weichen in ihrem Äusseren stark vom schlanken Körperbau der übrigen Huftiere ab: Von der Seite gesehen wirken sie recht ungelenk und massig. Der dreieckige Kopf geht fast halslos in einen gedrungenen Körper mit kräftigen Beinen über. Von vorne erscheinen Wildschweine dagegen schmal und sind somit vortrefflich gebaut, um wie ein Keil dichtes Buschwerk zu durchdringen. Im Sommer besteht das Haarkleid nur aus kurzen Borsten, die sich zum Winter hin auf 15-25 cm verlängern; zudem schützt dicke Unterwolle die Wildschweine vor Kälte.



Wildschweine – sangliers. Links 5jährige Bache, rechts 11jähriger Keiler. (Bild: Wildpark W.+R.Signer)

Die Fellfarbe variiert individuell von grau-beige bis fast schwarz, im Winter ist die Färbung dunkler. Der einzige Fellwechsel findet im Frühjahr statt. Jungtiere (Frischlinge) werden im typischen gelb-braun längsgestreiften Jugendkleid geboren, eine vorzügliche Tarnung. Im Verlauf des ersten Lebensjahres wird dieses Tarnkleid allmählich durch das Erwachsenenkleid ersetzt. Im Gegensatz zum Hausschwein trägt das Wildschwein die pelzigen Ohren immer aufrecht und den Schwanz nie geringelt. An dessen Stellung und Bewegungen ist die momentane Stimmung des Tieres zu erkennen. Diese innerartliche Kommunikation ist für das Zusammenleben in der Gruppe (Rotte) sehr wichtig. So massig Wildschweine wirken, sind sie doch schnell und ausdauernd, springen über Zäune und Bäche und können auch grössere Flüsse durchschwimmen.

Das Wildschwein ist in Eurasien natürlicherweise weit verbreitet, einzig in Wüsten und Hochgebirgen kommt es nicht vor. In Europa wurde es in Grossbritannien und Skandinavien ausgerottet. In der Schweiz leben Wildschweine hauptsächlich entlang der französischen und deutschen Grenze. Heute findet man Wildschweine in fast allen Erdteilen, wo sie als Jagdwild ausgesetzt wurden oder häufig auf verwilderte Hausschweine zurückgehen.

Wildschweine gelten als ausgesprochene Waldbewohner, sie können aber verschiedene Lebensraumtypen vom Meeresniveau bis auf 2000 m Höhe besiedeln, sofern die wichtigsten Ansprüche erfüllt sind: Deckung, Ruhe, Nahrung und, auch in Trockenzeiten, Feuchtstellen zum Suhlen. Dank ihrer grossen Anpassungsfähigkeit nutzen Wildschweine zusehends das Angebot moderner Agrarwirtschaft: In Getreide- und Maisfeldern finden sie Nahrung und gleichzeitig Ruhe, wenn angrenzende Wälder von Erholungssuchenden «heimgesucht» werden.

Wildschweine sind Allesfresser: Von pflanzlicher bis tierischer Nahrung, von Insektenlarven bis zu verendetem Wild, nehmen sie alles zu sich. Bei ausreichendem Angebot verhalten sie sich jedoch wählerisch. Frischlinge brauchen eiweissreiche Kost und fressen deshalb besonders viele Kleintiere. Mit der empfindlichen Nase spüren Wildschweine auch im Boden Nahrung auf, die sie mit dem Rüssel aus der Erde pflügen, Larven oder Mäusenester zum Beispiel. Weil sie dabei oft Raupen und Puppen von Forstschädlingen fressen und mit ihrem Wühlen überdies den Waldboden durchlüften, sind sie im Forst gern gesehene Nützlinge.

Auf Wiesen und Feldern gelten sie dagegen als Schädlinge. Das Allesfressergebiss des Wildschweins umfasst 44 Dauerzähne, 12 Zähne mehr als das spezialisierte Wiederkäuergebiss. Auffallend sind, insbesondere bei den Männchen (Keilern), die stark entwickelten Eckzähne, die zeitlebens nachwachsen und zu messerscharfen Waffen werden können. Als solche werden sie von den Keilern bei Rivalenkämpfen auch eingesetzt; daneben dienen sie als Reiss-, Hebel- und Schneidewerkzeug. Der Wechsel vom Milch- ins Dauergebiss ist im Alter von 21-24 Monaten abgeschlossen.

Frischling

(Bild: Wildpark W.+R.Signer)

Wildschweine leben gesellig in Rotten, die sich aus erwachsenen Weibchen (Bachen), ihren Frischlingen und älteren Töchtern zusammensetzen. Eine strenge Rangordnung sorgt für die Gruppenstabilität. Ältere Keiler leben, ausser zur Paarungszeit, einzelgängerisch. Die jungen Männchen müssen die Mutterrotte und deren Revier mit etwa 1.5 Jahren verlassen und ein neues Wohngebiet suchen.

Angeführt wird die Rotte von der Leitbache, dem ältesten und erfahrensten Tier: Sie bestimmt in hohem Mass die Aktivitäten der ganzen Gruppe: Nahrungssuche. Suhlen. Wahl geeigneter Orte für das Richten der Schlafkessel sowie der Beginn der Brunftigkeit. Der Verlust einer Leitbache bringt grosse soziale Unruhe mit sich. Falls nicht ein anderes, ähnlich erfahrenes Tier deren Rolle übernehmen kann.

Als sozial hochentwickelte Tiere verfügen Wildschweine über ein reiches Repertoire zur Verständigung: Geruch, verschiedene Lautäusserungen und bestimmte Verhaltensweisen. Jede Rotte besitzt ein eigenes. gegen benachbarte Rotten verteidigtes Revier, dem sie in der Regel lange treu bleibt. Wo Wildschweine ungestört leben, sind sie vorwiegend tagaktiv, können jedoch völlig auf ein Nachtleben umstellen.

Zur Brunft (Rauschzeit), etwa November-Januar, finden sich die Keiler bei den Rotten ein. Der Brunftbeginn geht von der Leitbache aus, ihre Paarungsstimmung überträgt sich auf die ganze Rotte und wird via Speichel und Drüsensekrete an die Keiler übermittelt. Die Synchronisation der Weibchen hat eine kurze Brunft und eine nahezu gleichzeitige Geburt aller Frischlinge zur Folge. Keiler müssen um die Rotte kämpfen, nur der stärkste gelangt zur Paarung.

Nebst unblutigem Kräftemessen (Schulterstemmen) kommt es unter den Keilern auch zu Beschädigungskämpfen, bei denen die gefürchteten Eckzähne eingesetzt werden. Allerdings sind die gefährdetsten Körperpartien bei alten Keilern durch eine 4-5 cm dicke Schwarte geschützt, die vom Halsansatz bis zur letzten Rippe reicht. Nach rund 16 Wochen Tragzeit werden 4-6 Frischlinge in einem Wurfkessel aus trockenem Pflanzenmaterial abseits der Rotte geboren. Nach etwa 1 Woche finden sich die Bachen mit dem Nachwuchs und den älteren Jungtieren wieder zusammen. Ungefähr 3 Monate lang werden die Jungen gesäugt, sie nehmen aber bereits früh zusätzliche Nahrung auf.


Seit den 1970er Jahren haben sich die Wildschweinbestände in den meisten europäischen Ländern stark vermehrt und ausgebreitet. Insbesondere in der Schweiz ist diese Ausbreitung und damit die Bestandeszunahme bei weitem noch nicht abgeschlossen. So faszinierend das Wildschwein als Tierart und Jagdwild ist, so gross ist auch das Konfliktpotential mit der Landwirtschaft. Um der Zunahme der Wildschweinbestände zu begegnen und die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen auf einem tragbaren Mass zu halten, hat bislang jeder betroffene Kanton versucht, seine eigene Lösung zu finden.

Obwohl im Detail unterschiedlich, stützen sich die jeweiligen Strategien überall auf drei Hauptpfeiler, nämlich:
Die jagdliche Regulierung der Bestände.
Die schadenverhütenden Massnahmen im Agrarland.
Die angemessene Vergütung entstandener Schäden.
Dennoch nehmen sowohl die Wildschweinbestände, gemessen an der steigenden Jagdstrecken, als auch die Entschädigungssummen landesweit nach wie vor zu.

(Text: www.wildschwein-sanglier.ch)

Wildschweine sehen nicht sehr gut, dafür riechen und hören sie umso besser. Geruch- wie Gehörsinn dienen gleichermassen dem Schutz, der Ernährung und den sozialen Kontakten. In der Rüsselscheibe finden sich empfindliche Tastorgane, die – zusammen mit dem Geruchsinn – das Auffinden kleinster Nahrungsteile ermöglichen.

Das Wahrnehmen leiser Geräusche ist in der Rotte kaum möglich, denn sie macht ziemlich viel Lärm; erst bei Gefahr durch einen Warnlaut alarmiert, verharrt sie still. Nebst den ausgeprägten Sinnesleistungen und dem reichen Repertoire an Grunz- und Quieklauten besitzt das Wildschwein die Fähigkeit, Informationen lange im Gedächtnis zu speichern. Dies ist die Voraussetzung zum Lernen aus Erfahrung und macht die wichtige Rolle der Leitbache verständlich.

Gämse

Die Gämse hat eine schlanke, ziegenartige Statur sowie eine ausgeprägte Gesichtsmaske und trägt kleine, an der Spitze nach hinten gebogene Hörner. Im Sommer ist das Fell kurz und fahlgelb bis rötlich-braun, im Winter sind die Haare länger, dunkelbraun bis fast schwarz; der saisonale Unterschied im Haarkleid ist sehr ausgeprägt. Längs über den Rücken zieht sich ein Streifen von längeren Haaren (Aalstrich oder Gamsbart), die beim Haarwechsel im Herbst als einzige nicht ausfallen, sondern weiterwachsen. Vom Hornansatz über die Augen bis zum Mund verlaufen beidseitig dunkle Streifen (Zügel), die sich von der fast weissen Gesichtsfärbung abheben; sie machen die typische Maske des Gemskopfes aus.

6jährige Gemsgeiss im Fellwechsel. Bei den Gemsen tragen Böcke und Geissen ähnliche Hörner.

Die Hörner (Krickel oder Krucken) sind klein und dünn; bei den Böcken sind sie meist dicker und das Hakenende ist stärker nach unten gebogen als bei den Geissen. Die Hörner sitzen auf Knochenzapfen des Stirnbeins und wachsen zeitlebens zwischen April und November: In dieser Zeit wird zwischen Hornzapfen und Horn eine neue Horntüte gebildet, deren unteres Ende als Zuwachs sichtbar wird. Durch den Wachstumsstop im Winter bilden sich Jahrringe, an denen das Alter abgelesen werden kann. Im 2. Lebensjahr ist das Wachstum am stärksten, nach etwa 5 Jahren werden nur noch sogenannte Millimeterringe gebildet.

Gämsen besiedeln die Gebirge Süd- und Mitteleuropas, Kleinasiens sowie den Kaukasus. Das Alpengebiet stellt ihr grösstes Verbreitungsareal dar. Gämsen sind verschiedentlich erfolgreich angesiedelt worden, so zum Beispiel im Schwarzwald und Elbsandsteingebiet, in den Vogesen und der Schwäbischen Alb, aber auch auf der Südinsel Neuseelands. Im Gebirge leben Gämsen bevorzugt nahe der Waldgrenze. Vor allem im Winter, wenn die Nahrungssuche erschwert ist, kommen sie auch in tieferen Lagen vor; in Neuseeland sind sie sogar auf Meereshöhe anzutreffen. Alpine Hochflächen, steile Rasenflächen sowie Fels und Wald bilden den Hauptlebensraum der Gämsen.

Gämsen sind typische Wiederkäuer. Irn Sommer ernähren sie sich vor allem von Gräsern und Kräutern, nebst Grünteilen von Stauden, Sträuchern und Bäumen. Im Winter gehören auch Moose und Farne zu ihrer Nahrung. Wasser wird nur selten getrunken. Gämsen fressen in zwei bis drei Äsungsperioden, die über den Tag verteilt sind: am Morgen, am frühen Abend und zum Teil in der Nacht. Natürliche und künstliche Salzlecken üben auf Gämsen – wie auf viele andere Wiederkäuer – einen starken Anreiz aus.

Geissen, Kitze und Jährlinge (Jungtiere im 2. Lebensjahr) leben in Rudeln, deren Grösse und Zusammensetzung stark wechseln. Im Herbst können Rudel 100 und mehr Tiere umfassen. Die Mutter und ihr Kitz bilden dabei die Grundeinheit, der sich oft noch der Jährling anschliesst. Die Kitze werden ungefähr 6 Monate lang gesäugt. Regelmässig lassen sich sogenannte Kindergärten beobachten: Von der Mutter zeitweilig im Verband zurückgelassene Kitze halten sich, zusammen mit anderen Gleichaltrigen, manchmal über Stunden in der Nähe einer oder mehrerer fremden Geissen auf.

Die zurückkehrende Mutter wird am Ruf erkannt, und das Junge schliesst sich ihr wieder an. Böcke leben einzeln oder in Junggesellengruppen. Zur Paarungszeit im Herbst schliessen sie sich den Geissrudeln an. Jungböcke, zum Teil aber auch ältere Böcke, nehmen bei der Brunft keine festen Geländeabschnitte in Anspruch.

Einige, meist stärkere Männchen verteidigen jedoch Brunftplätze gegen Rivalen – je nach Alter und Kraft des Gegners durch Verjagen, Imponieren oder Attacken. Sind beide Gegner etwa gleich stark, kommt es gelegentlich zu ausdauernden, rasanten Jagden hangauf, hangab. Bei derartigen Machtkämpfen ist ein Körperkontakt selten; schwere Verletzungen durch die Krickel sind aber nicht auszuschliessen.

Die Zeit der Geburten liegt im Mai bis Anfang Juni. Kurz vor dem Setzen sondert sich die Geiss von ihrem Rudel ab und vertreibt nun auch den Jährling. Bereits 1-2 Stunden nach der Geburt folgt das Kitz der Mutter, und schon wenige Tage danach schliessen sich beide dem Rudel an.

(Quelle wo nichts anderes angegeben: www.wild.uzh.ch)

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