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Langer steiniger Weg zum Export

An ihrer Exporttagung machte Proviande eine Standortbestimmung, wo sich Schweizer Fleischprodukte auf dem Weg in die ausländischen Regale heute befinden. Die Referenten waren sich einig, dass mit Schweizer Qualitätsprodukten Chancen auf internationalen Märkten bestehen. Damit diese genutzt werden können, sind gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten nötig.

von Foodaktuell Importer



Kompetent führte Tagesschau-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind Moderation, Interviews und Posiumsdiskussion.

Nach 2007 führte Proviande zum zweiten Mal eine Exporttagung durch, dieses Jahr mit dem Titel „Schweizer Fleischprodukte auf dem Weg in die ausländischen Regale – Bestandesaufnahme und Herausforderungen“. Am 29. Oktober trafen sich Fachleute aus der Fleischwirtschaft, der Genuss- und Nahrungsmittelindustrie sowie Politiker und Behördenvertreter zu diesem Anlass. Er wurde von der Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind von SF-Tageschau moderiert.

„Mit der hohen Qualität der Schweizer Produkte hält die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft einen Trumpf in der Hand, um Marktanteile in der Schweiz zu halten und neue Märkte im Ausland zu gewinnen“, führte Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft in seinem Referat aus. Es ist unbestritten, dass dazu die gemeinsame Umsetzung der Qualitätsstrategie der Land- und Ernährungswirtschaft ein Muss ist. Ebenso herrschte Einigkeit darüber, dass die Liberalisierung der Agrarmärkte voranschreiten dürfte und der Grenzschutz für Schweizer Agrargüter weiter reduziert werden wird.

Gemäss Heinrich Bucher, Direktor von Proviande, gilt es, mehr Mittel in die Absatzförderung im In- und Ausland zu investieren, „soll bei offeneren Grenzen die inländische Produktion min-destens beibehalten und der Absatz an einheimischen Produkten trotz höheren Preisen gehal-ten werden“. Proviande wirkt deshalb mit ihrer Marketingkommunikation im In- und Ausland gezielt darauf, Einstellungen und Verhalten zur Marke «Schweizer Fleisch» zu prägen, um die Konsumpräferenzen für einheimisches Fleisch zu schaffen.

Die Erfahrungsberichte der anwesenden Branchenvertreter zeigten, dass man sich bereits heute mit offeneren Märkten auseinander setzen und Weichen stellen muss. Sie offenbarten aber auch klar, dass der Weg in den Export lang und steinig ist. Neben dem Preishandicap beim Rohmaterial Schweizer Fleisch bestehen mit den Währungsschwankungen auch Risiken im Export, welche es zu berücksichtigen gilt.

Davide Elia, Bell: Innovative exklusive Spezialitäten sind im Export ein Muss, und der Mehrpreis für Schweizer Produkte gegenüber lokalen darf nur 10-20% betragen. Trotz allem: Beim Export sind unter den geltenden Rahmenbedingungen keine grossen Gewinne in den ersten Jahren erreichbar.

Schweizer Fleischprodukte – abgesehen vom Bündnerfleisch – haben heute im Ausland noch keinen Namen, die Schweiz als Herkunftsland hingegen schon. Um diese Wahrnehmungsschwelle beim Handel und bei den Konsumenten zu überschreiten und die definierten Zielmärkte zu bearbeiten, ist grosser finanzieller und personeller Aufwand nötig. Gute Marktkennnisse und entsprechende Netzwerke innerhalb der Land- und Ernährungswirtschaft – aber auch darüber hinaus (Tourismus, Gastronomie, Bunesstellen) – sind dazu unabdingbar, müssen aber erst noch aufgebaut werden.

Gemäss Prof. P. Michael Schmitz, Direktor des Instituts für Agrarpolitik und Marktforschung der Justus-Liebig-Universität Giessen in Deutschland, kann der Staat mit einer klugen Exportförderpolitik die Bemühungen der Branche unterstützen. Den Ansatz dazu nannte er „Private-Public-Partnership“ – die Abstimmung zwischen Staat und Privatwirtschaft zur Entwicklung und gemeinsamen Finanzierung eines Exportmarketingkonzeptes.

An der Podiumsdiskssion nahm auch Luzius Wasescha teil, Vertreter der Schweiz bei WTO und EFTA. Er wies auf das KMU-Forum des Seco hin und riet, Schweizer Produkte besser bekannt zu machen. Oft wisse man im Ausland nur, dass sie teuer seien. www.seco.ch > Standortförderung > KMU-Politik > KMU-Forum

Alle Referenten waren sich einig, dass auch in Zukunft eine subsidiär vom Bund unterstützte Absatz- und Exportförderung nötig ist. Die Schweizer Fleischbranche will aktiv neue Märkte erschliessen. Dazu braucht sie entsprehende politische Rahmenbedingungen und ein funktionierendes Netzwerk. Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, bringt sich aktiv in diesen Prozess ein und unterstützt die Unternehmen mit wirkungsvollen Massnahmen bei ihren Auslandaktivitäten. (Text: Proviande)

Demnächst erscheinen die meisten Referate im Volltext in der Sparte Varia oder in der Sparte Fleisch.

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