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Nützt oder schadet Agrarfreihandel dem Tierschutz?

Kommentare vom Schweizer Tierschutz sowie vom Agrarstandort Schweiz IGAS

von Foodaktuell Importer



Nur ein kleiner Teil der Schweine darf auf der Weide suhlen. Und wenn draussen die Sonne brennt, bleiben sie freiwillig drin, damit der Speck nicht ranzig wird (Schweine sind intelligent). Aber beim richtigen Wetter suhlen und baden sie mit Wonne. Sicherlich damit der Schinken schön saftig wird.

04.11.2010 – (lid) – Der Schweizer Tierschutz (STS) stellt sich gegen ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU. Er sieht ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU als Bedrohung für die Schweizer Tierschutznormen. „Die Schweizer Bauern sind nicht in der Lage, gleichzeitig die Folgen eines Agrarfreihandels und die anspruchsvolle Qualitätsproduktion zu stemmen”, sagte Hansuli Huber, Geschäftsführer STS, an einer Medienkonferenz in Bern. „Ein Freihandelsabkommen würde wegen des Preisdrucks der bäuerlich geprägten Tierhaltung den Garaus machen und kleine und mittlere Tierhalter zum aufgeben zwingen.” Dadurch würden die Tierschutznormen unter Druck geraten.

SBV-Präsident Hansjörg Walter stimmte dem zu: „ Eine Freihandelsabkommen hätte negative Folgen sowohl für das Tierwohl als auch für die Tierhalter”. Maya Graf, Nationalrätin der Grünen, warnte vor umständlichen Tier- und Produkttransporten auf der Strasse, wie sie in der EU gang und gäbe seien: „Die Schweiz darf bei diesem tierschützerischen und ökologischen Unsinn – den auch die Konsumenten nicht wollen – nicht mitmachen.” Der STS befürchtet auch, dass das Schlachttiertransportverbot für Klauentiere durch den Agrarfreihandel auf Druck der EU aufgehoben werden müsste.

Hansuli Huber, Geschäftsführer STS

Freihandel: Fluch oder Segen für den Tierschutz in der Landwirtschaft?

Position des Schweizer Tierschutz STS von Dr. sc. nat. Hansuli Huber, Geschäftsführer STS: Im Sommer 2010 hat der STS 56 Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Konsum und Umwelt über ihre Meinung zu möglichen Konsequenzen eines Freihandelsabkommens mit der EU für das Tierwohl befragt. Hier einige Resultate:

• Die Vorschriften in der Eidg. Tierschutzgesetzgebung zur Haltung von Nutztieren könnten unter Druck geraten (Angleichung an EU-Richtlinien): 62% stimmten zu.

• Transportvorschriften für Nutztiere könnten gelockert werden (Angleichung an EU-Richt-linien, Transit von Schlachttiertransporten): 71% stimmten zu.

• Eine bäuerlich geprägte Tierhaltung mit vergleichsweise niedrigen Tierzahlen und verschiedenen gehaltenen Tierarten pro Betrieb: 70% meinten, dass diese Tierhaltungsform eher abnehmen würde.

• Die Höchsttierbestandesvorschriften könnten aufgehoben werden: 54% stimmten zu.

• Der Anteil von Schweizer Eiern am Gesamtkonsum könnte gleich bleiben oder sinken: 83% stimmten zu.

• Der Anteil von Schweizer Labelfleisch im Detailhandel könnte gleich bleiben oder sinken: 84% stimmten zu.

Fazit: Das Gros der angefragten Entscheidungsträger – Ausnahmen sind Vertreter der Metzger- und Detailhandelskreise – sieht ein Freihandelsabkommen Schweiz – EU unter der Tierschutz-Optik kritisch. Man fürchtet, dass einerseits die Tierschutzgesetzgebung verwässert und das Tierwohl leiden werden und andererseits die Anteile an tierfreund-lich produzierten Schweizer Eiern und Labelfleisch sinken könnte.

Der Schweizer Tierschutz STS teilt die kritische Sicht der Mehrheit der angefragten Entscheidungsträger. Er fürchtet, dass ein Freihandelsabkommen das Tierschutzniveau in den Ställen, auf Transporten und in den Schlachthöfen senken würde. Er sieht, bei allem Respekt vor ihren Leistungen, die Schweizer Bauern nicht in der Lage, beide grossen Heraus-forderungen, Qualitätsproduktion und Freihandel, gleichzeitig anzunehmen und erfolgreich umzusetzen.

Qualitätsproduktion samt Tierwohl statt Freihandel

Für den STS sind die Prioritäten klar: Zuerst müssen die Schweizer Landwirtschaft und die vor- und nachgelagerten Stufen, die von Steuerzahlern und Konsumenten gewünschte Qualitätsproduktion samt einem ethisch vertretbaren Tierwohlstandard (Niveau BTS (Tierfreundliche Stallhaltung) und RAUS (Regelmässiger Auslauf ins Freie)) umsetzen. Die Agrarpolitik darf angesichts dieser grossen Herausforderung nicht widersprüchliche Forderungen, Qualitätsproduktion und Freihandel, aufstellen, sondern muss konsequent auf ein IP-/Bio- und Freilandland Schweiz ausgerichtet werden mit dem Ziel, eine eigenständige Landwirtschaft mit einem möglichst hohen Selbstversorgungsgrad anzustreben – eine tierfreundliche und naturnahe Bewirtschaftung vorausgesetzt.

Mit einem Freihandelsabkommen soll die Lebensmittelerzeugung just in einer Zeit verstärkt ins Ausland verlagert werden, wo Landwirtschaftsland zur Ernährung der Menschen weltweit immer knapper wird und es absehbar ist, dass die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe und Lebensmittel ansteigen werden, sich der jahrzehntelange Trend zu immer günstigeren Nahrungsmitteln in unseren Breitengraden umkehren und die Haushaltsausgaben für Lebensmittel wieder ansteigen könnten.

Bereits heute findet eine besorgniserregende Zunahme von Kraftfutterimporten statt. Ein Freihandelsabkommen dürfte für die Futtergetreidebauern, etwa in der Westschweiz, das „Aus“ bedeuten. Die Futtertröge der Kühe, Schweine und Hühner würden dann fast ausschliesslich mit ausländischer Ware aus Brasilien, den USA und der EU gefüllt: Ein beispielloser ökologischer Unsinn!

Im Inland wird mehr verloren als im Ausland zu gewinnen ist

Der STS teilt die Meinung des Bundesrates nicht, dass die freihandelsbedingten Mehrimporte durch Mehrexporte von Schweizer Produkten (Käse, Fleisch und Eier) und Tieren ausgeglichen werden können. Zwar umfasst der EU-Markt die stolze Summe von 490 Millionen Konsumenten. Doch viele EU-Länder verfügen über eine zwar nicht ökologische und tierfreundliche, aber höchst intensive und leistungsfähige Tierproduktion, welche die Nachfrage der EU-Bürger nach Produkten tierischer Herkunft selber abdecken kann.

Bei Fleisch und Milch produziert die EU über 100% des Eigenbedarfes, einzelne Länder wie etwa Dänemark oder Holland bei Geflügel- und Schweinefleisch gar 200% und mehr. Demgegenüber steckt die Nachfrage nach Bio- und Produkten aus tierfreundlicher Haltung (Labelfleisch) in den allermeisten EU-Ländern noch in den Kinderschuhen; Ausnahme: Boden-/Freiland-/Bioeier. Sie kann heute von Bio- und Labelbauern in der EU problemlos abgedeckt werden. Zudem sind hier unsere Tierschutz-Schwesterorganisationen im Ausland aktiv und bewegen Bauern zum Umstellen auf tierfreundlichere Haltungsformen.

Insbesondere beim Fleischexport dürften deshalb im Ausland nur einige wenige ausgesuchte Schweizer Spezialitäten Fuss fassen können, was auch die Branche selber bestätigt. „Das Ausland wartet nicht auf uns!“ wurde ein Proviande Mitarbeiter kürzlich zitiert. Der Export von Frischfleisch ist zu teuer und die im Ausland nachgefragten, wenigen Spezialitäten wie Bündnerfleisch, Mostbröckli oder St. Galler Kalbsbratwurst könnten die vermehrten Fleischimporte nach einem Freihandelsabkommen in keiner Weise ausgleichen.

Ökologisch fragwürdig

Ganz abgesehen davon stellt sich die Frage nach dem Sinn und den ökologischen Konsequenzen des zunehmenden Imports von Lebensmitteln, die auch in der Schweiz erzeugt werden könnten, und des beabsichtigten Exportes von Schweizer Erzeugnissen und Rohstoffen (Milchprodukte, Fleisch, Eier) in die EU, wo Bauern wahrscheinlich ebenso gerne produzieren wie hierzulande. Ganz klar würden die zunehmenden Importe und die angepeilten Exporte die Umwelt verstärkt belasten.

Es ist doch paradox: Der gleiche Staat, der mit Recht den Umweltschutz fördert und strenge Vorschriften erlässt, fördert den grenzüberschreitenden Handel mit Lebensmittel, die hüben und drüben und in ausreichender Menge erzeugt werden können. Statt dass Schweizer Bauern in der Region und für die Region produzieren, sollen sie nun Tiere für den EU-Markt züchten und mästen, während umgekehrt die EU Fleisch, Milch und Eier in die Schweiz liefert.

Lebensmittelsicherheit und –qualität sinken

Die Kehrseite der tieferen Lebensmittelpreise in der EU stellen die regelmässigen Gammelfleisch- und anderen Lebensmittelskandale, die um ein Vielfaches höhere Salmonellenbelastung in Legehennen- und Mastpouletsbetrieben und die hohe Frequenz an Tierseuchen dar (Die Maul- und Klauenseuche in GB und NL 2001 und die Vogelgrippe in NL und Norditalien 2003 brachten CHF 23 Milliarden Verluste!). Ein Freihandelsabkommen könnte sich deshalb auch negativ auf unsere Lebensmittelsicherheit und -qualität auswirken.

Nutztiere als Verlierer

In erster Linie ist es aber die Sorge um das Tierwohl, welche den STS ein Freihandelsabkommen mit der EU sehr kritisch sehen lässt. So hielt die im Sommer 2008 bekannt gewordene BVET-Studie „Vergleich Tierschutzniveau CH-EU“ fest, dass bei einer Übernahme der EU-Richtlinien im Tierwohlbereich nicht von einer Verbesserung gesprochen werden könne, sondern für die Tiere einen Rückschritt gleichkäme.

Dieses klare Fazit war denn auch möglicherweise der Grund, weshalb diese Studie danach als BVETinternes Arbeitspapier bezeichnet und nicht publiziert wurde. Hellhörig machte den STS auch die bundesrätliche Antwort auf das Postulat von NR Maya Graf „Auswirkungen des EU-Agrarfreihandels auf Tierschutzniveau und bäuerliche Tierhaltung“. Der Bundesrat weigerte sich, einen Bericht zu den Auswirkungen des Freihandelsabkommens auf den Schutz der Nutztiere und die noch bäuerlich geprägte Schweizer Tierhaltung zu verfassen.

Die grossen Verlierer eines Agrar-Freihandels mit der EU werden nach Ansicht des STS die Nutztiere sein. Um mit den ausländischen Massentierhaltungen kostenmässig mithalten zu können, müsste die noch bäuerlich geprägte Schweizer Tierhaltung Grossbetrieben weichen. Kleinere und mittlere Tierhaltungsbetriebe kämen unter schweren wirtschaftlichen Druck und müssten entweder aufgeben oder versuchen, in eine Bio/Label-Nischenproduktion auszuweichen. Allerdings sind diese Möglichkeiten beschränkt, setzen bislang doch primär nur COOP und Migros ernsthaft und in grossem Umfang auf Produkte aus tierfreundlicher Haltung.

Bäuerliche Tierhaltung gefährdet

Während das Parlament konsequent alle Vorstösse zur Aufhebung der Höchstbestandesregelung abgelehnt hatte, versuchte der Bundesrat immer wieder, die Höchstbestandesverordnung zu verwässern. Massentierhaltungen in Ställen mit tausenden von Schweinen und zehntausenden von Hühnern vertragen sich indessen nicht nur in den Augen von Steuerzahlern und Konsumenten schlecht mit der vom Bund ausgerufenen Qualitätsstrategie für die Schweizer Landwirtschaf,t sondern gefährden auch das Tierwohl und die Tiergesundheit.

Es macht aus Sicht des STS auch wenig Sinn, einigen wenigen Nutztieren in Nischenproduktionen paradiesische Bedingungen zuzugestehen, während die Hauptproduktion in Grossställe verlagert wird, die dem Tierwohl nicht gerecht werden können. Das Ziel des STS ist klar: Alle Nutztiere in der Schweiz sollen gemäss BTS/RAUS gehalten werden und ein ökologisch (z.B. Frage der Futtermittelimporte; Hofdüngeranfall) und tierschützerisch vertretbarer Nutztierbestand soll möglichst viel zur Ernährung der Schweizer Bevölkerung beisteuern, damit möglichst wenig Importe nötige sind.

Tierschutzvorschriften kommen unter Druck

Da in der EU der Wille nicht da ist, die bestehenden Tierschutz-Lücken zu füllen (z.B. Kühe/Rinder; Ziegen; Schafe; Pferde) sowie die Vorschriften bei Kälbern, Hühnern und Schweinen zu erhöhen, dürften mit Abschluss eines Freihandelsabkommens die Schweizer Nutztierschutzvorschriften politisch unter Druck kommen. Ohne Zweifel würden bäuerliche Gruppierungen und Teile der (Export)Wirtschaft hier rasch nach „gleich langen Spiessen“ rufen.

EU-Ferntransporte durch die Schweiz

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit müsste die Schweiz zudem das jetzige Transitverbot für EU-Schlachttiere aufheben. Das hat Frau Bundesrätin Leuthard in der Herbstsession 2010 glasklar im Ständerat kommuniziert. Dazu käme eine Ausdehnung des Schlachttierhandels über die heutigen Grenzen hinweg. Je nach Nachfrage und Preisen sowie der Auslastung von Schlachthöfen dürften dann Tiere aus der Schweiz zum Schlachten exportiert und EU-Tiere importiert werden.

Damit käme automatisch die weltweit einzigartige Schweizer Transportzeitbeschränkung auf maximal sechs Stunden unter Druck, weil das inländische Transportgewerbe dadurch gegenüber EU-Camioneuren benachteiligt würde. Mit dem zunehmenden Tierhandel und –verkehr kämen Tierseuchen ins Land, die mit millionenteuren und mit Steuergeldern unterstützten Präventionsprogrammen bislang erfolgreich ferngehalten wurden. Die „Gesundheitsinsel“ Schweiz, wie sie sich heute noch gegenüber der EU auszeichnet, wäre dann passé und millionenfaches Tierleid durch Krankheiten und Seuchen vorprogrammiert.

Kostensenkung statt tierfreundliche Haltung

Ein Freihandelsabkommen könnte die Entwicklung hin zu BTS und RAUS stoppen. Seit mehreren Jahren stagnieren die Beteiligungsraten bei diesem Tierschutz-Programm des Bundes. Einerseits gleichen die Beiträge den Mehraufwand der Bauern nicht aus, andererseits dürften viele Bauern mit dem Freihandelsabkommen vor Augen wenig Lust verspüren, jetzt hunderttausende von Franken für den Neu/Umbau einer tierfreundlichen Haltung zu zahlen. Kommt dann das Freihandelsabkommen, werden jene Bauern, die keine Bio/Labelnische gefunden haben, eher in Massnahmen zur Kostensenkung und in die Vergrösserung des Viehbestandes investieren (müssen) als in Qualitätsproduktion und Tierschutz.

Selbstverständlich ist die Qualitätsproduktion mit hohem Tierwohl eine Grundbedingung, dass Schweizer Bauern am Markt ihre höherpreisigen Produkte absetzen können. Doch auch hier Wachsen die Berge nicht in den Himmel. Konsumenten sind bereit, etwas mehr zu bezahlen, doch die Differenz zwischen Import- und Labelprodukt darf nicht allzu hoch sein. Das Preisargument wird mit Abschluss eines Freihandelsabkommens auf allen Stufen (Landwirtschaft, Verarbeitung, Detailhandel, Konsumenten) auf Kosten der Qualität verstärkt in den Vordergrund treten.

Preis wichtiger als Qualität

Konsumenten werden noch preisbewusster einkaufen und mehr Importprodukte nachfragen. Detaillisten, insbesondere Aldi und Lidl, die bislang fast gezwungen waren, bei Käse, Fleisch und Eiern eine erhebliche Palette an Schweizer Herkünften zu führen, dürften dann verstärkt auf Importe setzen. Das Gleiche gilt für den Gastrokanal. Dieser ist bis heute in seiner Mehrheit „tierschutzresistent“ geblieben und setzt statt auf Qualität in erster Linie auf den Preis.

Die in den vergangenen Jahren zaghaft angelaufenen Projekte zur Sensibilisierung des Gastrokanales für Schweizer Herkünfte, für Umwelt- und Tierschutz – sei dies das WWF-Projekt „Gout mieux“, die Werbeanstrengungen der Proviande oder das STS-Projekt „Essen mit Herz“- dürften mit einem Freihandelsabkommen kaum mehr Chancen für eine flächendeckende Wirkung haben, sondern eine kleine Nische bleiben.

Fazit: Der STS sieht die Schweizer Bauern nicht in der Lage, gleichzeitig die Folgen eines Freihandelsabkommens und die anspruchsvolle Qualitätsproduktion zu stemmen. Für den STS sind die Prioritäten klar: Zuerst müssen die Schweizer Landwirtschaft und die vor- und nachgelagerten Stufen die von Steuerzahlern und Konsumenten gewünschte Qualitätsproduktion samt einem ethisch vertretbaren Tierwohlstandard umsetzen. Das Ziel ist in der Tierhaltung eine Freiland-Land Schweiz.

Ein Freihandelsabkommen würde der noch bäuerlich geprägten Tierhaltung den Garaus machen und viele kleine und mittlere Tierhalter zum Aufgeben zwingen. Der Umfang der Tierhaltung würde stark sinken und die Milch/Fleisch/Eier-Produktion nach dem Vorbild der EU in spezialisierte Grossbetriebe mit hunderten von Kühen, tausenden von Schweinen und zehntausenden von Hühnern verlagert.

Die Tierschutzvorschriften kämen unter Druck. Die Schweiz müsste ihre Strassen für die EU-Ferntransporte öffnen, mit dem Risiko, bisher unbekannte Krankheiten und Seuchen zu importieren. Der Trend zu tierfreundlichen Ställen und zur Freilandhaltung würde gestoppt, da die Landwirte unter dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck eines Freihandelsabkommen eher in Massnahmen zur Kostensenkung und in die Vergrösserung des Viehbestandes investieren (müssten) als in Qualitätsproduktion und Tierschutz.

Biohühnerfarm im Kanton St.Gallen

Ein gutes Agrarabkommen mit der EU hilft den Anliegen des Tierschutzes

Kommentar der Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz IGAS: Ein gutes Agrarabkommen mit der EU stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der
Branche und wirkt den negativen Markttrends entgegen. Die Gegner eines
Agrarabkommens mit der EU wollen nicht erkennen, dass die Abschottung
der schweizerischen Agrarmärkte weder die Ernährungssouveränität
stärkt, noch der Verbesserung des Tierschutzes in der Landwirtschaft dient.

Die schweizerische Land- und Ernährungswirtschaft verliert im Inland laufend
Marktanteile. Dies ist insbesondere auf Defizite in der Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen.
Es ist der Branche bisher nicht gelungen, diese Verluste insgesamt
durch Exporte von wertschöpfungsstarken Produkten auszugleichen. Die einzige
löbliche Ausnahme besteht im Käsebereich. Unter dem Regime des bestehenden
Käsefreihandelsabkommen mit der EU ist es nämlich gelungen, den negativen
Trend zu stoppen und die Marktanteile im In- und Ausland wertmässig zu halten
oder gar auszubauen.

Den schweizerischen Tierschutzbemühungen ist nur wenig gedient, wenn die inländische
Tierproduktion laufend durch ausländische Produkte verdrängt wird. Es
ist auch zu kurz gedacht, die Tierschutzfrage auf die Frage der Tiertransporte zu
reduzieren. Das hohe Tierschutzniveau und die gute Lage betreffend Tierseuchen
in der Schweiz sollen erhalten bleiben und als Verkaufsargument eingesetzt werden.

Ein gutes Agrarabkommen mit der EU, gekoppelt mit der bereits aufgegleisten
und breit abgestützten Qualitätsstrategie, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit
der Branche und hilft, die negativen Markttrends insgesamt zu stoppen,
Marktanteile im In- und Ausland zu halten oder sie gar auszubauen.

Die Gegner eines Agrarabkommens lassen völlig ausser Acht, dass sich der Tierschutz
auch in der EU weiterentwickelt. Unsere Nachbarländer zählen zum gleichen
Kulturkreis mit den gleichen Sensibilitäten und Anliegen in der Bevölkerung.
Wir können daher davon ausgehen, dass sich das Tierschutzniveau hüben und drüben tendenziell angleichen wird. Eine vorschnelle Verteufelung der EU greift
daher eindeutig zu kurz.

Das geplante Agrarabkommen mit der EU erhält die Versorgungssicherheit und
schränkt die Wahlfreiheit der Verbraucher nicht ein. Die ganze Nahrungsmittelkette
wird durch die Öffnung gestärkt, indem sie eindeutig wettbewerbsfähiger
wird. Das Know-how bleibt auf allen Stufen erhalten. Durch die Marktöffnung
wird auch niemand gezwungen, Nahrungsmittel zu importieren, es müssen nur
die Marktzutritte gewährt werden. Ob und wieviel importiert wird, entscheidet der
Konsument.

Die Konsumenteninformation wird durch das Abkommen im Agrar-,
Lebensmittel- und Gesundheitsbereich verbessert. Wichtig ist ebenfalls, dass die
Schweiz mit einem Selbstversorgungsgrad von 55-60 % bei einer allfälligen künftigen
Verknappung des Angebotes an landwirtschaftlichen Rohstoffen auf reibungslose
Handelsbeziehungen angewiesen ist. Durch den Abschluss des geplanten
Agrarabkommens mit der EU wird sicherlich die beste Gewähr dafür geboten,
die 40-45 % fehlenden Futter- und Nahrungsmittel auch in schwierigen Zeiten zu
beschaffen. Sich ausschliesslich auf die Selbstversorgung abzustützen, wäre, mit
nur 1’300 m2 landwirtschaftlicher Nutzfläche pro Einwohner, eine unverantwortliche
Strategie.

Die Verhandlungen mit der EU über ein Abkommen im Agrar-, Lebensmittel- und
Gesundheitsbereich sind daher zielstrebig zu Ende zu führen. Gleichzeitig sind
sinnvolle Begleitmassnahmen zu entwickeln. Die IGAS ruft alle betroffenen Kreise
auf, das Projekt eines solchen Abkommens konstruktiv zu begleiten, zumal auch
die Gegner eines solchen Abkommens durchaus eingestehen, dass sich die
schweizerischen Agrarmärkte weiter öffnen werden. Das vorliegende Projekt bietet
der Branche die Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und damit ihre
Marktanteile im In- und Ausland zu halten oder gar auszubauen. Damit ist den
schweizerischen Tierschutzbemühungen am besten gedient.

IGAS über sich selbst

Die Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz IGAS ist eine breit abgestützte
Plattform von Unternehmen und Organisationen, welche die Verhandlungen
über ein Abkommen mit der EU im Agrar-, Lebensmittel- und Gesundheitsbereich
befürworten. Sie will den politischen Prozess aktiv begleiten und mitgestalten.
www.igas-cisa.ch

Folgende Organisationen und Unternehmen der Fleischbranche sind Mitglied der IGAS:

Schweizerischer Fleisch-Fachverband SFF, Zürich

Mutterkuh Schweiz

Suisseporcs, Sempach

Bell AG, Basel

Migros-Genossenschafts-Bund, Zürich

Traitafina AG, Lenzburg