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Sicherheit mit oder trotz GVO?

Immer öfter kommen Lebensmittel auf den Markt, deren Rohstoffe ­gentechnisch verändert wurden. Gibt es gesicherte Erkenntnisse darüber, wie gefährlich sie sein können? Was können Lebensmittelhersteller tun?

von Alimenta Import

In der Vergangenheit wurden Pflanzen so gezüchtet oder veredelt, dass sich bestimmte Eigenschaften verstärken oder andere schwächer werden. Dieser Zuchtvorgang dauert sehr lange und kann durch viele Einflüsse gestört werden. Heute ist die Wissenschaft viel weiter, und es können gentechnisch veränderte Organismen (GVO) hergestellt wer­den. Dazu werden gezielt Gene isoliert und in die Pflanzen als Erbgut «eingebaut», die ­bestimmte Eigenschaften aufweisen. So werden Pflanzen gezüchtet, die immun gegen ­Pestizide oder Kontamination mit Mikro­organismen sind. Ebenso soll erreicht werden, dass die pflanzlichen Lebensmittel länger frisch bleiben (zum Beispiel Tomaten) oder resis­tenter gegen Frost und andere Umwelteinflüsse sind.

Wie ist der Einsatz von GVO zu bewerten?
Grundsätzlich dürfen Lebensmittel mit gentechnischen Veränderungen in Europa nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn diese eine Zulassung haben. Vor einer Zulassung ­erfolgt eine Bewertung, ob von dem Lebensmittel «keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch, Tier oder Umwelt» (Quelle: www.bfr.bund.de) ausgehen und ob die Lebensmittel nicht irreführend sind. Es darf also keine Schädigung des Verbrauchers oder anderer interessierter Parteien erfolgen.
Die EG Verordnung Nr. 1829/2003 vom 22. September 2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel regelt den Umgang mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln in der Europäischen Union. Neben den erwähnten Kriterien wird auch gefordert, dass sich GVO-Lebensmittel «von den Lebens­mitteln, die sie ersetzen sollen, nicht so stark unterscheiden, dass ihr normaler Verzehr Ernährungsmängel für den Verbraucher mit sich brächte». Die Zulassung der GVO-Lebensmittel wird durch die jeweilige verantwortliche Behörde der Staaten vorgenommen. Die zur Zulassung angemeldeten Produkte werden auf die oben genannten Kriterien hin untersucht. Es wird auch überprüft, ob in den Produkten eventuell giftige oder allergene Inhaltsstoffe vorhanden sind. Grundsätzlich ist es möglich, dass Allergiker, die auf bestimmte Substanzen reagieren, auch dann geschädigt werden, wenn aus diesen Stoffen gewonnenes Genmaterial verwendet wurde.

GVO-Produktekennzeichnung notwendig
Zum momentanen Zeitpunkt ist also davon auszugehen, dass zugelassene GVO-Lebensmittel unbedenklich sind. Damit der Verbraucher allerdings selbst entscheiden kann, ob er sich eines möglichen Restrisikos aussetzen möchte, müssen in der EU GVO-Lebensmittel auf den Produkten gekennzeichnet werden. Nur solche Produkte müssen nicht gekennzeichnet werden, die unvermeidbare Spuren enthalten, die während des Anbaus oder Transports ins Lebensmittel gelangt sein können. Hier wird der Unsicherheitsfaktor umso grösser, je mehr GVO-Rohstoffe angebaut werden. Zum Beispiel ist in den USA fest­gestellt worden, dass etwa 83% der Raps­pflanzen, die sich durch wilde Aussaat vermehrt hatten, Genveränderungen auswies, auch wenn diese weit entfernt von Rapsanbaugebieten wuchsen.

Was können Lebensmittelhersteller tun?
Zunächst muss die Entscheidung getroffen werden, ob die Produkte grundsätzlich GVO-frei sein sollen, also auch ohne entsprechende Kennzeichnung. Wenn dies der Fall ist, kann man sich an den Vorgaben des IFS (Inter­national Food Standard) Food ausrichten. Dieser fordert im Abschnitt 4.17 folgende Mass­nahmen:
¦ Identifikation von GVO-Produkten ­inklusive Zutaten
¦ Rohwarenspezifikationen, die GVO-Freiheit bestätigen
¦ vertragliche Vereinbarungen mit den ­Lieferanten
¦ Führen einer aktuellen Auflistung von ge­gebenenfalls verwendeten GVO-Produkten
¦ Kreuzkontamination zwischen GVO- und Nicht-GVO-Ware verhindern
¦ Kontrollmassnahmen einführen
¦ getroffene Massnahmen überprüfen
¦ Deklarationsvorschriften einhalten.
Das Wichtigste hierbei ist, dass vertrauenswürdige Vereinbarungen und Bestätigungen der Lieferanten vorhanden sind, die Gentechnik ausschliessen. Allerdings ist es die Pflicht des Herstellers, sich auch dahingehend zu informieren, welche Produkte möglicherweise Gefahr laufen, dass auf dem Markt zukünftig wenig GVO-freies Material zu bekommen ist.

Zugelassene GVO-Produkte
Auf den Internetseiten der zulassenden Be­hörden kann man sich über bereits durch­geführte Zulassungen informieren. Aber auch auf ­anderen Internetseiten findet man entsprechende Informationen. So zeigt die Seite www.transgen.de/zulassung/gvo/ alle Pro­dukt­­­grup­pen, zu denen bereits Zulassungen vor­liegen. Zu einzelnen Stoffen gibt es Hinweise zum Stand der derzeitigen Forschung, Informationen zu bereits erfolgten Zulassun­gen, Anbauländern, Merkmalen der GVO-Pro­dukte sowie eine Perspektive für die Zukunft. Bei den Gruppen Pflanzen, Lebensmittel, ­Zutaten und Zusatzstoffe, Enzyme kann man nachschlagen, ob es bereits viele Zulassungen in dem Herkunftsgebiet der entsprechenden Roh- oder Zusatzstoffe gibt. Besonders wichtig ist vor allem die Angabe, ob in absehbarer Zukunft neue Zulassungen geplant sind.
Auch wenn zugelassene GVO-Lebensmittel vermeintlich sicher sind, versuchen viele europäische Lebensmittelhersteller deren Verwendung zu vermeiden. Das Wichtigste dabei ist eine gute, ständig aktuelle Information sowie ein gezieltes Lieferantenmanagement.

*?Die Autorin ist Geschäftsführerin der readL.media GmbH, Fachinformation für Qualitätsverantwortliche der Lebensmittelwirtschaft.