Datum:

Weg mit bürokratischen Hürden

Gewerbliche Metzgereien fühlen sich durch bürokratische Hindernisse schikaniert. Der Schweizerische Fleischfachverband will abhelfen und ­fordert die Beseitigung von «bürokratischem Unfug».

von Alimenta Import

«Könnte es sein, dass die Politik uns kleine KMUs verschwinden lassen will?», fragt sich Metzger André Scholl aus Selzach. «Es ist nicht möglich, dass wir ­innerhalb von vier Jahren die Deklaration nur eines einzigen unserer Produkte fünfmal ­ändern müssen, nur weil die Gesetzgebung ändert.» Scholl sieht sich mit der gesetzlichen Flut von Vorschriften schikaniert. Als ge­werblicher Betrieb hat die Metzgerei die ­Kunden aus der näheren Umgebung im Visier und braucht keine EU-Vorschriften, weil er ja nicht dorthin exportiert.

Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizerischen Fleischfachverbandes (SFF), sieht im Betrieb von Scholl ein prägnantes Beispiel, wie kleingewerbliche Fleischbetriebe mit den ­Vorschriften überfordert sind. Die Liste der Überregulierungen ist lang. Hadorn nennt Beispiele wie die Schlachtviehkontrollen, ­Entsorgungs- und Reinigungskonzepte und weitere vorschriftsmässige mikrobiologische Untersuchungen. Oder auch die Umstellung der Mehrwertsteuer und unangemeldete Kontrollen. Diese würden sich  für einen Kleinbetrieb schnell einmal auf mehrere Tausend Franken pro Jahr belaufen. Der Metzgermeis­ter in einem kleineren oder mittleren Betrieb ist Patron, Betriebsleiter, Ausbildner, Arbeiter und QS-Verantwortlicher in einem. Wenn dauernd mehr administrative Aufgaben da­zukommen, sei auch der fortschrittlichste ­Betrieb einmal überfordert.

Für Grossbetriebe kein Problem
Das Gegenstück zur kleingewerblichen Metzgerei bildet der grösste Schlachtbetrieb in der Schweiz, die Bell AG in Oensingen. Dort arbeiten sich zwei vollamtliche Spezialisten der QS-Abteilung durch den Vorschriftsdschungel. Der Leiter Frischfleisch, Josef Dähler, ­erklärt, dass pro Jahr ungefähr zehn Audits durchgeführt werden. Denn jeder Kunde kontrolliert selber die gleichen Anforderungen wie die staatlichen Stellen, also der Veterinär und der Kantonschemiker. Zudem machen alle Labels wie Bio oder Natura Beef zusätzlich ihre Kontrollen.
Für Bell als Grossbetrieb ist die adminis­trative Gesetzesflut normal, doch Dähler ­unterstützt die Initiative gegen zu viel Bürokratie, gebe es doch viele unnütze Vorschriften, die niemandem etwas brächten. Die Branche ist sich einig, dass sich der gesunde Menschenverstand im Vorschriftsdschungel durchsetzen sollte.