Datum: Branche:

Export nach Deutschland

Wenn die Fleischbranche ihre Hausaufgaben erledigt, d.h. strukturelle Defizite beseitigt und ein professionelles Qualitätsmanagement betreibt, und wenn der Staat mit einer intelligenten Exportförderung hilft, muss man sich um den Exporterfolg der Schweizer Fleischbranche keine Sorgen machen.

von Foodaktuell Importer

Prof. Dr. Dr. h.c. P. Michael Schmitz: Wichtig ist, dass die Branche ihre Hausaufgaben macht.

Zusammenfassung des Referats von Prof. Dr. Dr. h.c. P. Michael Schmitz an der Exporttagung von Proviande am 29.10.2010: Mit dem schrittweisen Abbau der Agrarprotektion in der EU und der Schweiz sowie mit dem Umbau des Förderinstrumentariums in Richtung produktionsentkoppelter Direktzahlungen haben sich die Chancen für den Agrarhandel bei offenen Grenzen eindeutig verbessert. Das gilt sowohl für alle beteiligten Länder als auch für den Export und den Import. Zugleich hat sich die weltwirtschaftliche Lage nach dem Einbruch infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder deutlich erholt.

Die Zuwachsraten beim realen Welteinkommen und beim Welthandel haben das Vorkrisen-Niveau bereits wieder erreicht. Das gilt auch für die internationalen Agrarmärkte. Die Fundamentalfaktoren auf Angebots- und Nachfrageseite deuten auch in den nächsten zehn Jahren auf eine hohe Dynamik der Märkte hin, die vor allem vom asiatischen Raum getrieben wird. Gute Preise und Absatzmöglichkeiten werden vor allem für Milch- und Fleischprodukte erwartet.

Speziell auf Deutschland bezogen ist die aktuelle wirtschaftliche Situation als sehr gut einzustufen. Für 2010 wird ein reales Einkommenswachstum von 3,5% erwartet, für 2011 ein Zuwachs von 2,0%. Inzwischen ist bei deutlich sinkender Arbeitslosigkeit (7%) auch die Binnennachfrage angesprungen, so dass der Aufschwung nicht mehr allein vom Exportwachstum getragen wird.

Für den Schweizer Export von Fleischspezialitäten sind somit beste Voraussetzungen gegeben. Allenfalls könnte die leichte Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn dämpfend wirken.

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch in Deutschland ist auf hohem Niveau leicht rückläufig. Die Diskussion um die Tierproduktion als neues gesellschaftliches Reizthema sowie um die „richtige“ Ernährung könnte diesen Trend noch verstärken. Für Fleischspezialitäten dürften diese Negativtrends allerdings weniger gelten als für Standardware. Insbesondere wenn Rückverfolgbarkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit
gewährleistet sind, dürfte der deutsche Verbraucher sogar eine wachsende Zahlungsbereitschaft haben.

Gute Export-chancen für Schweizer Fleisch-Spezialitäten

Gerade Produkte aus der Schweiz würden bei Einhaltung dieser Voraussetzungen somit sehr gute Absatzchancen auf dem deutschen Markt aufweisen, wie der jüngste Zuwachs der Fleischexporte der Schweiz zeigt.

Mit kluger Exportförderpolitik (keine Exporterstattungen) konnte der Staat die Bemühungen der Branche unterstützen. Die meisten EU-Länder unterstützen ihre Agrarexportbranchen mit staatlichen Mitteln zur Absatzförderung. Am erfolgreichsten läuft das erfahrungsgemäss dort, wo Staat und Privatwirtschaft in enger Abstimmung (Public-Private-Partnership) ein Exportmarketingkonzept entwickeln und gemeinsam finanzieren.

Wichtig ist darüber hinaus, dass die Branche selbst ihre Hausaufgaben macht, und zwar zum einen strukturelle Defizite beseitigt – soweit vorhanden – und zum anderen ein professionelles Qualitätsmanagement sicherstellt, um die Wünsche anspruchsvoller Fleischverbraucher zu befriedigen. Werden diese Hausaufgaben erledigt und hilft der Staat mit einer intelligenten Exportförderung, muss man sich um die Schweizer Fleischbranche keine Sorgen machen.

Weiterlesen: Exportförderung von und für «Schweizer Fleisch»