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Gebrauchtmaschinen sind gefragt

Lebensmittel reisen um die ganze Welt. Aber auch ihre Erzeuger und Verpacker, die Lebensmittelmaschinen, sind mobil. Das Geschäft mit Secondhand-Maschinen floriert.

von Alimenta Import

Vieles hat sich getan, seit 1886 die Herren Gustav Henckell und Gustav Zeiler die Firma Hero gründeten. Der Gebrauch von Lebensmittelmaschinen wurde seither immer selbstverständlicher. Aufgrund digitalisierter Steuerungen und zeitgemässer Technik ist es aber öfter nötig als früher, neue Maschinen anzuschaffen. Eine alte Maschine kann jedoch meistens noch gebraucht und weiterverkauft werden. Im Fall von Hero ­werden die Maschinen konzernintern ausgeschrieben. Mit Produktionsstandorten in rund zwanzig Ländern finden sich meistens Ab­nehmer.

«An jedem Standort steht ein Technikerteam bereit, das Maschinen im funktionellen Bereich umbauen oder gegebenenfalls für das Ersatzteillager ausschlachten kann», sagt Andreas Sutter, Produktionsleiter am Hero-Standort Lenzburg. «Ist dies nicht der Fall, werden die Maschinen öffentlich ausgeschrieben und von grossen internationalen Händlerfirmen aufgekauft.»

Emmi dominiert
Auch bei Emmi hat der eigene Konzern ­Vorrang bei der Weiterbenützung der alten ­Maschinen. Für den Rest arbeitet Emmi mit internationalen Grosshändlern zusammen, die meistens den Zuschlag für nicht mehr benötigte Maschinen bekommen. «Der Grund für die Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinaus ist der verhältnismässig kleine Markt in der Schweiz», sagt Monika Senn, Sprecherin von Emmi. «Noch vor zehn bis fünfzehn Jahren war das Geschäft mit gebrauchten Lebensmittelmaschinen lukrativer. Heute hat sich die Situation ein wenig geändert, weil die Preise gesunken sind und man abwägen muss, ob sich ein Verkauf überhaupt noch lohnt.»

Verkauf auf Umwegen
Optimistischer sieht René Dietrich, Geschäfts­führer der Firma Dietrich Maintenance ­Service in Elgg ZH, das Business. Er beschreibt das Geschäft mit gebrauchten Lebensmittel- und Verpackungsmaschinen in der Schweiz als gut bis sehr gut. «Es gibt immer mehr kleine ­Unternehmungen, die ihre Chance auf dem Lebensmittelmarkt suchen.» Doch Klein­kunden seien aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten auf gebrauchte Maschinen angewiesen. Dietrich arbeitet als Zwischenhändler fast ausschliesslich für Schweizer Kunden. An einen Konkursnachlass zu kommen sei schwierig: «Man muss vorinformiert sein, und häufig bekommen grosse internationale Händlerfirmen wie etwa Lekkerkerker oder Troostwijk den Zuschlag. Diese kaufen meis­tens auch nicht einzelne Maschinen, sondern gleich das ganze Equipment.» Es kommt deshalb immer wieder vor, dass eine Lebensmittelmaschine aus einer Schweizer Liquidation oder einem Schweizer Verkauf zuerst den Weg in eine ausländische Lagerhalle findet, bevor sie den Weg zurück in die Schweiz antritt. Hier hilft sie dann womöglich einem kleinen Unternehmen, auf dem nationalen Lebensmittelmarkt zu bestehen.

Vertrauen ist das Wichtigste
Wie in den meisten Bereichen des Gebrauchtwarenhandels ist auch in der Lebensmittel­industrie Vorsicht geboten beim Kauf von Anlagen und Maschinen, sagt Dietrich: «Gute Beziehungen sind deshalb das A und O.» Das gilt nicht nur für Käufer, sondern auch für Verkäufer von gebrauchten Lebensmittelmaschinen. Etliche Firmen hätten mit Zwischenhändlern schon schlechte Erfahrungen mit verspäteten oder noch immer ausstehenden Zahlungen gemacht. Natürlich hat der Meistbietende bei Maschinenverkäufen auch in der Schweiz meistens die Nase vorn, ausschlag­gebend sind aber die Beziehungen und das Vertrauen zum Geschäftspartner. Denn verkaufen Zwischenhändler Schrottware, bedeutet das einen Prestigeverlust und kann dem Unternehmen einen beträchtlichen Schaden verursachen. Dietrich: «Die Mundpropaganda hat in der Gebrauchtmaschinenindustrie ­einen entscheidenden Stellenwert.»

Grosse Preisunterschiede
Der Preis einer gebrauchten Lebensmittelmaschine setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. So steigt der Preis umso höher, je grösser die Nachfrage ist. Wie häufig die ­Maschine auf dem Markt vorhanden ist und die Schwierigkeit der Suche auf dem interna­tionalen Markt sind weitere Punkte, die den Preis beeinflussen. Dazu kommen je nach ­Distanz höhere Transportkosten. Aber auch das Alter und die möglichst vielfältige Verwendbarkeit einer Maschine sind bei den Preisverhandlungen wichtige Faktoren. Kann die Maschine weiter umgebaut, ausgebaut und für ganz andere Arbeiten genutzt werden, so steigt ihr Wert. In der Branche gilt eine ­Lebensmittelmaschine grundsätzlich ab zehn Jahren als alt. Die Beurteilung ist aber stark vom Modell und von der Steuerung abhängig. Wie gross der Abschlag beim Kauf einer gebrauchten Maschine gegenüber einem fabrikneuen Modell ist, kann nicht generell be­antwortet werden. Laut Corina Atzli, Sprecherin der Bühler-Group, einer der grössten Schweizer Lebensmittelmaschinenhersteller, bewegt sich der Preis einer gebrauchten Verpackungs-, Rüst- oder Abfüllanlage bei unter zehn Prozent des Neupreises.

Antizyklisches Verhalten
Dass es der Lebensmittelmaschinenbranche gut geht, hat auch mit der aktuellen Wirt­schafts­krise zu tun. «Die Lebensmittel­maschi­­nen produzieren zum grossen Teil Grund­nahrungsmittel. In Krisenzeiten werden diese den Genuss- und Luxuslebensmitteln vorgezogen», sagt Corina Atzli. «Dieses antizyklische Verhalten im Vergleich zur Restwirtschaft ist für die Lebensmittelmaschinenindustrie
in der momentanen Situation definitiv ein ­Gewinn.»