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Segmentierung auch für Sammelrahm

Cremo will das Überschussprodukt Rahm auch auf gewerblicher Stufe ­segmentieren. So könne im Export ein kontinuierliches Angebot geschaffen werden. Die Käser sind erstaunt: Damit solle der Preis gedrückt werden.

von Alimenta Import

«Wenn wir den Rahm segmentieren, können wir auch die Kunden im Ausland kontinuierlich beliefern und ­müssen nicht immer wieder neue Kunden akquirieren», sagt Fritz Hostettler von Cremo an der Hauptversammlung des Bernischen Milch­käuferverbandes (BMKV). Export­märk­­te könn­ten mit der Segmentierung längerfris­tig erschlossen werden. Andreas Wegmüller von Cremo ist überzeugt, dass mit der Rahmsegmentierung der Inlandpreis gestützt und somit der in diesem Bereich noch vorhandene Grenzschutz optimal ausgenützt werden kann. Bei einem Mischpreis bestehe die Gefahr, dass das gesamte Preisniveau nach unten angepasst wird. «Tatsache ist, dass wir bei der heutigen Milchproduktion zu viel Fett für den Schweizer Markt produzieren und dass daher ein Teil exportiert werden muss», sagt Wegmüller. Der Rahm aus den gewerblichen Käsereien ist von dieser Massnahme ebenfalls betroffen. Denn auf Stufe Industrierahm ist die Segmentierung schon eingeführt.

Verhandlungen sind geplant
Fromarte als Vertreterin der gewerblichen Käse­reien hat laut Direktor Jacques Gygax die Rahmsegmentierung bisher abgelehnt. Denn Priorität für Fromarte hatte, dass sich die ­Branche auf Butterentlastungsmassnahmen einigen konnte. Per 1.? Januar ?2011 sind nun aber Verhandlungen geplant. «Wir werden nicht nur über eine Segmentierung ver­handeln», sagt Gygax, «sondern über die Entwicklung des Rahmpreises im All­gemeinen.» Wie die Preise stabilisiert werden sollen, ob über eine Abgabe, eine Preisan­passung oder mit der Segmentierung, ist noch offen. Klar für Gygax ist, dass sich ­Fromarte Ge­danken zu einer «Butterstrategie» macht. Auch ­Markus Willimann von der Vereinigung der Milchindustrie (VMI) sagt, dass im neuen ­System, das von der Branchenorgani­sation Milch letzten Mittwoch beschlossen wurde, auch die wichtige Teilkomponente Rahm ­unter die Segmentierung fallen muss. Dazu gehört der Sammelrahm der Käsereien.

Wohin mit dem Fett?
Bei den gewerblichen Käsereien herrscht überwiegend die Meinung vor, dass die Cremo selber dafür verantworlich ist, dass kein Butterberg entsteht, «der sich komischerweise nur
in diesem Unternehmen auftürmt». «Es darf nicht Strategie sein, die Anlagen auszulasten, und wenn dann die Lager voll sind, die anderen helfen müssen, die Butter mit Überschussverwertung zu bezahlen», sagt etwa der Galmizer Käser Walter Haussener. Die gleiche Firma stelle sich dann als Retter der Schweizer Milchwirtschaft dar.

Ins Joghurt?…
Die Fettproblematik von Unternehmen ist vom Produktportfolio abhängig. Wenn aufgrund des stärkeren Wachstums der Milchproduktion gegenüber dem Absatz viel Mager­milch- und Proteinpulver hergestellt wird und als Commodities auf den Weltmarkt gebracht werden muss, fallen dementsprechende Mengen Fett an. Im letzten Sommer wuchs der Butterberg auf den Rekordwert von über 10?000 Tonnen an und umfasst jetzt, Mitte November, (mit angelaufenem Export) noch immer 6738 Tonnen. Emmi produziert laut Markus Willimann beispielsweise Produkte, deren Fettbilanz besser aufgeht. Auch die Molkerei Lanz in Ober­gerlafingen verarbeitet den anfallenden Rahm in ihren Produkten, wie beispielsweise dem neuen mit Mövenpick-Lizenz produzierten ­Joghurt, das einen überdurchschnittlich hohen Fettanteil von 10% aufweist.

… in die Schokolade …
Auch eine Molkerei, die keine Probleme bei der Fettverwertung kennt, ist die ­Züger Frischkäse AG. Laut Christof Züger steigt der Butterabsatz der Molkerei laufend im Detailhandel, in Abholmärkten und der ­Industrie. Selbstverständlich hat Züger Verständnis für Butterhersteller. Denn bei Einschränkungen in gewerblichen Käsereien werde oft zentri­fugiert und der zusätzliche Rahm an die ­Butterhersteller abgegeben, ­welche die Ein­lie­fe­rungs­schwankungen übernehmen. So wird das ­Problem zu den Butterherstellern verlagert. Bei Hochdorf Nutritec hätte dieses Jahr laut Pressesprecher Chris­toph Hug noch mehr Fett verkauft werden können, doch dieses brauchte die Unter­nehmung selber zur Herstellung von Fett- und Vollmilchpulver. Denn die Schokoladeindus­trie laufe viel besser als im Vorjahr.

… oder mit Eigeninitiative verkaufen

Viele Käser befürchten, dass Cremo die ­Segmentierung dazu benützt, die Rahmpreise zu senken. Dies könnte mehr Lieferanten ­veranlassen, abzuspringen, einen neuen Abnehmer zu ­suchen oder sogar selber aktiv zu werden in der Rahmverarbeitung. So wie die Käsereien, die sich im letzten Mai in der ­Burtona AG zusammengefunden haben. Seither verarbeiten diese Käsereien in Aarwangen, Dürrenroth und Koppigen ihren Rahm selber zu Butter. Zusätzlich kauft die Firma noch von 25 weiteren Käsereien Rahm zu, den sie an Dritte wie beispielsweise an die Züger AG weiterverkauft.

Keine Lückenbüsserrolle übernehmen

Diese Praxis von gewerblichen Käsereien will Cremo aber nicht mehr länger dulden und will nur noch Exklusivlieferanten. Rahmlie­fe­ranten, die auch an Dritte liefern, sollen in Zukunft nicht mehr berücksichtigt werden. Cremo sei kein Regulierbetrieb mehr, sagt Fritz ­Hostettler. Was kein Käsehändler akzeptieren würde, gelte künftig auch bei Rahm. Das Unternehmen will nicht mehr länger die Verantwortung übernehmen für das nationale Butterlager.

Transparenz bei der Segmentierung
Ob der Fettmarkt nun gut oder schlecht läuft, im neuen System ist jede Unternehmung ­selber dafür verantwortlich, dass ihre Fett­bilanz aufgeht. Für Michel Pellaux von Cremo ist das Wichtigste an der Segmentierung, dass vollständige Transparenz herrscht. Momentan kaufe Cremo 83% der Milch mit garantiertem Preis. 17% sind segmentiert. Bis jetzt wird Sammelrahm normal gekauft. Pellaux sagt, dass wenn mit dem Rückbehalt von einem Franken weitergefahren werde, dies auch einer Art Segmentierung entspreche.

Ein Nachteil für die Butterhersteller

Wer was in der schweizerischen Milchlandschaft produziert, wurde schon 2002 festgelegt, nämlich beim Crash der Swiss Dairy Food. Damals einigten sich Emmi und Cremo darauf, dass sich die Zentralschweizer um die gelbe Linie kümmern würden, die West­schweizer um die weisse, sprich Milchpulver, Butter und Rahm. Jahrelang ging die Rechnung mit Bundeshilfe auf. Wenn Fett knapp war, konnte durch Zollabschöpfung bei importierter Butter gleichzeitig auch Kochbutter verbilligt werden. Nach der Kontingentsaufhebung und der darauf folgenden Überproduktion ist derjenige, der Butter auf teurerem inländischem Niveau herstellt im Nachteil. Schliesslich liegt der Fokus beim Export auf Milchpulver, also Protein. Das Fett, das aus dieser Produktion anfällt, muss im Inlandmarkt untergebracht werden.