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Wie beautiful ist small?

von Alimenta Import

Soeben ist mir eine Mitteilung in die Mailbox geflattert. Sie stammt von der eidgenössischen Forschungsanstalt ART in Reckenholz und Tänikon. Die Kombination von ökologischer Landwirtschaft und wirtschaftlichem Erfolg sei möglich. Das habe eine Studie über 100 Betriebe gezeigt. Das finde ich an sich nicht weiter erstaunlich. Dass man mit ökologischem Wirtschaften gutes Geld verdienen kann, ist eine altbekannte Tatsache.

Schon interessanter fand ich die Aussage im ­letzten Abschnitt der Mitteilung: «Die Studie zeigt, dass mit jedem produzierten Liter Milch durchschnittlich 1,3 kg CO2-äquivalente Treibhausgase in die Atmosphäre abgegeben werden», heisst es dort. Auch das hat man schon oft gehört: Kühe sind, was den Ausstoss von Treibhausgasen, ­namentlich Methan angeht, beträchtliche Umweltsünderinnen. «Allerdings», so heisst es in der Mitteilung weiter, «gibt es zwischen den Milchproduzenten eine grosse Streuung.» Die Belas­tung hänge stark vom jeweiligen Betrieb ab. Und weiter: «Nicht entscheidend ist, ob die Milch nach Bio-Richtlinien oder nach ÖLN-Kriterien (Ökologischer Leistungsnachweis), im Tal, Hügel oder Berg, beziehungsweise durch einen gemischten oder spezialisierten Betrieb produziert wurde.»
Das ist doch schon ein ziemlich erstaunliches ­Ergebnis, wenn man den finanziellen Aufwand in Betracht zieht, den der Bund für die Durch­setzung des ÖLN-Standards betreibt. Die aus meiner Sicht Aufsehen erregendste Nachricht sparen sich die Autoren aber für den Schluss: «Hingegen scheinen grössere Betriebe mit vielen Milchkühen und einer grossen Milchmenge ­tendenziell tiefere Umweltwirkung pro Kilogramm produzierter Milch zu haben.»

Wenn sich dieser Sachverhalt erhärtet, dann wird in einigen Köpfen, nicht zuletzt in meinem, ein Denkprozess in Gang kommen müssen. Small is beautiful, lautet ein viel zitiertes und gerade in der Landwirtschaft beliebtes Dogma. Man soll jetzt nicht voreilig dem Grossbetrieb in allen ­Lagen das Wort reden. Umgekehrt scheint es aber verfehlter denn je, grundsätzlich davon auszugehen, dass Kleinbetriebe den Anliegen der landwirtschaftlichen Umwelt besser entsprechen.