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Tagungsbericht Sweets Global Network 2010

Mit rund 550 Teilnehmern aus 11 Ländern konnte der 11. Internationale Süsswarenkongress, der vom internationalen Süsswarenhandelsverband Sweets Global Network (SG) in Berlin veranstaltet wurde, einen neuen Rekord vermelden. Unter dem Motto "Die Süsswarenwirtschaft im Wandel der Zeit" ging es vor allem um die globalen Probleme und Perspektiven der Branche, die mit einer Reihe von hochkarätigen Fachvorträgen beleuchtet wurden. Zentrale Themen waren die demographische Entwicklung, Süsswaren und Mittelstand sowie Nachhaltigkeit und Rohstoffe. Tagungsbericht.

von Foodaktuell Importer



Der Internationale Süsswarenkongress ist die weltgrösste Tagung der Süsswarenbranche

Die globalen Zusammenhänge, Veränderungen und Perspektiven der Süsswarenbranche standen dementsprechend auch im Fokus des Kongresses, den SG-Präsident Dr. Udo Gyllensvärd gleich zu Beginn auf den Punkt brachte: „Diese Veranstaltung hat sich längst zu einer internationalen Institution entwickelt, die die weltweite Situation und die Zukunftschancen wie -probleme kompakt und vielseitig beleuchtet. Dies durch eine Vielzahl an Fachreferaten, aber auch durch den persönlichen Kontakt und Austausch der Teilnehmer aus Industrie und Handel“.

Dr. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, zeigte in seinem umfassenden Beitrag vor allem auf, dass die globale Demographieentwicklung teilweise dramatische Auswirkungen auf die Sozial- und Wirtschaftsverhältnisse haben wird.

Sein ausführliches Zahlenwerk zeichnete eine dezidierte Zukunftsanalyse: „Es gibt ein immer grösser werdendes Ungleichgewicht zwischen Regionen mit schrumpfenden und stark wachsenden Bevölkerungen. So wird Afrika 2050 seine Einwohnerzahl auf zwei Milliarden verdoppeln. Noch mehr Neubürger sind in Asien zu erwarten. Die USA werden bis 2050 so viele Menschen hinzugewinnen, wie heute in Deutschland leben. Indien wird bald schon China als bevölkerungsreichstes Land ablösen, das seinerseits bis 2050 mit dem Schrumpfen beginnt.“

Besonders stark vom demographischen Wandel betroffen sei Deutschland. Hier hat sich die Zahl der Neugeborenen von 1960 (insgesamt 1,36 Mio.) bis 2009 (665 000) halbiert. Bis 2050 sei zu erwarten, dass jeder siebente in Deutschland lebende Mensch über 80 Jahre sein wird. Sein abschliessendes Fazit: Diese demographischen Tendenzen werden dramatische Wachstumsveränderungen und -störungen zur Folge haben.

Der moderne hybride, multi-optionale und manchmal paradoxe Konsument lässt sich nicht mehr so einfach analysieren, in ein Schema einordnen und daraus Prognosen ableiten. Die Marktforscher sind gefordert.

Prof. Hendrik Schröder, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere für Marketing und Handel an der Universität Duisburg-Essen, beleuchtete das komplexe Verhältnis zwischen Hersteller, Handel und Endkunde. Der heutige Kunde sei äusserst flexibel und veränderlich in seinen Konsumbedürfnissen. Sein Verhalten sei mal „konsistent oder hybrid, andererseits multi-optional oder paradox“. Das Spektrum der Kundenbedürfnisse erweitere sich ständig – und beinhalte auch die Faktoren und Werte wie etwa Stressfreiheit, Entschleunigung, Gesundheit, Convenience und Nachhaltigkeit. Diese Vielfalt von Verbraucherseite, so Schröder, befördere die Konzeptvariationen des Handels.

Dies auch in durchaus gegensätzlichen Marktumsetzungen: Grossfläche versus Kleinfläche, Versorger versus Erlebnisvermittler, Filialisten versus Selbständige, Online-Shops versus Offline-Shops. Verbunden mit zahlreichen neuen Trends im Handel wie etwa Pop-up-Stores, Live-Shops, Ein-Euro-Shops, Convenience-Stores und Nachbarschaftsläden. Der Schlüssel zum Erfolg, so Prof. Schröder, sei – gleichgültig um welches Handelskonzept es sich handele – vor allem im grundlegenden Vertrauensverhältnis zwischen dem Kunden und dem jeweiligen Anbieter zu finden. Gerade bei mittelständischen Einzelhändlern sieht der Marketingexperte gute Chancen, die Kunden zu überzeugen. Gerade sie würden für persönliche Kommunikation, Beratungskompetenz, Service sowie für ein kundengerechtes Sortiment sorgen.

„A Gum a Day – A Smile a Day“ – dieses optimistische Motto stand ganz im Vordergrund des Vortrages von Andreas Gabel, Sales Director der Wrigley GmbH, der in der demographischen Veränderung einer älter werdenden Gesellschaft eben kein Unheil sieht, sondern eher eine Chance zur Markterweiterung und Markenstärkung. Gabel zeigte deutlich auf, dass die Nr. 1 im deutschen Kaugummi-Markt in den letzten 40 Jahren immer wieder mit innovativen und zukunftsweisenden Produktideen überaus erfolgreich war – und das Thema Kaugummi zeit- und verbrauchergemäss weiterentwickelt hat.

Seine Strategie für die Zukunft basiert vor allem auf den Faktoren Gesundheit/Zusatznutzen, aber auch auf den Bereichen Lifestyle/Moderner Genuss. Der Kaugummi der Zukunft – dient vor allem auch als sinnvolle Ergänzung der Zahnpflege. Gabel: „Der dentale Nutzen von Zahnpflege-Kaugummis ist wissenschaftlich untermauert und wird damit – auch über Altersgrenzen hinaus – zukünftiges Wachstum sichern. Das Kauen von Kaugummis hat noch eine Reihe von weiteren gesundheitlichen Vorteilen. Zudem sind Kaugummis auch optimal als Träger von Nahrungsergänzungsstoffen – wie etwa Mineralien und Vitaminen“.

Die überaus erfolgreiche Einführung der Lifestyle-Marke 5 GUM habe eindrucksvoll gezeigt, dass auch bei Stammverwendern neue Potenziale zu wecken seien, wenn Trends mit einer glaubwürdigen Markenpositionierung umgesetzt würden. Sein Fazit: Das Potenzial der Marke und des Segments schlägt die Demographie. Durch entsprechende Produkt- und Marketingmassnahmen sei es jetzt schon gelungen, ältere Zielgruppen zu erreichen und zu binden.

Bernhard Steinrücke, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Indischen Handelskammer, warf ein umfassendes Schlaglicht auf einen der weltweit grössten Wachstumsmärkte: Indien. Der indische Markt biete auch für deutsche Süsswarenhersteller durchaus Chancen, obwohl er sich ganz anders gestalte als etwa die nationalen Märkte in Europa.

Der gesamte Süsswarenmarkt in Indien beläuft sich auf einen Jahresumsatz von rund 2 Mrd. Euro und steckt aber, was die Importe aus dem Ausland betrifft, noch in den „Kinderschuhen“. Nur 2,5 Prozent des Verbrauchs an Süsswaren wird importiert. Nur 30 Prozent der Süsswaren werden industriell produziert, der Rest wird nach traditioneller Art zu Hause oder in Kleinstbetrieben hergestellt. Die Einfuhr ausländischer Süsswaren werde zudem erheblich durch die hohen Einfuhrzölle erschwert, die die Ware entsprechend überteuern. Zudem sei der indische Markt etwa durch 12 Millionen Kleinstläden derart atomisiert, dass ein durchgängiges Vertriebsnetz nur schwer aufzubauen sei.

„Die Strategie wird mit Bleistift geschrieben, die Werte mit Tinte“: Prof. Dr. Arnold Weissmann von der Hochschule Regensburg gab deutliche Orientierungshilfen in Richtung Unternehmenskultur, -strategie und Führungsstärke. Sein Credo: Nicht der kurzfristige Erfolg ist entscheidend, sondern die Langfristigkeit in der Wertschöpfung. Wachstum an sich – sei gerade auch für mittelständische Unternehmen kein Allheilmittel. Es gelte vielmehr, Kernprinzipien aus und für die Unternehmenskultur zu entwickeln, die wesentliche Stärken binden und weiterentwickeln. Sein Ansatz, die Verbindung zwischen Ökonomie und Ethik nicht als Paradoxum an sich, sondern als Grundprinzip und Erfolgsnorm zu erkennen, brachte er abschliessend auf die Formel: „Wenn es drinnen nicht brennt, kann es draussen nicht leuchten“.

Dass man brennen muss, um ein Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln, bewies Dr. Klaus Karg, Dr. Karg Exquisiter Brotgenuss. Dr. Karg beschrieb vor allem den nicht ganz leichten Weg, den elterlichen Backbetrieb zu übernehmen und auch mit neuen Sortimentsideen in die Zukunft zu führen. Neben dem Ausbau des klassischen Kerngeschäftes als Bäckereifilialist, setzte Karg vor allem auf eine ganz neue Produkt- und Vertriebsschiene – die Herstellung von exklusiven, hochwertigen Knäckebrot-Varianten.

Sein Mut, in diese neue Range zu investieren, wurde von den Kunden und vom Handel belohnt. Das Unternehmen konnte in den letzten zehn Jahren erheblich wachsen und seine nationalen wie internationalen Vertriebsnetze erfolgreich ausbauen. Als Spezialist in der Nische hat sich Dr. Karg Exquisiter Brotgenuss aus der Enge des stagnierenden Brotmarktes befreien und ein neues, starkes Standbein entwickeln können.

Ein Familienunternehmen, so Alfred Ritter, Inhaber von Ritter Sport, sei per se auf Langfristigkeit angelegt. Ritter referierte eindrucksvoll und emotional über nachhaltige Projekte in seinem Unternehmen. Statt des Begriffes „Nachhaltigkeit“, der derzeit etwas inflationär benutzt würde, halte er lieber den Begriff der „Zukunftsfähigkeit“ für angemessen. Diese Zukunftsprojekte sind in der Tradition von Ritter Sport schon lange verankert und umfassen fast alle Unternehmensbereiche.

Ritter: „Wenn etwas zukunftsfähig sein soll, darf man beim heutigen Handeln das spätere Weitermachen weder behindern noch gar verunmöglichen. Das macht auch das nachhaltige oder zukunftsfähige Investieren aus. Es geht nicht nur darum, Geld so einzusetzen, dass künftig ein Gewinn entsteht, sondern es geht darüber hinaus darum, Geld auch so einzusetzen, dass für die Gemeinschaft ein Gewinn entsteht.“ Konkret bedeutet dies unter anderem, dass sein Unternehmen bereits seit 1980 auf Ökostrom setzt, generell Ressourcen schont und sich vor allem auch seinen Mitarbeitern gegenüber in einer hohen, sozialen Verantwortung sieht. Alfred Ritter ist seit langem auch ein „fair trader“, kauft Kakaobohnen direkt bei den Bauern vor Ort ein und kämpft etwa gegen die Kindersklavenarbeit in der Elfenbeinküste.

Premiere: „SÜSSER STERN 2010“ – stolze Gewinner

Mit dem „SÜSSEN STERN 2010“ zeichnete SWEETS GLOBAL NETWORK zum ersten Mal die besten Süsswarenabteilungen Deutschlands aus. Damit sollen herausragende und erfolgreiche Topleistungen im Verkauf und in der Präsentation von Süsswaren gewürdigt werden. Der neue Branchenpreis soll den Handel motivieren, sich noch stärker mit dem impulsstarken Süsswarensortiment zu befassen.

Ab Sommer 2010 wurden sie gesucht: Die besten Süsswarenabteilungen Deutschlands. Initiiert von dem internationalen Süsswarenhandelsverband SWEETS GLOBAL NETWORK e. V. (SG) und in insgesamt vier Kategorien ausgeschrieben – für Fachgeschäfte und Fachabteilungen der Kaufhäuser, Supermärkte bis 4000 qm und Supermärkte bzw. SB-Warenhäuser über 4000 qm.

Kriterien waren unter anderem: Sortimentsgestaltung und Artikelanzahl, Berücksichtigung aktueller Trends, saisonale Aktionen, Regalpräsentation, Beratungskompetenz, Engagement der Mitarbeiter, Produktfrische, Kreativität, Wa-renverfügbarkeit und sinnvolle Verbundplatzierungen. Einbezogen in die Beurteilung wurde auch der Umsatz der Abteilung bzw. des Geschäftes sowie die wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahres.

SG-Geschäftsführer Hans Strohmaier über den Hintergrund und die Perspektive des SG-Preises: „Der Status, die Marktposition und die Weiterentwicklung von süssen Sortimenten hängt stark von der Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter vor Ort, von den innovativen Ideen und dem Trendbewusstsein des Handels ab. Mit dem `SÜSSEN STERN 2010`, der ab jetzt jährlich verliehen wird, wollen wir herausragende Leistungen in diesem Bereich markieren und entsprechend honorieren. Zudem freuen wir uns über die enorme Resonanz der Unternehmen, die sich an dieser Ausschreibung beteiligt haben – und die deutlich widerspiegeln, welche zentrale Bedeutung süssen Sortimenten zukommt.“

Einen Monat lang wurde durch Storechecks geprüft, ob die Bewerbungsunterlagen auch den tatsächlichen Leistungen entsprechen. Eine hochkarätig besetzte Jury aus Industrie und Handel wählte anschliessend aus dem Bewerberpool in den vier Kategorien jeweils drei Finalisten, die zum 11. Internationalen Süsswarenkongress des SG nach Berlin eingeladen wurden. Im Rahmen des Süsswarenkongresses glänzte der „SÜSSE STERN 2010“ mit einer hervorragenden Premiere. Von über 500 Teilnehmern gefeiert wurden die Gewinner des „SÜSSEN STERN 2010“ ausgezeichnet.

Und die Gewinner des „SÜSSEN STERN 2010“ sind:

Kategorie Süsswarenfachgeschäfte:
Gold für „Stolberg Schokoladen“ in München.
Silber teilen sich „Choco Monde“ (Hamburg) und die „Confiserie Seidl“ (Laaber, Landkreis Regensburg).

Kategorie Fachabteilungen Kaufhäuser:
Gold gewinnt die „Galeria Kaufhof“ in München.
Silber teilen sich „Karstadt Nürnberg“ und „Galeria Kaufhof Chemnitz“.

Kategorie Supermärkte bis 4000 qm:
Gold gewinnt die „Nüsken OHG“ (Soest),
Silber teilen sich die „REWE-Aupperle GmbH“ (Fellbach) und das „E-Center“ in Eichstätt.

Kategorie Supermärkte über 4000 qm:
Gold für das „plaza center“ in Kiel.
Silber teilen sich das „Frische-Center Höchner“ (Schweinfurt) und Kaufland (Karlsruhe).

Text: Sweets Global Network


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