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WEEKENDNEWS 11. Dezember 2010

EU: Kennzeichnungspflicht für Analogkäse / Mehrwertsteuer-Erhöhung / Frischfleisch oder aufgetautes Gefrierfleisch? / Brechdurchfall: Händewaschen gegen Noroviren / Preiselastizität der Verbraucher höher als gedacht?

von Foodaktuell Importer

EU: Kennzeichnungspflicht für Analogkäse

08.12.2010 – (lid) – In der EU muss Analogkäse künftig auf der Zutatenliste gekennzeichnet werden.
Darauf einigten sich die EU-Verbraucherminister, wie aiz.info schreibt. Analogkäse darf demnach nur noch verkauft werden, wenn aus der Zutatenliste hervorgeht, dass er aus pflanzlichen Rohstoffen besteht. Zwar hatten einige Länder eine deutlichere Kennzeichnung verlangt, die Mehrheit der EU-Mitglieder begnügte sich aber mit dem Vermerk auf der Zutatenliste. Bei der Produktion von Analogkäse wird das Milchfett durch pflanzliches Fett ersetzt, was die Produktion erheblich vergünstigt.

Mehrwertsteuer-Erhöhung: Auswirkung auf die Preisanschrift von Waren und Dienstleistungen

Seco, 08.12.2010 – Am 1. Januar 2011 tritt die Mehrwertsteuer-Erhöhung in Kraft. Gemäss der Preisbekanntgabe-Verordnung (PBV) muss der tatsächlich zu bezahlende Preis von Waren und Dienstleistungen für die Konsumenten und Konsumentinnen klar ersichtlich sein. Die Anbieter haben Zeit, innert drei Monaten nach deren Inkrafttreten die Preisanschrift anzupassen. Im Sinne der Transparenz und der Preisklarheit, sind die Konsumenten während dieser Frist mit einem gut sichtbaren Hinweis darüber zu informieren, dass im angegeben Preis die Steuersatzänderung noch nicht berücksichtigt ist.

Per 1. Januar 2011 gelten die folgenden Steuersätze:

•Der Normalsatz (aktuell 7,6%) wird um 0,4% auf 8% erhöht

•Der reduzierte Satz für die Güter des täglichen Bedarfs (aktuell 2,4%) wird um 0,1% auf 2,5% erhöht

•Der Sondersatz für Beherbergungsleistungen (aktuell 3,6%) wird um 0,2% auf 3,8% erhöht.

Falls für 2011 bereits publizierte Preiskataloge noch die alten MwSt-Sätze enthalten, sind die Konsumentinnen und Konsumenten auf klare und deutlich sichtbare Weise mittels Aufkleber oder Prospektbeilage darüber zu informieren, dass die in den Preisen enthaltene MwSt nicht mehr aktuell ist (7,6% neu 8% ; 2,4% neu 2,5% ; 3,6% neu 3,8%).

Die Kontrollen über die korrekte Preisanschrift am Verkaufsort und in der Werbung sind den kantonalen Gewerbepolizeistellen übertragen. Dort können auch Auskünfte eingeholt werden. Die kantonalen Vollzugsstellen können bei Widerhandlungen Verzeigungen vornehmen. Die PBV lässt Bussen bis zur Höhe von 20‘000 Schweizerfranken zu.

Frischfleisch oder aufgetautes Gefrierfleisch?

Das CVUA Stuttgart hat 99 rohe Fleischproben untersucht, um die Frage zu klären, ob es sich wie angegeben um Frischfleisch oder um Gefrierfleisch handelt, das als Frischfleisch angeboten wird. Einundsiebzig Fleischproben wurden als lose Ware über die Theke verkauft und 28 in Fertigpackungen in Selbstbedienung in den Verkehr gebracht. Beim Gefrieren und Auftauen werden bestimmte Enzyme freigesetzt infolge der Beschädigungen der Zellwände und -membranen.

Die Enzymaktivität im Fleischpresssaft bei Kühllagerung und die Änderung der enzymatischen Aktivität im Fleischpresssaft nach einer Tiefkühlung eines Teiles jeder Probe werden zur Beurteilung der Lagerbedingungen herangezogen. Insgesamt wurden 60 Schweine-, 32 Rind- und 7 Geflügelproben untersucht. In keinem Fall wurde gefrorenes, aufgetautes Fleisch als frisches Fleisch angeboten – der Verbraucher erhielt jeweils „echtes, frisches Fleisch“. (Informationsdienst des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) Stuttgart vom 17.11.2010: www.untersuchungsämter-bw.de / behrs)

Brechdurchfall: Händewaschen gegen Noroviren

Die durch Noroviren ausgelöste Infektion geht mit heftigem Brechdurchfall einher und verursacht häufig starke Kreislaufprobleme. Nach Angaben von Dr. Andreas Leodolter (Chefarzt der Gastroenterologie des Sana-Klinikums in Remscheid) sind Noroviren hoch ansteckend – 10 genügen zur Infektion. Ist ein Familienmitglied oder Arbeitskollege erkrankt, erwischt es anschliessend häufig einen nach dem anderen. Da die Infektion über den Mund erfolgt, gibt es einfache, aber wirkungsvolle Massnahmen zur Vorbeugung. Laut Leodolter ist gründliche Handhygiene das Allerwichtigste.

Da die Viren nicht nur extrem infektiös, sondern auch überaus widerstandsfähig sind, ist es sinnvoll, zusätzlich zum normalen Händewaschen auch ein Desinfektionsmittel aus der Apotheke zu verwenden. Besonders der Erkrankte selbst muss sich bewusst machen, dass alles, was er anfasst, virenverseucht ist. Aber auch die Angehörigen sollten auf gründliche Handhygiene achten – besonders, wenn sie beim Putzen der Toilette oder dem Waschen von mit Stuhl „besudelten“ Kleidungsstücken helfen. Leodolter zufolge muss dabei weder ein Mundschutz getragen, noch ein besonders scharfes Reinigungsmittel verwendet werden. Wichtig ist nur wieder das anschliessende gründliche Händewaschen und gegebenenfalls Desinfizieren.

Dr. Andreas Leodolter (Chefarzt im Sana-Klinikum in Remscheid): „Zum Reinigen von Kleidungsstücken oder Bettwäsche ist nicht einmal das Kochwäscheprogramm vonnöten – in Kombination mit Waschpulver reicht eine Temperatur von 30 °C in der Waschmaschine völlig aus.“ (Netdoktor vom 02.11.2010: www.netdoktor.de / behrs)

Verbraucherwahrnehmung im Lebensmittelbereich

Die Mehrzahl der Europäer verbindet Lebensmittel und Essen mit Genuss. Dieses ist ein Ergebnis des Eurobarometers 2010 im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBLS/EFSA). Bei den einzelnen Resultaten gibt es jedoch nicht unerhebliche Unterschiede. So verbinden zwar deutsche wie die übrigen europäischen Verbraucher mit Lebensmitteln/Essen in erster Linie die Punkte „Frische und leckere Lebensmittel aussuchen“ (EU: 58 %/D: 54 %) und „Eine Mahlzeit mit Freunden oder der Familie geniessen“ (EU: 54 %/D: 54 %).

Dagegen denken die Bundesbürger bei Lebensmitteln weniger an bezahlbare Preise als ihre europäischen Konsumkollegen (EU: 44 %/D: 37 %). Auch machen sie sich weniger Sorgen um die Lebensmittelsicherheit. Während EU-Bürger mit 37 % hier Befürchtungen hegen, sind es in Deutschland nur 21 %.

Dieses Bild ändert sich bei der Aufschlüsselung nach Einzelsorgen. Hier gibt es Bereiche, in denen die Deutschen beunruhigter als der EU-Schnitt sind: bei Pestizidrückständen (D: 75 %/EU: 72 %), bei Rückständen von Antibiotika/Hormonen in Fleischwaren, bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln (D: 71 %/EU: 66 %), geklonten Tieren (D: 69 %/EU: 65 %), dem Wohlergehen von Nutztieren (D: 66 %/EU: 64 %) oder bei Nanopartikeln in Lebensmitteln (D: 52 %/EU: 47 %). (BLL-Aktuell Nr. 21 des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL) vom 19.11.2010: BLL@BLL.de – Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBLS/EFSA) vom 17.11.2010: www.efsa.europa.eu / behrs 7.12.2010)

Nationalrat will Transitverbot auf Geflügel und Pferde ausweiten

07.12.2010 – (lid) – Der Nationalrat will das Transitverbot für Klauentiere auf Gesetzesebene stellen und auf Geflügel und Pferde ausdehnen.
Das Transitverbot für Tiere soll auf Gesetzesebene festgeschrieben werden.
Zurzeit ist das Transportverbot nur auf Verordnungsebene festgelegt, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt. In der Herbstsession sprach sich der Ständerat dafür aus, dies so zu belassen. Der Nationalrat hält nun aber an seinem Beschluss vom März 2010 fest. Das Transitverbot soll auf Gesetzesebene gehoben werden, weil es so besser gegen Druck der EU geschützt ist. Die Vorlage geht nun zurück in den Ständerat.

Südkorea schlachtet wegen Maul- und Klauenseuche mehr als 100‘000 Tiere

07.12.2010 – (lid) – Seit November wütet die Maul- und Klauenseuche in Südkorea. Das Landwirtschaftsministerium hat nun die Schlachtung von Rindern und Schweinen angeordnet.In Südkoreas Zentrum und Norden ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Seit Anfang November sind bereits 31 Fälle aufgetreten, wie die Nachrichtenagentur SDA am 7. Dezember schreibt. Um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern, lässt das Landwirtschaftsministerium 96‘000 Schweine und 8‘000 Rinder schlachten.

Hochstamm-Süssmost bei der Migros

06.12.2010 – (lid) – Die Migros Luzern nimmt unter dem Label „Aus der Region. Für die Region.“ Seetaler Hochstamm-Apfelsaft ins Sortiment auf.
Das Obst für den Apfelsaft stammt zu 100 Prozent von Hochstammbäumen aus der Region Seetal, wie Hochstamm Seetal AG in einer Medienmitteilung schreibt. „Der Verkauf über die Migros ist der grosse Durchbruch in der Vermarktung von Hochstammprodukten“, wird Simon Gisler, Geschäftsführer von Hochstamm Seetal, zitiert. Damit sei bewiesen, dass Hochstammprodukte marktfähig seien.

Die Hochstamm Seetal AG wurde 2009 gegründet, um eine bessere Vermarktung des Hochstammobstes in der Region zu erreichen und die Hochstammbäume als Markenzeichen des Luzerner und Aargauer Seetals zu erhalten und zu fördern.

Preiselastizität der Verbraucher höher als gedacht?

Ob das Phänomen neu ist oder nur seine Entdeckung, darüber kann man streiten. Entscheidend ist, dass immer mehr Untersuchungen bestätigen, dass die Verbraucher keineswegs nur das Schnappen nach den niedrigsten Preisen im Kopf haben. Vor allem die Kunden, die Bio-Produkte kaufen, weil sie davon überzeugt sind, dass diese Lebensmittel für sie und ihre Familien besser sind oder aus ethischen Gründen nach Lebensmitteln greifen, deren Erzeugung keine negativen Auswirkungen auf Umwelt und Natur hat, sind flexibel.

Eine Untersuchung an der Universität Kassel ergab, dass bei Brot 40,1 % der Kunden im Naturkosthandel bereit sind, bis zu 25 % mehr zu zahlen als den erwarteten Preis. 23,1 % wurden auch bei bis zu 50 % mehr noch zugreifen. 14,3 % würden erst die Finger vom Kauf lassen, wenn der Preis sich verdoppelt und 17 % würden auch dann das Produkt noch kaufen, wenn der Preis mehr als doppelt so hoch liegt wie erwartet. In eine ähnliche Kerbe schlägt eine Untersuchung der GfK Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg, im Auftrag der VK Mühlen AG, Hamburg, über die Kenntnisse der Verbraucher vom aktuellen Mehlpreis im Handel und ihre Bereitschaft, für nachhaltige Produktion mehr zu zahlen.

Demnach sind 85 % der Verbraucher bereit, im Lebensmittelhandel eine Preiserhöhung von 10 Cent/kg von solch nachhaltig erzeugtem Mehl zu akzeptieren. Der Handel muss auch keine Angst vor Abwanderung der Kunden haben. Für 81 % ist der Mehlpreis kein Kriterium für die Wahl der Einkaufstätte, und 79 % würden auch für Sonderangebote nicht wechseln. (Backspiegel 3. Dezember 2010)

Emmi baut Käsekompetenz weiter aus

(Emmi 3.12.2010) – Emmi übernimmt die Produktion und die Marke “Le Petit Chevrier” der Fromagerie Bettex
Luzern, 3. Dezember 2010 – Emmi übernimmt per 1. Januar 2011 die Marke “Le Petit Chevrier” und nachfolgend schrittweise die Produktion der Fromagerie Bettex in Champtauroz VD. Die Ziegenkäsespezialitäten werden künftig am Produktionsstandort von Emmi in Kaltbach LU hergestellt. Mit der Übernahme der Ziegenmilchprodukte baut Emmi seine Kompetenz in einem stark wachsenden Nischenmarkt aus.

Die in Champtauroz domizilierte Fromagerie Bettex verarbeitet heute rund eine Million Liter Ziegenmilch pro Jahr. Hergestellt werden neben Konsummilch und Jogurt vor allem Frischkäse, Weich- und Halbhartkäse unter den Marken “Le Petit Chevrier”, “Le Vieux Chevrier” und “La Cabrette”. Im Geschäftsjahr 2009 erzielte die Fromagerie Bettex mit diesen Produkten CHF 2.1 Millionen Umsatz. Die Übernahme der Markenrechte der Fromagerie Bettex durch Emmi erfolgt am 1. Januar 2011. Die Produktion wird danach schrittweise verlagert. Die Ziegenkäse werden ab Ende 2011 am Emmi Standort in Kaltbach hergestellt.

Im luzernischen Kaltbach werden bereits heute Weich- und Halbhartkäse aus Ziegenmilch hergestellt. Die Übernahme und Produktionsverlagerung der Fromagerie Bettex bedingt jedoch einen Ausbau. Die Produktions- und Reifungskapazitäten werden deshalb erweitert, was den Standort Kaltbach zusätzlich stärkt.

Der Markt an Ziegenkäseprodukten entwickelt sich sehr gut, vor allem im Bereich Frischkäse sind zweistellige Wachstumsraten zu beobachten. Mehr als die Hälfte des Volumens des Schweizer Markts stammt aus einheimischer Produktion, die vorwiegend in kleingewerblichen Strukturen hergestellt und vermarktet. Othmar Dubach, Leiter Geschäftsbereich Käse: “Die Ziegenmilchprodukte, vor allem die Käsespezialitäten, ergänzen unser Premium-Sortiment hervorragend. Damit verbreitern wir unser Angebot in diesem stark wachsenden Nischenmarkt.”

Richard Bettex, der Gründer und Inhaber der auf Ziegenmilchprodukte spezialisierten Fromagerie Bettex, wird sich künftig anderen Aufgaben widmen. Als Halter von rund 500 Ziegen ist er jedoch einer der grössten Schweizer Ziegenmilchlieferanten und bleibt somit mit den “Le Petit Chevrier”-Produkten verbunden. Über den Kaufpreis haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion muss noch von der Schweizer Wettbewerbskommission genehmigt werden.

Big-M übt scharfe Kritik an der Milchindustrie

02.12.2010 – (lid) – Big-M wirft der Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie (VMI) vor, Polemik zu betreiben. Die zu grosse Milchmenge sei nicht ausschliesslich ein Problem der Bauern. Und: Der Milchpreis sei jetzt schon auf EU-Niveau.
VMI-Präsident Markus Willimann erklärte am 1. Dezember anlässlich einer Pressekonferenz zur Lage auf dem Milchmarkt, dass es sich bei der zu grossen Milchmenge um ein rein innerbäuerliches Problem handle.

Eine Aussage, die bei der Interessengruppe für bäuerlichen Marktkampf (Big-M) für rote Köpfe sorgt: Zuerst schliesse die Industrie mit den Bauern Milchlieferverträge ab, die viel zu hoch seien. Danach teile sie den Bauern mit, auch die darüber hinaus produzierte Milch abzunehmen. Zudem würde die VMI jeglichen Versuch abblocken, die Milchmenge in der Branchenorganisation Milch zu begrenzen, schreibt Big-M in einer Medienmitteilung vom 2. Dezember.

Auf Unverständnis stösst ferner die Forderung der VMI, der Preis für Schweizer Milch müsse sich dem EU-Niveau anpassen, sonst sei man im Export nicht wettbewerbsfähig. Big-M hält dem entgegen, dass Schweizer Milch bereits heute billiger sei als in Süddeutschland. Dort würden die Verarbeiter rund 50 Rappen pro Liter bezahlen. In der Schweiz zahle die Industrie zwar 60 Rappen, dafür bekomme sie vom Bund 15 Rappen pro Liter verkäste Milch zurück, womit der Liter folglich nur noch 45 Rappen koste.

Big-M wirft der VMI Stimmungsmache vor. Wolle die Industrie auch künftig noch über genügend Schweizer Milch verfügen, müsse sie mithelfen, den Milchpreis zu stabilisieren. Denn die Ertragslage auf den Milchwirtschaftsbetrieben sei derzeit katastrophal.