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Vom Abfallsünder zum Vorzeigeobjekt

Werden Lebensmittelverpackungen mittels schonender Ressourcen­gewinnung hergestellt und sind sie zudem rezyklierbar, können Nahrungsmittelproduzenten mit dem Attribut «nachhaltig» trumpfen.

von Alimenta Import

Menschen konsumieren Produkte und Lebensmittel aller Art. Damit diese Waren beim Transport und Handling nicht beschädigt werden oder allzu früh verderben, sind sie verpackt. Verpackungen schützen und erhalten, was dem Menschen lieb und teuer ist. Da sie oftmals das Erste sind, was die Konsumierenden sehen, sind Verpackungen vom Marketing mit grossem Budget und Einfallsreichtum gestaltet. Verpackungen sollten also eine hohe Wertschätzung geniessen. Tatsächlich werden sie aber oftmals als Umweltproblem wahrgenommen. Besonders das Littering (achtloses Wegwerfen und Liegenlassen von Abfall, vorzugsweise auf ­öffentlichem Grund) hat dazu beigetragen, Verpackungen in Verruf zu bringen.

Eine repräsentative Umfrage des Mei­nungs­forschungsinstituts Forsa in Deutschland (2009) bestätigt dies. Der Kauf von ­Getränken in umweltfreundlichen Verpackun­­gen ­rangiert auf Platz zwei aller Massnahmen, die der Einzelne im Alltag zum Umweltschutz beitragen kann (Platz 1: Anschaffung energiesparender Haushaltgeräte). Auch die Vermeidung von Plastiktüten und Plastikverpackungen bei ­Lebensmitteln ist für eine breite Mehrheit eine nützliche Alltagsmassnahme für mehr Umwelt- und Klimaschutz.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil
Konsumierende legen also Wert auf um­weltfreundliche Verpackungen. Besser noch: Nachhaltig muss sie sein – nicht nur ökologisch, sondern auch sozial verträglich und wirtschaftlich tragbar. Nachhaltigkeit ist der Megatrend, das neue Zauberwort. Es gibt jedoch keine Definition, wann eine Verpackung nachhaltig ist. Ganz allgemein ist Nachhaltigkeit ein unscharfer Begriff, der schon manchen voreilig dazu verleitet hat, sein Produkt grün einzufärben und «umweltfreundlich» zu beschriften. Konsumenten- und Umwelt­schutz­­­organisationen sorgen dafür, dass ­solche Mogelpackungen entlarvt werden. Der Imageschaden der betroffenen Firmen ist gross, Konsumierende haben gelernt, kritisch zu sein.

Die Differenzierung zu solchen Firmen, die das Thema Nachhaltigkeit bereits verspielt oder noch gar nicht aufgenommen haben, bietet hingegen eine grosse Chance für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit. Sie stellt die Unternehmen jedoch vor eine grosse Herausforderung, da es wie oben erwähnt kein ­Patentrezept gibt und die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema unumgänglich ist.

Beteiligung aller Teilnehmer erforderlich

Unabhängig davon, in welcher Branche das Unternehmen tätig ist und auf welchem Weg das Thema Nachhaltigkeit angegangen wird, gilt es einige Grundsätze zu beachten, um nicht in eine Nachhaltigkeitsfalle zu tappen:

¦ Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften
Dies mag trivial erscheinen, aber wer nimmt einem Unternehmen ab, es wolle nachhaltig sein, wenn es nicht einmal weiss, welche Gesetze es einzuhalten hat oder diese absichtlich bricht?

¦ Denken in Lebenszyklen
Verantwortung und Verbesserungsmöglichkeiten für ein Produkt fangen nicht erst bei der Anlieferung der Komponenten an und hören nicht beim Versand der Waren auf. Nachhaltigkeit bedeutet die Betrachtung des ganzen Lebensweges eines Produkts, von
der Gewinnung der Ressourcen über die Herstellungs- und Nutzungsphase bis zur Entsorgung.

¦ Einbezug der Anspruchsgruppen ­(Stakeholder-Dialog)
Grübeln im stillen Kämmerlein führt zu keinen nachhaltigen Lösungen. Das Gespräch mit allen Anspruchsgruppen, also allen Personen, die Einfluss auf das Produktleben haben und/oder von diesem betroffen sind, muss aktiv gestaltet werden.

¦ Transparenz und Kommunikation
«Tue Gutes und sprich darüber», aber auch Dinge die (noch) nicht so gut laufen, gehören dazu. Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist ein Prozess und gerade zu Beginn, bei der Analyse der Ist-Situation, zeigen sich Schwächen sehr deutlich. Nur bei transparenter Kommunikation nach allen Seiten kann ein konstruktiver Austausch (Stakeholder-Dialog) stattfinden. Auch Verbesserungen der Nachhaltigkeitsleistung können nur dann nachvollzogen werden, wenn die Geschichte dahinter bekannt ist.

¦ Bereitschaft zu langfristigem Engagement
Nachhaltigkeit ist das Gegenteil von kurz­fristigem Denken. Nur einmal zwischendurch schnell eine nachhaltige Verpackung machen, funktioniert nicht. Dafür ist das Thema zu komplex. Das setzt voraus, dass die Nachhaltigkeit als Strategie fest im ­Unternehmen verankert wird.

¦ Interdisziplinarität
Nachhaltigkeit deckt so viele verschiedene Themenbereiche ab, dass es für ein einzelnes Unternehmen sehr schwierig ist, das ganze Know-how intern bereit zu stellen. Eine Zusammenarbeit mit externen Spezialisten ist empfehlenswert. Zusammen mit den Anspruchsgruppen bildet gerade dieser Austausch die Möglichkeit für den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Genau hier liegt die grosse Chance für Innovationen und Lösungen, die einen echten Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Das Sammelsystem muss funktionieren

Verpackungen sind prädestiniert dafür, eine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit wahrzunehmen. Jeder kennt sie, jeder benutzt sie, sie sind im öffentlichen Bewusstsein zugleich Buhmann (Littering) und Vorzeigeobjekt ­(Separatsammlung von PET, Alu, Glas). Es gibt bereits eine grosse Anzahl Untersuchun­gen zu deren ökologischen Wirkungen (Öko­bilan­zen). Insbesondere der Ersatz von Originalressourcen (z.B. Erdöl) durch das stoffliche Recycling von Kunststoffverpackungen hat enorme ökologische – und je nach Ölpreis – auch ökonomische Vorteile. Damit eine ­Verpackung rezykliert werden kann, muss sie ­einerseits technische Voraussetzungen erfüllen. Ebenso wichtig ist jedoch die Logistik und ­Finanzierung des Sammelsystems.

Unternehmen tun gut daran, mit erfahrenen Fachleuten die für die Nachhaltigkeit relevanten Aspekte zu erkennen und die Anspruchsgruppen zu identifizieren.
*Der Autor ist Managing Partner bei der Redilo GmbH, Packaging and Recycling Solutions, Baar.