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Sind Regionalprodukte teurer?

Meinungen und Erfahrungen von Regionalmarketing-Strategen

von Foodaktuell Importer


Die Herkunft der Lebensmittel ist für viele Kunden ein wichtiges Kaufmotiv, insbesondere bei tierischen Produkten. Sind sie bereit mehr dafür zu bezahlen?

Fleischkäse der Ochsenmetzgerei Gossau, ein von ProCert zertifiziertes Regionalprodukt. Die Rohstoffe stammen garantiert aus der Ostschweiz.

Die Schweizer Regionalprodukt-Programme legen stetig zu, sowohl im Detailhandel wie auch in der Gastronomie. Studien haben gezeigt, dass immer mehr Konsumentinnen kritisch und wertebewusst einkaufen und sich für Herkunft und Produktionsbedingungen interessieren. Der Slogan aller Regio-Programme lautet: Nähe schafft Vertrauen. Regionalprodukte sind aber oft zertifizierte Produkte von kleinen Herstellern oder sogar Handwerksprodukte oder Hofprodukte, und eben keine kostenoptimierten Massenprodukte der Industrie oder dem Ausland.

«Diese Produkte sind teilweise teurer als Nicht-Regionalprodukte, vor allem die Spezialitäten», sagt Henriette v. Wattenwyl, Geschäftsleiterin von «Das Beste der Region DBR». «Bei Standardprodukten dagegen ist die Preisdifferenz geringer oder Null». Die Preisakzeptanz ist vorhanden: «Eine bestimmte Konsumentenschicht ist bereit für regionale Produkte mehr zu bezahlen», so v. Wattenwyl.

Beim Preisvergleich möchte sie differenzieren: «Nicht zertifizierte Produkte sind grundsätzlich nicht vergleichbar, da sie dem Konsumenten keine Produktsicherheit bei Herkunft und Wertschöpfung garantieren. Produktion im Berggebiet ist aufgrund der erschwerten klimatischen und geografischen Gegebenheiten aufwändiger als im Talgebiet». Eine Wurst oder ein Normalbrot aus nicht-regionalen oder importierten Rostoffen ist also tendenziell günstiger. «Aber bei Spezialbroten sind die Preise vergleichbar und konkurrenzfähig», meint v.Wattenwyl, «dies gilt auch für andere Lebensmittel».

Auch Said Bucher, Geschäftsleiterin vom Bergkantone-Programm Alpinavera ist von der Preisakzeptanz überzeugt: «Im Detailhandel und der Gastronomie ist der Kunde bereit, einen Mehrpreis für den Mehrwert zu bezahlen. Dieser besteht in der gesicherten Herkunft aus dem regionalen Berggebiet, der handwerklichen Produktion und der Verwendung Gentech-freier Zutaten. Zusätzlich wird mit dem Kauf von Bergprodukten auch der Solidaritätspakt zwischen ländlichen und städtischen Gebieten gestärkt».

Die meisten AOC-IGP-Produkte, die notabene nicht nur regional sondern auch traditionell sind, werden von der Schweizerischen Vereinigung der AOC-IGP unterstützt. Zum Preisvergleich konstatiert AOC-IGP-Direktor Alain Farine: «Im Durchschnitt erzielen AOC-Spezialitäten einen Mehrpreis von ca. 10 bis 20% gegenüber vergleichbaren Produkten». Und er vermutet: «Die Akzeptanz höherer Preise für Terroir-Produkte ist bei Endkonsumenten bestimmt gut.


Eine Konsumentenstudie der ETHZ (S. Réviron et C. Bolliger, 2009: Préférence et consentement à payer des consommateurs suisses pour les produits alimentaires suisses) belegt unter anderem, dass 57% der Deutschschweizer und 30% der Westschweizer bereit sind, einen bedeutend höheren Preis für Schweizer Qualität zu zahlen».

Anders tönt es beim ältesten Schweizer Regio-Programm, «Culinarium Ostschweiz». «Culinariumprodukte sind preislich vergleichbar mit nicht zertifizierten», sagt Culinarium-Chef Andreas Allenspach. «Ein Preisunterschied würde nicht zu unserer Philosophie passen». Regionale Produkte müssen nicht teurer sein». Aber ein allfälliger Preisunterschied muss dennoch kein Nachteil sein.

«Produkte, deren Erzeuger man kennt, kommen bei den Konsumenten gut an», konstatiert Allenspach. «Daher wird in der Produktewerbung oft auch mit dem Konterfei des Herstellers geworben – ein Sympathieeffekt, den sich die Konsumenten etwas kosten lassen. Wenn jedoch die Qualität eines Produktes nicht stimmt, funktioniert auch der Personenbonus nicht. Ein gutes Beispiel ist der St.Galler Wein in der Gastronomie: Dank Topqualität, Spezialität und den kleinen Mengen können faire Preise erzielt werden. Der Erfolg hängt aber auch davon ab, ob das Verkaufspersonal ein Produkt gut kennt und es glaubwürdig verkauft».

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