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Schweizer Geflügelmarkt im Überblick

von Foodaktuell Importer

Geflügelfleisch ist weltweit im Trend und kommt auf Schweizer Tellern nach Schweine- und Rindfleisch an dritter Stelle. Heute erreicht es fast das Niveau von Rindfleisch. Die meisten Geflügel-Teile sind fettarm – ein Vorteil unter dem Aspekt des Gesundheitstrends.

Trutenbrust der Schwyzer Metzgerei Felder mit ABZ-Goldmedaille

Im Speiseplan der Schweizer Bevölkerung nimmt Geflügelfleisch eine immer wichtigere Stellung ein. Es ist in der Regel fettarm, eiweissreich und leicht verdaulich. Es lässt sich schnell und einfach zubereiten und gut kombinieren. In der Schweiz werden beinahe 90‘000 Tonnen Geflügelfleisch konsumiert. Dies entspricht etwa 11 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung oder ca. 18 Prozent des gesamten Fleischkonsums. Geflügelfleisch steht damit nach Schweine- und Rindfleisch an dritter Stelle.

Etwas mehr als die Hälfte des in der Schweiz konsumierten Geflügelfleisches wird importiert. Während frisches Import-Pouletfleisch vor allem aus Frankreich, Deutschland, Ungarn und Polen stammt, wird gefrorenes Pouletfleisch primär von Brasilien geliefert, derzeit rund 13‘000 t. Vermehrt werden nur noch die besonders begehrten Teilstücke wie Brustfleisch importiert.

Zum Geflügel zählen auch Truten, Gänse, Enten und Perlhühner. Allerdings hat Pouletfleisch mit circa 88 Prozent den Löwenanteil am Geflügelfleischkonsum. Trutenfleisch macht pro Kopf und Jahr nur gerade 1,3 Kilo aus und Gänse, Enten und Perlhühner tragen nur gerade 170 Gramm zum Geflügelfleischkonsum bei. In der Schweiz werden sie nicht in marktrelevanten Mengen gehalten.

Gebratene Wachteln, eine italienische Spezialität

Wildgeflügel wird in der Schweiz gemäss Hans Oester, Leiter Zentrum für tiergerechte Haltung,
Geflügel und Kaninchen im BVET nicht für die Produktion gehalten mit einer Ausnahme, den Wachteln. Diese gelten als Wildgeflügel, obwohl es sich um ebenfalls in der Regel hochgezüchtete Hybriden handelt, die keine Wildformen sind. Die Wachtelhaltung ist aber nur eine kleine Nischenproduktion. Die Zucht der Geflügel, die in der Schweiz gemästet werden, geschieht im Ausland.

Hohes Tierschutz-Niveau bei Schweizer Geflügel

Schweizer Geflügelfleisch stammt aus garantiert tiergerechten Haltungen. Die Schweiz verfügt beim Geflügel über eines der weltweit strengsten Tierschutzgesetze, was zusätzliche Kosten bei der Produktion verursacht. In der Schweiz ist die Grösse eines Mastbetriebs durch gesetzliche Auflagen begrenzt – im Gegensatz zum Ausland. Das Schweizer Tierschutzgesetz schreibt eine deutlich geringere Besatzdichte vor als beispielsweise die EU (30 verglichen mit 39 kg/m2). Heute gibt es in der Schweiz rund 1000 Mastbetriebe für Geflügel. Der grösste Teil hält zwischen 5‘000 und 12‘000 Tiere.

Biohühnerfarm in Gossau SG

Bei der BTS- und RAUS-Haltung muss der Aussenklimabereich (Wintergarten) mindestens 20 Prozent der vom Tierschutz vorgeschrieben Stallbodenfläche ausmachen und den Tieren ab dem 22. Lebenstag ab +8°C täglich zur Verfügung stehen. Bei der RAUS-Haltungsart wird den Tieren ab dem 22. Lebenstag zusätzlich zum Aussen- Klimabereich ein täglicher Weideauslauf gesichert. Die Weidefläche muss eine mit Gräsern und Kräutern bewachsene Grünfläche mit Zufluchtsmöglichkeit (Bäume, Sträucher, Unterstände oder dergleichen) sein. Bei der Bio-Produktion werden die Tiere in kleineren Einheiten und speziellen mobilen Ställen gehalten.

Beeindruckende Produktionsleistung

Eine hochwertige Futterzusammensetzung ist nicht nur für Tiere wichtig, sondern auch für die Umwelt, weil dank günstiger Futterverwertung weniger Dünger anfällt. Die Geflügelproduzenten sind Grossabnehmer von inländischem Getreide, was sie zu einem wichtigen Partner für die übrige Landwirtschaft macht. Die Futterkosten machen mehr als die Hälfte der Produktionskosten aus.

Obschon das Huhn im Vergleich zum vegetarischen Rindvieh ein Allesfresser ist, wurde in der Schweiz schon ab 1996 für Labelprodukte, sowie für den grössten Teil der konventionellen Geflügelproduktion, freiwillig auf die Beimischung von Tiermehl verzichtet. Sie wurden durch pflanzliche Eiweisse ersetzt. Antibiotische Leistungsförderer sind in der Schweiz im Gegensatz z.B. zu Brasilien nicht erlaubt.

Der Erfolg der Geflügelmast ist auf die Zucht von schnellwachsenden Hybriden zurückzuführen. Die Leistung des heutigen Masthuhns ist gewaltig: Innerhalb von wenigen Wochen wird aus einem knapp 40 Gramm schweren Küken ein 2 Kilogramm schweres Poulet. Um 1 Kilogramm Fleisch anzusetzen, braucht ein Poulet nur ca. 1,7 Kilogramm Futter – deutlich weniger als alle anderen Nutztierarten.

Freiland-Trutenfarm

Dafür stellt das Mastgeflügel hohe Anforderungen an die Nährstoffkonzentration seines Futters, welches hauptsächlich aus Weizen, Mais, Soja und anderen pflanzlichen Eiweissträgern besteht. Ein Mastpoulet nimmt im Durchschnitt täglich 90 Gramm Futter zu sich. Bis es ausgewachsen ist, verzehrt es 3,6 Kilo Kraftfutter – das dauert im Schnitt 40 Tage.

Freilandpoulets wachsen langsamer, sie brauchen nicht nur fünf bis sechs sondern mindestens acht bis zwölf Wochen, bis sie schlachtreif sind. Ihr Fleisch ist etwas fester und sie wiegen etwas weniger (1,8 Kilogramm). Für die Freilandmast kommen spezielle, robuste Hybriden in Frage und das Mastfutter ist weniger energiereich. (Text: LID)

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