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Biobrot ist bei Coop der Renner

Coop setzt im Segment Brot zunehmend auf Bioqualität. Mit Erfolg. Ob der Kunde immer ganz freiwillig nach einem dieser Labelbrote greift, ist die eine Frage. Die andere, ob er auch weiss, woher die Rohstoffe stammen.

von Alimenta Import

49 Kilogramm Brot essen Herr und Frau Schweizer pro Kopf und Jahr. Kein anderes Lebensmittel wird so häufig aufgetischt wie dieses. Wo und was eingekauft wird, spielt demnach eine grosse Rolle. Bei Coop gibt es über 230 verschiedene Brotsorten, vom Gipfeli über den Königskuchen bis hin zum Nussbrot. Davon ist etwa ein Drittel dauerhaft im Angebot.

Migros will stärker auf Biobrot setzen
Fast jedes dritte Brot, das bei Coop eingekauft wird, darf sich mit der Bio-Knospe schmücken, wurde also nach den Richtlinien von Bio Suisse produziert. Bei der Migros machte im vergangenen Jahr der Anteil an Biobrot am ­gesamten Brotabsatz nicht einmal sechs ­Prozent aus. Ein riesiger Unterschied. Woher rührt er? «Coop hat bei der Förderung von Bio eine Pionierrolle inne und ist stolz darauf. Nicht nur beim Brot, aber insbesondere hier haben die zuständigen Sortimentsverantwortlichen erfolgreich auf Bio gesetzt», so die Erklärung von Sabine Vulic, Mediensprecherin bei Coop.

Dem aufmerksamen Kunden entgeht aber nicht, dass häufig zahlreiche, durchaus beliebte Brote nur in Bioqualität vorhanden sind. Eine freie Wahl ist demnach nicht zu jeder Zeit und in jedem Fall gewährleistet. Kein Problem, findet Sabina Vulic: «Wieso sollte ein Kunde unbedingt ein konventionelles Gebäck kaufen wollen, wenn wir ihm zu einem attraktiven Preis Bioqualität anbieten können? Es muss niemand Bio kaufen, wenn er dies nicht will. Schliesslich haben wir sehr viele kon­ventionelle Brot­sorten im Angebot.» Von einer künstlichen Förderung des Bio-Segmentes durch Coop will sie nichts wissen. Ein dogmatisches «Zwangs­biologisieren» sei nicht im Sinne des Grossverteilers. Würde Coop Bio künstlich fördern, so wäre kein nachhaltiger Erfolg möglich.

Bei der Migros soll der Anteil an Biobrot sowohl beim Sortiment wie auch beim Verkauf in naher Zukunft gesteigert werden, wie Migros-Mediensprecherin Monika Weibel sagt. Auf die Frage, ob sich auch Migros-Kunden künftig darauf einstellen müssen, dass ­beliebte Brote zeitweise nur in Bioqualität vorhanden sind, antwortet sie: «Nein, wir führen nach Möglichkeit immer beide Varianten.»

Für die Konsumentenschützer steht diese Frage in Bezug auf Biobrot nicht im Vordergrund, wie Josianne Walpen, Leiterin Ernährung und Landwirtschaft bei der Stiftung für Konsumentenschutz SKS, erklärt. Angesichts der grossen Vielfalt an verschiedenen Brotsorten in den Filialen der Grossverteiler sei es den Konsumenten sicher zumutbar, dass gewisse Brotsorten nur in konventioneller oder eben in Bioqualität angeboten würden.

Sorgen bereitet den Konsumentenschützern hingegen die Herkunftsdeklaration beim Biobrot. Nur wenn die Herkunft der Rohstoffe korrekt deklariert werde, könne der Konsument entscheiden, ob er beispielsweise ein Biobrot aus importiertem Getreide kaufen wolle oder doch lieber ein IP-Suisse-Brot. «Die Brotsorten sind oftmals aus verschiedenen Getreidesorten gebacken. Dadurch und weil das Getreide je nach Saison und Angebot aus verschiedenen Ecken der Welt importiert wird, sehen sich die Konsumenten mit höchst ungenauen Herkunftsdeklarationen konfrontiert. Ein Beispiel für solch diffuse Deklaration lautet etwa «Herkunft CH – EU – Übersee», schildert Walpen. Diese Art von Herkunfts­angaben zeige sich leider auch bei anderen Produkten.

Biobrot fast nur dank Importen möglich

Weit mehr als die Hälfte des für Brotwaren benötigen Biogetreides stammt aus dem Ausland, wie Coop-Sprecherin Sabine Vulic sagt. Österreich sei für Coop der Hauptlieferant («Alimenta» 01/11). Dass die Herkunftsdeklaration nicht immer zufriedenstellend sein soll für die Konsumenten, will Vulic nicht gelten lassen. «Wir erachten eine korrekte Deklaration auf dem Brotbeutel als ausreichend. Im Übri­gen: Coop würde sofort mehr Biomehl aus der Schweiz kaufen, wenn es denn mehr gäbe. Leider gibt es zu wenig.» Ins gleiche Horn bläst Monika Weibel von der Migros. Man sei um Biorohstoffe aus der Schweiz bemüht, könne die Nachfrage aber nicht immer decken.

Bei der Bio Suisse weiss man um diese Problematik. «Bio Suisse hat eine Bio-Offensive gestartet und sucht aktiv neue Bioproduzenten. Mit verschiedenen Massnahmen, wie etwa der Teilnahme an der Messe «Tier&Technik», informiert Bio Suisse zusammen mit Partnern aus der Land- und Ernährungswirtschaft über Chancen und Potenziale im Biolandbau allgemein und im Getreideanbau im Speziellen», sagt Sabine ­Lubow, Leiterin Öffentlichkeits­arbeit bei Bio Suisse. Doch warum gibt es trotz respektablen Biogetreide-Preisen nicht genügend inländische Ware? Einerseits habe Bio bei gewis­sen konventionellen Landwirten ein Image­problem, so die Erklärung von ­Lubow. «Da die Bioverordnung und die Knospe-Richt­linien ausschliessen, dass ein Betrieb nur den Brotgetreidebau auf Bio umstellt, muss ­andererseits ein Landwirt seinen ganzen Betrieb auf Bio umstellen, was ­anspruchsvoller ist. Biobrot­ge­treide erzielt zwar einen ­guten Preis, aber es müssen auch weniger rentable und agronomisch schwie­rigere Kulturen wie etwa Raps angebaut werden.»