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Weiterbildung zu UHT-Milch

Nachhaltige Verpackungen oder eine möglichst rasche Bestimmung der Sterilität sind wichtige Aspekte in der Produktion von UHT-Milchprodukten. Fast noch wichtiger ist aber die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden.

von Alimenta Import

Die Anforderungen an die Herstellung von UHT-Milchprodukten sind hoch. Hygienisch einwandfreie und wirtschaftlich rentabel hergestellte Trinkmilchprodukte werden sowohl von den Konsumen­ten wie auch vom Handel erwartet. Damit die Hersteller immer auf dem neuesten Stand der Dinge sind, wird jährlich ein UHT-Seminar durchgeführt. Das 14. Ahlemer UHT-Seminar im deutschen Göttingen lieferte einen Überblick über aktuelle Themen wie etwa Trends und Erwartungen, Reduzierung der CO2-Emission und eine schnellere Bestimmung der Sterilität des Endproduktes.

Mensch ist wichtiger als Maschine
UHT-Produkte werden im sterilen Bereich abgefüllt. Dies stellt eine grosse Herausforderung an die Anlagen und Anlageteile. Beim ganzen Prozess der Herstellung steht aber nicht nur die Maschine, sondern auch der Mensch im Mittelpunkt. Neben dem technischen Teil wurden am letztjährigen UHT-Seminar deshalb auch Vorträge zu Führungsfragen in der Milchindustrie gehalten. Um die Prozesse, Abläufe, Anlagen und Anlageteile ständig zu verbessern, sei der Mensch gefragt, hiess es an einem der Vorträge. Diese Tatsache stellt hohe Ansprüche an die Führungskraft. «Wenn Mitarbeitende innerlich gekündigt ­haben, sind sie kaum bereit und in der Lage, mitzudenken, um Prozesse zu verbessern.» Auch psychische Erkrankungen führen zu Leistungsverminderung.

Führen heisst deshalb auch, psychische Erkrankungen der Mitarbeitenden rechtzeitig zu erkennen und zu handeln. Es muss bedacht werden, dass jeder vierte Europäer zumindest einmal in seinem Leben unter psychischen Störungen leidet. Diese Form der Erkrankung hat zwischen 1997 und 2005 um 70 Prozent zugenommen und wird laut Experten bis in neun Jahren zur zweithäufigsten Erkrankung in den Industriestaaten mutieren. Die Kosten, welche durch psychische Erkrankungen verursacht werden, betragen in Deutschland drei bis vier Prozent des Bruttoinlandproduktes. Grösster Kostenpunkt ist der Produktivitätsverlust. Unsichere Beschäftigungs- und Arbeitsverhältnisse können ebenso der Auslöser für psychische Störungen sein wie zu hohe Verantwortung, Konflikte mit Vorgesetzten, fehlende Weiterbildung oder unklare und ­widersprüchliche Anweisungen. Besteht bei einem Arbeitnehmer der Verdacht auf eine ­Erkrankung, hat sich das «HILFE-Konzept» bewährt. H steht für Hinsehen, I für Initiative ergreifen, L heisst soviel wie Leitungsfunktion wahrnehmen, F bedeutet Führungsverantwor­tung, also sowohl Fördern wie auch Fordern, und hinter E steht Experten hinzuziehen. Vorgesetzte sind jedoch keine Psychiater. Es müssen auf alle Fälle Fachpersonen beigezogen werden.

Milchgetränke sind ein gefragtes Gut

Neben dem sorgfältigen Führen der Mitarbeiter muss der Unternehmensleiter die Geschehnisse auf dem Milchmarkt im Auge behalten, wie am UHT-Seminar verdeutlicht wurde. Eine Aufgabe, die im Bereich der UHT-Produktion mit viel Zuversicht verbunden ist. Denn Milch und Milchgetränke haben weltweit einen hohen Stellenwert in der Ernährung. Fast jedes fünfte rund um den Globus verkaufte Getränk beinhaltet Milch. Es darf damit gerechnet werden, dass der Absatz an UHT-Milch in den nächsten Jahren überproportional ansteigen wird. Vor allem auch, weil der Verkauf an Getränken «to go» weltweit zunehmen wird. In den Industrieländern ist zudem ein Megatrend «Gesundheit und Gesundheitsvorsorge» festzustellen, und eröffnet damit der Molkereiwirtschaft in diesem ­Bereich Wachstumsperspektiven. Gleichzeitig sind die Erzeugungskosten für Milchprodukte in Europa am höchsten, und die Weltbevöl­kerung und somit auch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird vor allem in Asien und Afrika stark ansteigen.

Die beste und nachhaltigste Verpackung ist nichts wert, wenn der Inhalt nicht den Qualitätsanforderungen entspricht. Ein wichtiges Kriterium hinsichtlich Qualität ist die Sterilität. Dank der ATP-Biolumineszenz­messung können UHT-Milchprodukte heute bereits nach 24 bis 48 Stunden auf Sterilität, also lebende Zellen hin untersucht werden. Die traditionelle Bestimmung mit der Plat­tenmethode dauert drei bis fünf Tage. Die ­Bio­lumineszenz ist eine spezielle Form der ­Chemilumineszenz und basiert auf einer ­enzymatisch katalytischen Reaktion. ATP ist die Abkürzung für Adenosin-Triphosphat, was ein Energieträger im Stoffwechselkreislauf ist. Dank der neuen Messmethode ist eine frühere Produktfreigabe möglich, wodurch sich die Lagerhaltungskosten im Verarbeitungsbetrieb deutlich verringern. Mit der ATP-Methode können pro Stunde rund 200 Pro­ben gemessen werden.

Höchste Wirtschaftlichkeit
Nicht nur bei der Verpackung versucht man CO2 zu reduzieren. Mit der «OneStep-Technologie» von Tetra Pak lasse sich in einer Mol­kerei, die pro Jahr 100 Millionen Liter Milch ­verarbeitet, der CO2-Ausstoss um bis zu ­­­570 Tonnen reduzieren. Durch den Verzicht auf eine Zwischenlagerung der Rohmilch vor der Verarbeitung können Dampf-, Strom- und Eiswasserkosten von etwa 120?000 Franken eingespart werden. Diese Technologie ist aber nur bei Grossmolkereien realisierbar.
*?Der Autor arbeitet an der Forschungsanstalt Agroscope ALP in Bern-Liebefeld.