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«Grüne Woche» in Berlin eröffnet

Am Abend des 20. Januars 2011 wurde in Berlin die weltgrösste Verbraucherschau mit 1‘632 Ausstellern aus 57 Ländern eröffnet. Die Schweiz wirbt vor allem für Käse und Schokolade.

von Foodaktuell Importer

Nestlé arbeitet seit über 100 Jahren direkt mit den Bauern im Greyerzerland zusammen
und unterstützt Kleinproduzenten in Ecuador. Bild: Cailler-Schokolade-fabrik von Nestlé in Broc FR

Vom 21. bis 30. Januar lädt die Internationale Grüne Woche Berlin (IGW) zum 76. Mal in die Messehallen unter dem Berliner Funkturm ein. Auf der weltgrössten Agrar- und Ernährungsmesse zeigen 1632 Aussteller aus 57 Ländern eine umfassende Leistungs- und Erlebnisschau aus allen Bereichen der Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und des Gartenbaus.

Gemäss den Veranstaltern befindet sich in den Messehallen die „längste Schlemmermeile der Welt mit lukullischen Genüssen aus allen Kontinenten“.
Partnerland der Grünen Woche 2011 ist Polen. Rund ein Drittel der Aussteller stammt aus dem Ausland, darunter sind erstmals auch Afghanistan und Ruanda.

Zu dem fachlichen Rahmenprogramm zählt auch das „Global Forum for Food and Agriculture“, das rund 50 Agrarminister aus aller Welt sowie die Spitzenvertreter aus der Land- und Ernährungswirtschaft zum Thema „Handel und Sicherung der Welternährung: Global – Regional – Lokal“ zusammenführt. Auch die Schweiz ist wiederum mit einer breiten Palette an Produkten in Berlin mit dabei.

Auch die Schweiz ist vor Ort

Zum 13. Mal präsentiert sich die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft an der Grünen Woche in Berlin. Auf einer Fläche von über 800 Quadratmetern präsentiert die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft ein vielfältiges Angebot an Spezialitäten. Dazu gehört eine breite Palette an Käse wie Appenzeller, Emmentaler, Gruyère oder Tilsiter. Beworben werden aber auch agrotouristische Angebote.

Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, wies darauf hin, dass erstmals seit langem kein Kanton oder keine Region als Gast dabei ist. Denn nachdem sich bereits zahlreiche Kantone präsentiert hätten, sollen in Zukunft vermehrt produktebezogene Sonderschauen gezeigt werden.

Eine davon ist der nachhaltigen Schokoladenproduktion gewidmet. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt des SBV und Nestlé. Am Beispiel der Schokolade werde gezeigt, wie Nestlé seit über 100 Jahren direkt mit den Bauern im Greyerzerland zusammen arbeitet und Kleinproduzenten in Ecuador dabei unterstützt, ihre Produktivität und ihr Einkommen zu verbessern, erklärte Phlippe Aeschlimann von Nestlé.

Hansjörg Walter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV), verwies auf die grossen Erfolge der Bauern im Bereich Ökologie. 99 Prozent aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe würden die Anforderungen des ökologischen Leistungsnachweises erfüllen. Diese Bauern würden etwa Tiere artgerecht halten, Dünger und Pflanzenschutzmittel gezielt und nur mässig einsetzen.

„Wer Schweiz kauft, kauft intakte Natur und glückliche Tiere mit“, erklärte Walter. Gar nicht zufrieden zeigte er sich hingegen mit der bäuerlichen Einkommenssituation. In den letzen Jahren hätten die Landwirte immer weniger verdient. Es bestehe die Gefahr, dass immer mehr Landwirte das Bauern aufgeben und in Branchen wechseln würden, wo bessere Löhne gezahlt würden. Für Walter ist klar: „Ohne einen angemessenen Verdienst gibt es keine nachhaltige Landwirtschaft.“

Gemäss Manfred Bötsch, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, habe die Schweizer Agrarpolitik viel zu einer nachhaltigen Schweizer Landwirtschaft sowie zu deutlichen Verbesserungen in den Bereichen Ökologie und Tierwohl beigetragen. Dieser Weg müsse weiterhin gegangen werden.

Bötsch plädierte deshalb für eine Weiterentwicklung der Agrarpolitik. Diese müsse eine sichere und wettbewerbsfähige Nahrungsmittelproduktion und –versorgung vorsehen. Ressourcen müssten zukünftig noch effizienter genutzt und nachhaltiger Konsum weiter gefördert werden. Den ländlichen Raum gelte es zu stärken. Besonderen Handlungsbedarf ortete Bötsch beim Schutz des Kulturlandes. In diesem Bereich sei in der Vergangenheit zu wenig unternommen worden.

Ilse Aigner wirbt bei Journalisten um Vertrauen

Dioxin in Futtermitteln – Eierumsatz im Keller – China kauft kein deutsches Schweinefleisch mehr: Dies sind die Schlagzeilen zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin. Die deutsche Landwirtschaftministerin ist gefordert. Bei einem Presseempfang der Messe Berlin zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin sagte Ilse Aigner, die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: „Am Beginn dieses Jahres steht leider auch ein echter Skandal. Dioxin wurde in Futtermitteln gefunden. Das hat uns alle sehr getroffen.“

Am meisten beschäftigt Aigner den Vertrauensverlust in die deutsche Ernährungswirtschaft und die Produkte. Für diejenigen Bauern, deren Höfe gesperrt wurden, wegen dem Dioxin und als Folge davon in wirtschaftliche Not geraten, werden vergünstigte Überbrückungskredite der landwirtschaftlichen Rentenbank angeboten.

Aigner versicherte gegenüber Agrarjournalisten aus aller Welt, dass Landwirte genauso wie die Konsumenten darauf vertrauen können, dass dieser Dioxin-Skandal Fall Konsequenzen haben werde bis in die Gesetzgebung hinein. “Denn die Sicherheit unserer Lebensmittel geht uns alle an. Politik und Verwaltungen haben zu Recht höchste Priorität auf den vorsorgenden Verbraucherschutz und auf die Aufarbeitung des Geschehens gelegt,”“ sagte Aigner in Berlin.

Der Aktionsplan der deutschen Regierung will die gesamte Futtermittelkette auf den Prüfstand stellen- von den Futtermitteln bis zum Stall. Auch die Absprache zwischen dem Bund und den Bundesländern soll verbessert werden. Schärfere Kontrollen und mehr Transparenz für die Konsumenten sollen daraus resultieren.

Jedes Jahr kommen gegen 5’000 Medienschaffende und über 100 Agrarjournalisten aus aller Welt an die Internationale Grüne Woche in Berlin, um über die Land- und Ernährungswirtschaft zu berichten. (Text: LID)