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Positive Überraschungen an Barista-Meisterschaften

Zum zwölften Mal versammelten sich die besten Schweizer Kaffee-Baristi und Cupper (Degustatoren) Ende Januar in Bern zu den nationalen Meisterschaften, die vom Schweizer Chapter des europäischen Spezialitätenkaffee Verbands SCAE organisiert wurden. Den Titel des Schweizermeisters bei den Baristi sicherte sich der Newcomer Michel Jüngling und sorgte dabei für zwei Überraschungen. Fotoreportage.

von Foodaktuell Importer




Die Finalisten der Baristameisterschaft 2011 von links: Marlis Läderach von Rast Kaffee, unten: Daniel Fischer von Adriano’s Café, oben: Beat Wiss von Dalla Corte, Michel Jüngling von Turm Kaffee, Anna Käppeli, selbstständige Barista-Künstlerin und –kursleiterin, André Kissling vom Gourmetkaffee-Caterer Kialoa.

Das anspruchsvolle Barista-Programm umfasst die perfekte Zubereitung von vier identischen Espressi, vier identischen Cappuccini und vier Signature Drinks auf Espressobasis innerhalb von 15 Minuten. Bewertungskriterien sind Geschmack, Aussehen und optische Präsentation der Getränke, technische Handhabung der Maschinen sowie die Präsentation und das Auftreten des Baristas. Die Jury besteht aus einem Chefjuror, zwei technischen Juroren und vier Sensorikjuroren.


Michel Jüngling, der strahlende Sieger und Baristameister 2011, ist gelernter Koch und arbeitet als Gastro-Verkaufsleiter bei Turm & Bogen Kaffee.

Die Überraschungen: er nahm zum ersten Mal an einer Meisterschaft teil. Und er gewann auch gerade alle drei Spezialpreise für den besten Espresso, den besten Cappuccino und den besten Signatur Drink – eine noch nie dagewesene Preis-Kumulation.

Armin Luginbühl, SCAE-Vorstand und Inhaber der Kaffeezentrale hatte die Kandidaten Jüngling, Kissling und Schranz vor den Meisterschaften gecoacht und kommentierte gegenüber foodaktuell.ch Jünglings Sieg: «Er war mir schon beim Training aufgefallen mit seinem Killerinstinkt für einen Wettkampf». Sein Sieg ist auch ein Erfolg für den Coach und seine Kaffeezentrale.


Michel Jüngling produziert seinen Signature Drink «Sahara» mit Ahornsirup, afrikanischen Gewürzen und frisch vor Juryaugen geröstetem Sesam.

Der Signature Drink ist eine Eigenkreation des jeweiligen Barista aus frei wählbaren Zutaten, d.h. ein Kaffee-Cocktail, der nur zwei Bedinungen erfüllen muss: Kaffee muss enthalten sein und alkoholische Zutaten sind nicht erlaubt. Er ist quasi die Kür nach dem Pflichtprogramm des Espresso und des Cappuccino. Der Barista kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.




Bear Wiss, notabene der neue Latte Art Schweizer Meister, kreiert einen Brasilien-Signature Drink aus Doce de Leite (leicht caramelisierte gezuckerte Kondensmilch), Kokos und Papaya.




André Kissling mahlt seine Bohnen zur Musik von Mozarts Zauberflöte, scharf beobachtet von der technischen Jury. Bei seinem Signature Drink «Apfelstrudel» läuft der Türkenmarsch, ebenfalls von Mozart.




Anna Käppeli erklärt der Jury ihre Kaffeemischung. Ihren Sumatra-Signature Drink aromatisiert sie mit Tabakrauch – nicht von einer Zigarette (es herrscht ja Rauchverbot) – sondern aus einer Rauchschale (wie in der katholischen Kirche für Weihrauch verwendet)




Von links: Micha Schranz, 2. Sieger Latte Art, Sandra Stucki, Schweizer Meisterin «coffee in good spirit» 2011, Martin Egger, Schweizer Meister 2010 in der Kategorie Latte Art, Moderator Silvain Ernst.

Beim Coffee in Good Spirit Programm muss der Teilnehmer in maximal 8 Minuten folgende Getränke zubereiten und den Juroren servieren. Zwei identische warme Irish Coffees basierend auf Whisky, Zucker, Kaffee und Rahm. Zwei identische warme oder kalte Eigenkreationen (“Signature Drinks”) auf der Basis von Alkohol und Kaffee, bei deren Zubereitung beliebige Zutaten verwendet werden dürfen.




Die Sieger des Cuptasting-Wettkampfes von links: René Fleischer von Decotrade, Patirk Hosennen, Inhaber der gleichnamigen Kleinrösterei in Gersau LU, Leticia Michel von Nespresso in Avenches.

Beim Cup Tasting Programm muss der Kandidat in mehreren Dreieckstests durch Degustieren die richtige Paarung erkennen. Beim Dreieckstest erhält man erhält drei codierte Proben, zwei davon sind identisch. Fragen: welche zwei sind identisch bzw welche weicht ab? Ob man den Unterschied anhand des Aussehens bzw der Farbe oder des Geruchs oder Geschmacks erkennt, spielt keine Rolle. Erkennt man keinen Unterschied, muss man raten.




Kaffee-VIP’s: Moderator Adrian Iten, Inhaber von Adriano’s Café in Bern interviewt Samuel Zenger, Mitgründer der Swiss SCAE und Ehrenmitglied. Früher Marketingleiter von Blaser Kaffee. Er gründete die Schweizer Baristameisterschaften «um die Kaffeequalität zu fördern». Und er erinnert sich: «An der ersten Meisterschaft wetteiferten sechs Teilnehmer vor fünf Zuschauern».




Ein argentinisches Gitarren-Duo aus Bern sorgt für stilvolle und passende Pausenunterhaltung. «Canta no llores», frei auf Berndeutsch übersetzt: mach jitz nid dr Lätsch.

Die SCAE über sich selbst

Der offizielle Veranstalter der Schweizer Baristameisterschaften ist das Swiss Chapter der SCAE (Speciality Coffee Association of Europe). Die SCAE ist der europäische Spezialitäten-Kaffeeverband. Unter dem Dach der SCAE haben sich Kaffeespezialisten und Liebhaber der braunen Bohne zusammengeschlossen, um eine „bessere Kaffeewelt“ zu schaffen und Speciality Coffee zu fördern. Vom Pflanzer bis zum Barista sind alle Beteiligten des Kaffeemarktes in der SCAE präsent. Die Idee dahinter ist, gemeinsam die Kaffeequalität zu verbessern, das Wissen um Kaffee, seine Zubereitung und Verarbeitung zu fördern, sowie dem fachlichen Austausch als Plattform zu dienen. (Text: SCAE)

Weiterlesen: Kaffee-Baristameister 2011 ist Michel Jüngling. Die Ranglisten aller Meisterschaften 2011