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Die Crux mit der Soja

von Alimenta Import

Vor etwa zwei Wochen hat der Schweizer ­Bauernverband erklärt, man werde bald nur noch «verantwortungsvoll» produzierte Soja in die Schweiz importieren. Beteiligt am Vorstoss sind unter anderen Coop, Migros, Bio Suisse, Suisseporcs, Fenaco und WWF. Schon 2014 sollen 90% der Soja aus «möglichst umwelt- und sozialverträglicher Produktion» stammen. Nur wenige Tage später präsentierte der «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens eine neue Greenpeace-Studie. Der Vorwurf: Zu viel Soja für Schweizer Milch und Fleisch.

Die Schweiz, so liest man in der Studie, importiert jährlich 250?000 Tonnen Soja, zehnmal mehr als 1990. Dieser Ausbau sei mitverantwortlich für die Zerstörung von Tropenwäldern und Savannen, schreibt der Bauernverband in seiner Mitteilung. Dass sich Bauern und Grossverteiler für eine ­grünere Sojaproduktion engagieren, zeigt, dass man das Sojaproblem erkannt hat. 41% der hierzulande verfütterten Bohnen gehen an Milchkühe. Gleichzeitig bewirbt man die Schweiz als ökologisch bewirtschaftetes Grasland, dessen Ertrag die Bauern mithilfe von Wiederkäuern in gesunde Milch verwandeln. Das will nicht recht zusammenpassen.

Die Verbesserungsvorschläge von Greenpeace und Kassensturz scheinen deshalb mehr als ­logisch: Die Bauern sollen den Kraftfuttereinsatz vermindern, auch weil Milch aus reiner Grasfütterung – so zeigten Untersuchungen – eine bessere Fettsäurenzusammensetzung hat. Das Mengenproblem wäre auch gleich gelöst, denn die Milchleistung nimmt ohne Kraftfutter deutlich ab. Dabei könnte der Produzentenpreis dank gesonderter Vermarktung als «Grasmilch» bei sinkenden Fütterungskosten erhöht werden. Unter dem Strich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

Leider funktioniert der Markt nicht so idyllisch, wie sich dies Konsumenten- und Umweltschützer vorstellen: Es ist alles andere als sicher, dass die Konsumenten und namentlich die Grossverteiler bereit wären, ein weiteres Milchlabel zu akzeptieren und dafür einen höheren Preis hinzublättern.

Das Ergebnis könnte am Schluss sein, dass der Schweizer Markt die einheimische Nachfrage nicht mehr zu decken vermöchte und plötzlich Milch importiert würde, die deutlich höhere Kraftfutteranteile aufweist als die hiesige heute.