Datum:

Nicht jeder soll ausbilden können

Die Ausbildung zum Milchtechnologen wird reformiert. Die Branche, die Kantone und der Bund trafen sich zur letzten Sitzung. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden. Stolperstein war die Qualität der Ausbildung.

von Alimenta Import

Es war der Nachmittag der emotionalen Wortgefechte und des missmutigen Kopfschüttelns. Jener 3. Februar, als sich Vertreter der Milchverarbeiter, der Kantone und des Bundes trafen, um ein letztes Mal über die Reform der Ausbildung zum Milchtechnologen zu beraten. Dabei fing die Sitzung ganz harmlos an. Bei den ersten Änderungsvorschlägen, die während der Vernehmlassung beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) eingetroffen waren, waren allgemeines Nicken zu beobachten und zustimmende Kommentare zu hören. So wird etwa ein Westschweizer Lernender ab 2012 nicht mehr zum «technologue en industrie laitière» ausgebildet, sondern zum «technologue du lait».

Die Qualität beibehalten
Als Franz Birchler, Projektleiter der Reform, Artikel 10 der Verordnung über die berufliche Grundbildung ansprach, kam richtig Leben in den Raum. Die Schweizerische Berufsbildungsämter-Kommission (SBBK), welche die Kantone vertritt, will die heutigen Mindestanforderungen an Ausbildner senken. Neu soll einer, der den eidgenössischen Fähigkeits­ausweis, ein paar Jahre Berufserfahrung und ­einen mehrtägigen Berufsbildnerkurs in der Tasche hat, Lernende ausbilden können. Für die Vertreter der Milchverarbeiter eine Horrorvorstellung. «Das Niveau bei der Ausbildung darf auf gar keinen Fall gesenkt werden. Denn unsere gut ausgebildeten Arbeitskräfte sind ein wichtiges Argument bei Verhandlungen mit dem Ausland. Gut ausgebildete Arbeitskräfte sind für viele Abnehmer gleichgesetzt mit hoher Produktqualität. Und dies dürfen wir auf keinen Fall aufs Spiel setzen. Der Ausbildner braucht einen Wissensvorsprung gegenüber dem Lernenden», ist Isidor Lauber, Emmi-Betriebsleiter in Ostermun­di­gen, überzeugt. Dem stimmt Franz Birchler uneingeschränkt zu.

Das Argument der Berufsbildungsämter-Kommission, mit tieferen Mindestanforderungen gebe es mehr Lehrstellen, greife im Falle der Milchtechnologen nicht, ist Isidor Lauber überzeugt. In dieser Branche gebe es nicht zu wenige Lehrstellen. Im Gegenteil. Häufig könnten Betriebe keine geeigneten Lernenden finden. Für Isidor Lauber ist klar: Wer ausbilden will, muss weit mehr können, als in der Grundausbildung vermittelt wird. Ein Ausbildner müsse über Themen wie ­Lebensmittelsicherheit, Nachhaltigkeit oder Sicherheitsstandards bestens Bescheid wissen. «Qualität hat aus meiner Sicht sehr viel mit Wissen zu tun.» Bernadette Fischli, Vertreterin der SBBK, konnte die Argumentation der Branche nicht von ihrem Vorhaben abbringen. «Aus unserer Sicht muss ein ausgebildeter Milchtechnologe mit einigen Jahren Berufs­erfahrung ausbilden können. Eine erhöhte Mindestanforderung lehnen wir ab. Sie wäre nur in Berufen gerechtfertigt, in denen bereits ein Handgriff über Leben und Tod entscheiden kann. Kommt uns die Branche in diesem Bereich entgegen, könnten wir bei den Fallnoten einlenken. Das wäre unser Kompromiss.»

Im Klartext: Streicht die Branche die erhöhten Mindestanforderungen der Ausbildner, darf sie den Bereich «Berufskenntnisse» als Fallnote behalten. Für Fischli ist ein hohes Ausbildungsniveau bereits sichergestellt, weil es aus ihrer Sicht viele Fallnoten geben soll. Somit wären die Mindestanforderungen hinfällig. Zu viele Stolpersteine dürfe es in der Ausbildung zum Milchtechnologen nicht ­geben, meint sie.

Den Handel ausgeschlagen
Bei den Milchverarbeitern kam dieser Vorschlag nicht gut an. Man werde sich auf einen solchen Handel nicht einlassen. Beide Artikel seien für die Branche wichtig und nicht mit­einander mischbar. Man werde an beidem festhalten, sagte Franz Birchler.

Nun war der Ball bei Edith Rosenkranz, Projektverantwortliche beim Bundesamt: «Ich möchte daran erinnern, dass diese ganze Reform in einer Verbundspartnerschaft stattfindet. Die Pflicht der verschiedenen Parteien ist es, sich zu einigen und auch Kompromisse zu schliessen. Da dies nicht möglich ist, kommt die in solchen Pattsituationen vorgesehene Kollisionsregel zum Einsatz. Das heisst, der Bund wird entscheiden.» Es werde eine weitere Sitzung geben, in kleinerem Rahmen mit Vertretern der drei Parteien. Dort könnten die Standpunkte nochmals deutlich gemacht ­werden. Den Schlussentscheid treffe aber der Bund. Nicht alle Anwesenden waren mit dieser Wendung zufrieden. «Wäre es nicht besser, wird würden selbst über unsere Zukunft entscheiden und nochmals über den Kompromissvorschlag der Kantone nachdenken?», war eines der Voten seitens der Branchenvertreter. Franz Birchler liess abstimmen. Zu guter Letzt war eine Person für die Kompromisslösung und alle anderen dafür, dass die Kollisionsregel zum Tragen kommt. Wann und wie der Bund entscheiden wird, konnte an diesem Nachmittag niemand sagen.