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Sudoku auf Schweizerisch

Mit Geschmack und Tradition punkten Schweizer Schokoladehersteller. Herkunft und Fair Trade sind weitere klare Leistungsvorteile. Anlass zum Rätseln gibt die süsse Branche höchstens in der Packungsbeilage.

von Alimenta Import

Viele gestresste ­Eltern wünschten sich oft nichts sehnlicher, als den lieben Kleinen vor dem Zähneputzen noch ein Stück Schokolade zu geben, damit dem Quengeln und Zwän­gen der Kinder, ohne nachfolgendes hyperaktives Verhalten zu pro­vo­zieren, wirksam Einhalt geboten werden kann. René Meier von der neugegründeten Caco­bean Swiss Choco­latier AG aus Basel hat wohl selbst ­Kinder und ist deshalb auf die Idee zu seiner Erfindung gekommen. Meier ent­wickelte eine Schokoladelinie, die, mit 40% weniger Zucker, Kindern ohne schlechtes Gewissen vorgelegt werden kann. Doch nur einfach weniger ­Zucker in der Schokolade reichte dem langjährigen Nestlé-Mann nicht. Die Verpackung mit integrierter Lesebeilage eines Märchens, vorgelesen vor dem Zubettgehen, birgt einen weiteren didaktischen Vorteil. Es sind nicht etwa die Märchen der Gebrüder Grimm. ­Diese sind laut Meier ziemlich abgegriffen. Aus der russischen Märchenwelt muss es sein. In einer anderen Schokopackung finden sich Beschreibungen zu jeweils einem Tier. Mit einem Wunderwürfel will Meier auch den ganz Gros­sen, wie Ferrero’s Wunderei, Paroli bieten. Weniger Zucker, Lesestoff für Kinder. Wem dies noch immer nicht reicht, der wird mit dem letzten Argument zufriedengestellt: Wer die Schokolade kauft, spendet gleichzeitig einen kleinen Betrag an die Kinderkrebsstiftung.

Oscar Wilde und Weihnachtslieder
Cacobean will nicht nur mit dieser Linie, Kidi Choc, die am Wettbewerb der besten Neuheiten der Internationalen Süsswarenmesse (ISM) in Köln den ersten Rang erreichte, Neues bewirken. In der Erwachsenen-Linie will Meier, dessen Innovationen zu 100 Prozent aus seiner Ideenküche stammen, auch intellektuelle Schokoladeliebhaber ansprechen. Diesen setzt der findige Entwickler, der jahrelang selbstständiger Berater war, Lesebeilagen mit Texten von Oscar Wilde, Kreuzworträtsel und Sudokus vor. Touristen können mit der Schweizer Schokolade auch eine Lektion zu Schweizer Geschichte erfahren. Cacobean-Schokolade soll, wenn es nach Meier geht, künftig auch am Weihnachtsbaum hängen.Wer dann Lust aufs Singen hat, findet die Texte der Weihnachtslieder – selbstverständlich – in der Packungsbeilage.
Cacobean war einer der 35 Schweizer Aussteller an der ISM, die vom 31. Januar bis zum 2. Februar in Köln stattgefunden hat. Traditionell bietet sich diese Veranstaltung der exportorientierten Schweizer Süsswarenbranche als Sprungbrett in den Weltmarkt an.

Indischer Kakao
Chocolat Bernrain kommt dem Trend nach Fair Trade und Herkunft nach und hat eine Single-Origin-Tafel aus Forastero-Kakao aus Indien im Angebot. Der Kakao wird von einer Kooperative aus dem Bundesstaat Kerala in Zusammenarbeit mit dem Thurgauer Unternehmen angebaut.

Ab 2012 soll die Schokolade von Halba, die Firma nahm ebenfalls zum ersten Mal an der ISM teil, aus Fair-Trade-Anbau stammen. Dazu will die Coop-Tochter nur noch mit ­Kooperativen zusammenarbeiten. Laut Halba-Geschäftsführer Anton von Weissenfluh soll die Tafel Schokolade auch CO2-neutral werden. Die Firma aus Wallisellen hat alle Emissionen, die während des Lebenszyklus ­einer Schokolade anfallen, berechnet und ist zum Schluss gekommen, dass eine Schokoladentafel, je nach Rezeptur, 150 bis 180 Gramm CO2-Emmis­sionen verursacht. Eine Milch­scho­kolade sogar 220 bis 280 Gramm. Halba erwirtschaftet heute einen Umsatz von 120 Millionen Franken. In den Export ge­startet ist die Unternehmung vor drei Jahren. Durch die Beziehung zu Coop ist Halba-Schokolade auch bei der deutschen Rewe gelistet. Branchen­führer in der Schweiz, die Frey AG in Buchs, will nun auch mit der Toblerone-ähnlichen Neuheit, Chocobloc Air, in den deutschen Markt eintreten.

Vom Stengel zur Tafel
Maestranis Marke Minor wird 75-jährig. Jetzt soll sich laut Verkaufsleiter Thomas Leitner zum Minor-Stengel auch eine Minor-Tafel ­gesellen, die ab dem ersten Februar im ­deutschen Handel in der auffallenden roten Verpackung mit Schweizer Kreuz zu haben sein wird. Absender Schweiz wird auch bei Kägi Söhne AG grossgeschrieben. Beat Siegfried, CEO des Traditionsunternehmens aus dem Toggenburg, trifft an der ISM auch ­Einkäufer aus dem Mittleren Osten. Seine Waffelspe­zialitäten, beispielsweise die neue «Toggi», trifft den Nerv in diesem Gebiet. So seien die Exporte dorthin besser als diejenigen in die EU.
Inklusive Dessert

Einen neuen Trend will der Confiseur Läderach ausnützen. Vermehrt wird zu einem Café Crème auch ein kleines Dessert angeboten. So kann laut dem Marketing Direktor Andreas Trümpler in französischen Cafés für drei Euro ein Kaffee bestellt werden, für fünf Euro wird ein kleines Dessert mitgeliefert. Trümpler hofft, dass dies beispielsweise ein «Petit four» von Läderach ist. Auch Läderach, der nächs­tens den Spatenstich zur eigenen Schokoladefabrik machen wird und somit vom Con­fiseur zum Chocolatier avanciert, exportiert in Länder des Mittleren Ostens. Doch für Trümpler stellen die EU und Nordamerika noch die wichtigeren Exportmärkte dar. Auch mit ­Bonbons und Kaugummi sind Schweizer ­Unternehmen innovativ. Mit Rock-Bonbons, der Sweet Basel AG im Stil von Gesteins­brocken aus den Schweizer Alpen soll das Auge erfreut werden und mit den Schweizer Alpenkräutern der Gaumen.