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«Die Qualitätsstrategie alleine reicht nicht»

Stefan Schenk, der designierte Geschäftsleiter der Mühle Schenk, zum Strukturwandel der Schweizer Mühlen, zu Freihandel und zu «made in Switzerland».

von Alimenta Import

Alimenta: Sie werden zu gegebener Zeit die Geschäftsleitung in fünfter Generation übernehmen. Ist es eine besondere Belastung, ein ­Familienunternehmen zu führen?
Stefan Schenk: Die Verantwortung drückt sicher auf die Schultern. Ich bin mir der Geschichte der Stadtmühle bewusst, dennoch leben wir im Jetzt, und es gilt, nach vorne und nicht zurück zu schauen. Emotional ist es etwas Besonderes, als Familienmitglied in einem Familienbetrieb zu arbei­ten, in den man quasi hineingeboren wurde.

In der Lebensmittelindustrie ist die Genera­tionenfrage vielfach Anlass zum Ausstieg oder Verkauf. Stehen die Chancen gut, dass Ihr ­Unternehmen weiterhin unabhängig bleibt?
Das hoffen wir doch sehr. Auf jeden Fall glauben wir daran, weiterhin unabhängig erfolgreich sein zu können.

Kritiker sagen, dass die Müllereiindustrie in derSchweiz viel zu klein strukturiert ist. Wie denken Sie darüber?
Es ist heute in der Schweiz so, dass die zwei grössten Mühlenunternehmen in der Weichweizenvermahlung über rund 50% Marktanteil verfügen und sich die anderen 50% auf rund 40 Mühlenbetriebe aufteilen. Noch Mitte der 1980er-Jahre gab es in der Schweiz über 100 Mühlen; es ist in der Mühlenwirtschaft also durchaus zu einem Konzentrationsprozess gekommen, der nicht abgeschlossen sein dürfte.

Wie könnte Ihr Unternehmen im Hinblick auf ein Freihandelsabkommen Landwirtschaft mit der EU reagieren?
Eine Studie der Hochschule St.?Gallen hat versucht, Handlungsempfehlungen für den Fall eines Abschluss des FHAL mit der EU abzugeben. Dort sind sicherlich einige wertvolle Hinweise für die Strategieentwicklung zu finden. Aufgrund des Commodity-Charakters von Backmehlen glauben wir nicht, dass der alleinige Erfolg mit der vom Bundesamt für Landwirtschaft propagierten Qualitätsstrategie erreicht werden kann.

Was denken Sie zur 80%-Swissness-Regelung?
Für Getreideerzeugnisse wie Mehl, die aus einem dominierenden Rohstoff hergestellt werden, halten wir die 80%-(Gewichts-)Regel zur Auslobung der «Swissness» für zweckmässig. Bei Produkten, die aus mehreren Rohstoffen hergestellt werden, sollte unseres Erachtens der Ort der Wertschöpfung, also das «Hergestellt in der Schweiz»-Qualitätsmerkmal unbedingt auch angemessen berücksichtigt werden.