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«Wir erwarten Innovationen»

Für Hansueli Loosli, Noch-Chef von Coop, sind die Chancen für Schweizer Lebensmittel auch mit Freihandel intakt. Der grösste Markenartikelanbieter der Schweiz verlangt von den Lebensmittellieferanten Innovationen.

von Alimenta Import

Alimenta: Eine Ihrer Erfolgsgeschichten bei Coop sind die Leader im boomenden Conveniencemarkt, die Pronto-Shops. Was haben Sie besser gemacht als die Konkurrenz?
Hansueli Loosli: Wir haben einfach viel ­früher angefangen, als noch niemand davon sprach. Zudem haben wir die Standorte an den richtigen Verkehrsströmen gesetzt. Die Geschichte gibt uns jetzt recht. Doch vor zehn Jahren, als ich diesen Vorschlag ­einbrachte, wurde er nicht diskussionslos akzeptiert.

Anders sieht es beim Internethandel aus, wo der Leader Le Shop von Migros ist.
Hier sind wir jetzt drei Jahre zu spät gekommen. Wir haben aber im Onlinesupermarkt auch eine wachsende Kundenzahl, und coop@home wächst sehr stark.

Auch eine Erfolgsgeschichte ist die Einkaufsgenossenschaft Coopernic, obwohl Kritiker sagen, dass Coop nur einen verschwindend kleinen ­Anteil über Coopernic kauft.
Wir in der Schweiz können von Coopernic nicht überall profitieren wie die übrigen ­Europäer. Wir können nicht soviel importieren, wie wir gerne möchten. Denn wir müssen die Schweizer Gesetze, z.B. in der Landwirtschaft, einhalten. Letztes Jahr ­haben wir mit Coopernic nahezu 100 Projekte im Bereich Eigenmarken durchgeführt. Dieses Jahr wird es das Doppelte sein. So können wir aufgrund der Mengen bessere Konditionen erzielen.

Warum kauft Coop Nahrungsmittelfirmen? Man denke an die kürzlich erfolgte Akquisition der Mineralquelle Termen oder die Beteiligung und spätere Übernahme von Hilcona. Geht es nur darum, Gewinne aus dem Detailhandel zu reinvestieren, oder sehen Sie wirklich Potenzial in der Lebensmittelproduktion in der Schweiz?
Ich bin überzeugt, dass die Lebensmittelproduktion in der Schweiz eine Chance hat. Sonst würden wir ja nicht investieren bei Bell oder bei Swissmill. Selbst wenn die Grenzen beim Agrarfreihandelsabkommen aufgehen, wird die Schweiz mit ihrer Qualitätsstrategie im Verbund mit der Landwirtschaft eine grosse Chance haben. Nicht mit Massengütern, aber wir werden die Nischen­anbieter sein in Europa. Die Österreicher machen es uns vor.

Sie haben Produktionsbetriebe von Mehl, Teigwaren, Fleisch usw. Warum wollte Coop nie ­einen Milchverarbeitungsbetrieb?
Wir hatten früher mit Kirchberg einen Käse­produktionsbetrieb geführt. Mit der Zusammenarbeit mit Emmi haben wir ihn dann dem Milchverarbeiter verkauft. Emmi ist heute unser Hauptlieferant. Klar hätten wir Möglichkeiten gehabt zur Akquisition von Molkereien. Doch eigentlich brauchen wir Brot, Wasser und Fleisch. Das reicht zum Leben.

Sie arbeiten nicht nur mit Emmi zusammen. Letzten Herbst lancierten Sie ein neues Premium­joghurt unter der Marke Mövenpick. ­Haben Sie eine besondere Beziehung zu dieser Marke, weil Sie einmal dort tätig waren?
Nein, aber wir sind dennoch der grösste Vertreiber der Marke Mövenpick – auch mit Glace und Kaffee.

Mit Chocolats Halba, die ein enormes Wachstum aufweist, besitzt Coop ein typisches ­Schweizer Exportprodukt. Hat Coop sonst «nur» ­Betriebe, deren Produkte sich schwer ­exportieren lassen?
Wir haben durch Coopernic nicht nur ein Beschaffungsvolumen, sondern auch Partner im Absatzmarkt. Wir exportieren auch Teigwaren. Klar ist Schokolade unser wichtigstes Exportprodukt.
Ich bin überzeugt, dass wir mit Bell auch Fleisch exportieren können. Gerade Bratwurst oder andere Würste, und Schinken haben Potenzial. Hilcona macht es vor.

Coop ist bereits 30 bis 40 Prozent unter den ­hiesigen Bäckereipreisen, und jetzt ist die ­Bäckereikette Backwerk in die Schweiz gekommen. Werden Sie die Preise weiter senken?
Ich glaube nicht, dass dies eine echte Konkurrenz wird, weder für die Grossverteiler noch für die eigenständigen Bäckereien.

Wird das Joint Venture mit Hicopain aufgrund der neuen Bäckereistrategie aufgelöst?
Wir haben einen laufenden Vertrag mit Hiestand bis 2016. Wir werden uns in dieser Zeit nicht aus der Verantwortung ziehen. Das Volumen bleibt dort.

Als die Discounter in die Schweiz kamen, suchten diese auch Lieferanten und haben sie gefunden. Hat dies das Verhältnis zu Ihren ­Lieferanten belastet?
Wir schauten für uns. Wir sind der Marken­artikel-Vertreiber der Schweiz und werden dies auch künftig bleiben.

Wurde von Coop-Seite auch Druck mit der ­angedrohten Kündigung der Lieferantenverträge gemacht, wenn diese gleichzeitig Discounter ­beliefern würden?
Dies ist nur ein Gerücht. Wir haben nie Druck auf die Lieferanten ausgeübt. Dies wäre wettbewerbsrechtlich auch gar nicht gegangen.

Was erwarten Sie grundsätzlich von einem ­Lebensmittelproduzenten?
Wir erwarten Innovationen, denn er sollte auch wieder neue Produkte auf den Markt bringen. Schweizer Produkte müssen einen Mehrwert haben. Auch wir müssen uns ­anstrengen, sonst haben wir keine Chance gegen jene «ennet der Grenze».

Wird das Verhältnis zu den Lieferanten durch Listinggebühren, die vielfach als zu hoch angesehen werden, belastet?

Dies ist eine Frage von Leistung und Gegenleistung. Wir müssen dies jederzeit einem Test unterziehen können.

Warum behalten Sie das Bell-Verwaltungsratspräsidium und nicht andere?
Dies ist ein Entscheid des Verwaltungsrates, dass Unternehmen, die Geschäfte mit dem Ausland machen, bei mir verbleiben.

Und wie soll Ihr Nachfolger aussehen?
Die Nachfolgeregelung ist alleine ein Verwaltungsratsentscheid.