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Kampf um jede Unterschrift

Mit der Emmentaler-Charta soll Ruhe in die verunsicherte Branche ein­kehren. Doch das Ringen um jede einzelne Unterschrift für die Zusage zur Charta erwies sich als zäh. Preissenkungen giessen zusätzlich Öl ins Feuer.

von Alimenta Import

«Eigentlich wären im europäischen Marktumfeld mit steigenden Käsepreisen sogar Preiserhöhungen beim ­Emmentaler möglich», sagt Ernst Oettli von der Gourmino AG. Seiner Ansicht nach ist es unnötig, die Preise zu senken, wie es jüngst geschehen ist. «Es kann nicht sein, dass wir mit unserem Markenprodukt die einzigen sind, die die Preise senken», ist auch Jürg Wüthrich, Alibona AG, überzeugt. Diese ­optimistische Markteinschätzung teilt die ­Peter Bürki AG, Luzern, nicht. Die Lage sei desolat. Darum hat der Käsehändler den Preis für ­Emmentaler für die Februarproduktion von 6.60 auf 6.40 Franken gesenkt. Dies ist 20 Rappen unter dem offiziellen Richtpreis. Auch die Lustenberger & Dürst AG und die Emmi hat mit den Preissenkungen nun nachgezogen. Diese Senkung ist für Jürg Wüthrich zu einem denkbar unglücklichen Zeitpunkt gekommen. Denn Käsepreissenkungen sind nie förderlich für eine Einigung. Und diese hätte die Branche nötiger denn je.

Die ausserordentliche Delegiertenversammlung vom 20. Januar 2011 segnete eine Charta ab, die Überkapazitäten auffangen und Ruhe in den Emmentalermarkt bringen soll («Alimenta» 02/11). Der Markt ist überversorgt, die Produktionsfreigaben liegen bei 70%. Einige Händler haben Käsern die Lieferverträge schon letzten September und im Dezember vorsorglich per 1. Mai gekündigt. Mit der Charta würden Käsereien, die jetzt einen gekündigten Vertrag haben, wieder vom Handel aufgenommen werden.

Übervorteilung der Ausgetretenen?
Für einige Händler sind die Nachteile mit der Charta dennoch zu gross. Die Ängste, die sie haben, sind vielfältig. So befürchten sie, dass vor allem die kleineren Käsereien unter die Räder kommen. Denn mit der Charta wird den ausgetretenen (aber auch denjenigen, die nie in der Sorte waren) Käsereien eine grössere Referenzmenge von Emmentaler AOC zugestanden. Die neu zugeteilte Menge für diese beträgt 2600 Tonnen. Ein anderer Händler ist grundsätzlich nicht einverstanden mit dem Vorgehen der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland. So könne das neue Produkt Swaler, dessen Produktion mit der Charta ermöglicht würde, nur in grösseren Käsereien hergestellt werden, dies wegen fehlender Pasteure in kleineren Käsereien. Auch sei es gefährlich, mit einer zweiten Linie den Emmentaler AOC zu konkurrenzieren. Und das 7-Punkte-Programm werde mit der Billiglinie aufgeweicht.

Die Busse bleibt rechtskräftig
Und warum müsse man nun den ehemals Ausgetretenen die Busse erlassen und sie zusätzlich noch mit einer hohen Referenzmenge belohnen? Die Ausgestretenen könnten nach einem Jahr wieder kündigen und per 1. Mai 2012 als Nichtsortenmitglieder dennoch mit der Käsereimarke ohne Mengenbeschränkung pro­duzieren. Vonseiten der Sortenorganisation wird diesen Befürchtungen der Wind aus den Segeln genommen und erläutert, dass die Busse bei einem allfälligen Austritt wieder rechtskräftig wird. Sie wird jedoch innerhalb von fünf Jahren prozentual abgeschrieben.

Fällt der Preis ins Bodenlose?
Am Schluss bleibt die Frage, was das Beste für die Branche ist, sagt Christoph Stadelmann von der Sortenorganisation. Und das Beste ist jedenfalls nicht, wenn im Emmentalermarkt keine Kundenbindung herrscht. Die Verkaufs­praxis läuft gemäss einem Käser in etwa so ab, dass die sich die Händler aus Italien ungefähr eine Stunde via Telefon über die Preise informieren und sich dann beim günstigsten Anbieter eindecken. Wenn jedoch das Angebot gebündelt werden könnte, wäre die Situation besser, ist der Käser überzeugt. Ohne ein Dach fällt der Preis ins Bodenlose.

Sortenorganisation ohne Handel
«Die Händler sind nicht mehr fair, und sie ­sagen nicht die Wahrheit», lässt ein Käser seinem Unmut freien Lauf. Sie kündigten Lieferverträge und möchten dann die freie Menge auf ihre verbleibenden Betriebe verteilen. Das ist noch nicht möglich, weil die Referenzmenge auf den Betrieb geschrieben ist. Doch das Misstrauen gegenüber vielen Händlern bleibt. Darum werden laut dem Käser in ­Käser- und Milchproduzentenkreisen ganz andere Ansätze diskutiert. So beispielsweise dieser, dass eine Sortenorganisation Emmentaler AOC ganz ohne Händler entstehen sollte.