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Lebensmittelindustrie ist gefordert

Der neuste Fall in der Migrationsproblematik von Lebensmittelverpackungen zeigt die Grenzen in der nach unten drehenden Preisspirale auf. Verpackungs­hersteller wollen mehr Engagement von der Lebensmittelindustrie.

von Alimenta Import

Das kantonale Labor Zürich hat in Lebensmittelstichproben Rückstände von Mineralöl gefunden und zeigte dies im Kassensturz. Dieser titelte die Sendung dann mit «Krebsgefahr durch Erdöl im Karton». Das Zürcher Labor will heute keine Stellung mehr zum Fall nehmen. Doch die Verpackungsindustrie ist mit der unschönen Geschichte des Kassensturzes gar nicht so ­unglücklich. Denn damit werde der Finger auf einen wunden Punkt gelegt.

Ein Verpackungsanbieter sieht die immer grösser werdenden Preisforderungen der ­Lebensmittelindustrie und des Handels als Hauptübel für die Problematik. Wenn jeder seine Marge hergegeben habe, so würden auch überall die billigsten Varianten gesucht. Die Verpackungsindustrie hat aber jetzt die Hoffnung, dass sich die Lebensmittelindustrie in der Joint Industry Group (JIG) mehr engagieren wird.

Die JIG wurde im Herbst 2007 gegründet, um gemeinsame Lösungen in der Migration von Druckfarben zu suchen. Mit der am 1. April 2010 eingeführten Positivliste, die den Einsatz von Druckfarben auf Lebens­mittelverpackungen regelt, nahm die Schweiz ­innerhalb Europa, auch eine Vorreiterrolle ein ­(siehe «Alimenta» 07/10).

Für SVI-Geschäftsführer Wolfgang ­Durrer darf durch die Thematik aber das bewährte Papierrecycling nicht gefährdet werden, und nur noch frische Kartonfasern einzusetzen, wäre auch keine Lösung. Denn in diesem Fall müssten zuviele Wälder abgeholzt werden, was ökologisch keinen Sinn ergäbe. Mineralölarme Druckfarben, wie sie etwa Japan in der Druckindustrie einsetzt, könnten hingegen die Situation verbessern.

Durrer ist überzeugt, dass die Verpackungsindustrie Lösungen anbieten kann, und nennt als Beispiel einer sicheren Verpackung «Stocki», wo der Inhalt in einem Alubeutel ­gelagert ist. Doch solche Ver­packungs­lösun­gen haben ihren Preis, den die Nahrungsmittel­industrie als Kunde in Kauf nehmen müsste. Denkbar sind auch neue Wege im Bereich der Innenbeschichtungen. Das Problem ist auch dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) bekannt. Das Amt schreibt in seiner Stellungnahme, dass momentan noch keine toxikologische Risikoeinschätzung vorliege, und wartet darum auf die Ergebnisse des deutschen Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR).