Datum:

Verfalldatum im Nanobereich

Smart Packages, die mit dem Inhalt kommunizieren können oder dem Füllgut eine längere Haltbarkeit «einhauchen», werden in der Schweiz noch zurück­haltend eingesetzt. Auch RFID-Lösungen sind für den Konsum zu teuer.

von Alimenta Import

Der Markt für intelligente Verpackungen und Kennzeichnungs­lösungen soll laut Experten stark wachsen. Der US-Marktforscher Marketsand Markets schätzt, dass der weltweite Umsatz mit intelligenten Verpackungen im Zeitraum 2010 bis 2015 um jährlich 8,2% auf 24 Mrd. US-Dollar steigen wird. Auch in der Schweiz hat der ­Pouletproduzent Kneuss AG in Mägenwil vor zwei Jahren angefangen, auf den Kartonschachteln der Poulets eine OnVu-Etikette, also einen Zeit-Temperatur-Indikator, aufzudrucken. Dieser zeigt den Frischezustand des Produktes anhand einer Farbe, abhängig von Zeit und Temperatur, an («Alimenta» 14/09).

Kosten in drei Jahren halbiert
Auch die Radiofrequenztechnik-Identifika­tionstechnologie (RFID), bei der Information über Waren ohne Sichtverbindung abgerufen werden kann, ist im Vormarsch. Doch diese Identifikationstechnik wird in den Unternehmen meistens nur auf Ebene Handelseinheit bei noch grösseren Einheiten (Paletten) eingesetzt. «Aus Kostengründen muss gut überlegt werden, wo RFID gebraucht wird», sagt Heinz Gerber, Produktmananger Software & RFID beim Etikettenhersteller Pago AG. Denn ein RFID-Transponder kostet immer noch 15 bis 30 Rappen, dies bei einer Produktionsmenge zwischen 100’000 und einer Million Stück. Bei Palettentranspondern haben sich laut Gerber die Kosten innerhalb der letzten drei Jahre auf 12 bis 15 Rappen fast halbiert. Doch der geforderte Preis von 5 Rappen wird auch in den nächsten Jahren nicht erreicht werden, und auch dann ist der Transponder immer noch viel teurer als das bisherige Barcode­etikett und somit für schnell drehende Konsumgüter wie Lebensmittel nicht unbedingt geeignet.

Auch für den Fleischverarbeiter Bell ­stellen RFID-Transponder erst auf Gebinde­ebene eine Lösung dar, wo laut Pressesprecher ­Davide Elia die Gebinde mit je zwei RFID-Transpondern ausgerüstet sind.

Trend zu druckbarer Elektronik
Der Preis für eine Kennzeichnung einzelner Konsumenteneinheiten mit RFID-Etiketten ist auch dem Fleischverarbeiter zu hoch. Dasselbe gilt bei Emmi: Der Milchverarbeiter Emmi setzt auf Grund der Kosten keine RFID-Etiketten ein. Nicht nur die Transponder sind teuer, sondern auch die dafür be­­nötigten Lesegeräte. «Günstiger wird es erst, wenn in 10 bis 15 Jahren Plastikelektronik auf den Markt kommt», sagt Heinz Gerber. Denn der Trend geht Richtung druckbare Elektronik. So arbeitet beispielsweise eine Arbeits­grup­­pe im Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) an der Kommerzia­lisierung druckbarer organischer Elektronik. Preiswerte dünne, flexible Elektronik, die durch den Aufbau auf flexiblen Polyester­substraten leicht in Verpackungen integriert werden, soll laut der Arbeitsgruppe künftig aus dem Handel nicht mehr wegzudenken sein.

Das Fraunhofer-Institut hat bereits letztes Jahr ein Verfahren entwickelt, bei dem Tinte in Nanogrösse im Inkjet-Verfahren auf Ver­packungen gespritzt wird. Diese Tinte pro­duziert auf Karton- oder Plastikverpackungen dünne Film-Transistoren, das Schlüsselelement in der RFID-Technologie. Wenn die RFID-Tags mit der neuen Technologie direkt im Druckverfahren auf die Verpackung appliziert werden, sinken gemäss dem Internet­magazin «Food production daily» die Kosten auf einen Rappen pro Verpackung.

Mit Eisen im Packstoff
Künftige Verpackungen sollen noch mehr leis­ten. Sie treten in Wechselwirkung mit dem Füllgut, eliminieren schädlichen Sauerstoff und Mikroben und verbessern so die Halt­barkeit und Qualität der Produkte. In Japan werden sauerstoffabsorbierende Kissen, sogenannten Sachets, bereits seit Jahren zum Haltbarmachen von Gemüse oder Fisch genutzt. In der Schweiz werden diese Verpackungen ­jedoch nicht eingesetzt. Auch weil sie zuerst vom Bundesamt für Gesundheit bewilligt wer­den müssen. Zudem sagt David Elia von Bell, dass mit diesen Verpackungen der Verbraucher getäuscht werden kann. Bell wolle mit frischen und einwandfreien Produkten die Kunden bedienen. Auch muss das Produkt mit der Verpackung in direkten Kontakt ­kommen.

Anders als in Japan wollen Europäer oder Amerikaner auffällige Verpackungselemente mit der Aufschrift «Nicht essen» nicht akzeptieren. Hier haben die Fraunhofer-Forscher elegantere Konservierungslösungen entwickelt. Sauerstoffabsorber wie Eisen werden in die Polymermatrix des Packstoffs integriert. Sauer­stoffempfindliche Getränke wie Bier oder Fruchtsäfte sind in damit präparierten Flaschen länger geniessbar. Mit einer Folie, die Sorbinsäure an die Oberfläche des Lebens­mittels abgibt, steht ein weiteres Material ­bereit, um die Haltbarkeit des Lebensmittels zu verlängern. Chitosan ist ebenfalls einsetzbar. Als Folienbestandteil wirkt es effizient ­gegen Listerien und Monocytogene und kann als Dampfsperre eingesetzt werden.

Der Hersteller Pirlo versteckt ein Silicagel-Kissen in einem perforierten Kunststoff­ein­satz im Deckel seiner neuen Weissblechdose «Dry Can». Dieser neue Verpackungsbestandteil wirkt feuchtigkeitsregulierend und unterbindet die Klumpenbildung in pulverförmi­gen Produkten. Pago zeigt unter anderem an der Interpack einen RFID-tauglichen Etikettierautomaten, der Mikrochips nicht flach, sondern als abstehende Flag auf dem Produkt ­anbringt. So wird bei Flüssigkeiten und Metallverpackungen der Funk nicht gestört.

So viel ist sicher: Die klassische Selbst­klebe­etikette wird es in 20 Jahren so nicht mehr geben.