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Italienische Weine: Topqualität, schwache Nachfrag

von Foodaktuell Importer

Für die italienischen Weinhändler ist die ProWein in Düsseldorf als Weltleitmesse wichtig. Hier treffen sie auf ihre Kundschaft, die das viel zitierte Italianita-Lebensgefühl und die Küche zu schätzen weiss.

Ein Stück weit ist es für die Italiener ein Dilemma: Die Qualität der Weine ist so gut wie nie, doch die Absatzmärkte allerorten präsentieren sich in schwacher Verfassung – allen voran ihr eigener Markt. An dieser Lage hat sich in den letzen zwölf Monaten grundlegend nichts geändert, ganz im Gegensatz zur Wetterlage, die in jedem Jahr naturgemäss eine andere ist.

„Der Weinjahrgang 2010 ist südlich der Alpen sehr gut ausgefallen, es sind gehaltvolle Weine mit klarem Sortencharakter“, lobt Alois Lageder aus Südtirol, der gleichzeitig die Mengeneinbussen von 10 bis 15 Prozent bedauert: „Wir hätten gern etwas mehr geerntet!“
In Sizilien, 1.600 km weiter südlich, sorgte ein unüblich kühler Sommer und das Ausdünnen der Trauben im Juli – bezuschusst von der sizilianischen Regierung – für überdurchschnittlich gute Qualität. Diese Grünlese führte nicht wie gewünscht zu einer Markterholung; das Überangebot an Supermarktweinen hält die Preise weiter niedrig.

Doch in diesem Segment arbeiten weder Alessio Planeta aus Sizilien noch Alois Lageder. Ihr Augenmerk liegt auf den Weinen zu Fachhandelspreisen von 8 bis 15 Euro. Für die beiden Experten zählen nicht nur der Preis, sondern auch Verlässlichkeit und das Vertrauen in eine starke Marke, die heute wichtiger ist denn je. Trotz ihrer starken Position sind beide mit Preisanpassungen vorsichtig.

„Der Markt lässt kaum Preissteigerungen zu und trotz der Ernteeinbussen sind unsere Bauern mit dem Erreichten zufrieden, denn sie wissen um die schwierige Marktlage“, erklärt Alois Lageder, der das einsetzende Umdenken von der „Ständig-Mehr“-Philosophie hin zu Nachhaltigkeit und Begrenzung positiv bewertet.

Bekannte Winzer im Vorteil

Mit neu gewonnener Zuversicht schauen die befragten Winzer aufs nächste Jahr und die wichtige Bestandsaufnahme anlässlich der ProWein vom 27. bis 29. März 2011 in Düsseldorf. Nach einem deutlichen Absatzminus in 2008 – im Zuge der schon fast vergessenen Finanzkrise – und den erneuten Einbussen in 2009 erwarten Lageder, Planeta und auch Laura Bianchi vom Weingut Castello di Monsanto in der Toskana ein Plus fürs Jahr 2010.

Doch dieser Ausblick, so Laura Bianchi, gelte für eben solche Weingüter wie Lageder oder Planeta, die mit ihrer soliden Vertriebspolitik und der Bekanntheit heute im Vorteil sind. Laura Bianchi fügt hinzu: „Mehr Einsatz als vor zehn Jahren müssen wir alle bringen, um die Absatzzahlen der Vergangenheit zu erreichen“.

Keinen Zweifel lässt Ettore Nicoletto, Geschäftsführer von Santa Margherita an der Tatsache, dass Deutschland und die USA die wichtigsten Exportmärkte für die italienische Weinwirtschaft sind. In den USA ist das Unternehmen mit Pinot Grigio der unangefochtene Marktführer, in Deutschland geht es gegen den Trend weiter aufwärts. Denn Vietnam, Korea oder Singapur, wo Wein noch ein Statussymbol ist, sind – wenn überhaupt – eher mittelfristig interessant.

Verunsicherung

Trotz der grossen Emotionen, die das abwechslungsreiche Italien hervorruft, befindet sich das ganze Land derzeit in einer wirtschaftlich eher schwierigen Situation, wovon ebenfalls die Weinwirtschaft betroffen ist. Diese „dunklen Wolken“ bedürften einer aktiven Landwirtschaftspolitik, doch viele Winzer behaupten, sich von der Regierung im Stich gelassen zu fühlen „Es bewegt sich gar nichts und insgesamt fehlt es an der Zuversicht in eine positive politische Zukunft“, sagt beispielsweise Alois Lageder.



Reben in der Emilia Romagna, wo auch der weltberühmte Parma-Rohschinken herkommt. Diese Region erstreckt sich zwischen dem Lauf des Pos im Norden und dem Apennin im Süden und gilt als eine der fruchtbarsten und ertragreichsten in ganz Italien, auch dank des milden Adriaklimas, das sich auf die Küstenzone auswirkt.

Zur allgemeinen Verunsicherung trägt bei, dass die EU-Politiker zwar Gelder zur Absatzförderung genehmigen, diese aber nur in Ländern ausserhalb der Gemeinschaft eingesetzt werden dürfen. Diese Einschränkung und die stattliche Mindestinvestition von 100.000 € pro Antragsteller führten bei vielen Winzern und Konsortien zu schlechter Stimmung. Nun hoffen die Verantwortlichen wie Giuseppe Liberatore, Direktor des Chianti Classico-Konsortiums, dass die Promotionsgelder zumindest für das Jahr 2012 im europäischen Markt eingesetzt werden dürfen.

Neuheiten

Wie auch immer: Italien erfindet sich auch dieses Mal neu, so dass die Besucher der ProWein in Halle 3 in die Welt von jungen und etablierten Winzern, weitgehend unbekannten Regionen sowie Rebsorten und den berühmten Weinanbaugebieten eintauchen können. Unter dem Dach der Konsortien und politischen Regionen ziehen Winzer ihre Flaschen auf. Renommierte Weingüter wie Lageder oder das Castello di Monsanto und Marktführer wie die GIV oder Santa Margherita sind zumeist mit eigenem Stand präsent, denn die ProWein ist die Leitmesse der internationalen Branche.

Auch interessante Seminare gibt es in Fülle: Das Konsortium des Chianti Classico zum Beispiel geht neue Wege und macht die Welt des Gallo Nero in englischer Sprache für Besucher aus aller Welt erlebbar. Seit vielen Jahren zum ersten Mal in Düsseldorf sind das Konsortium des Amarone della Valpolicella und die Verdicchio-Region Marken, die sich am ICE-Gemeinschaftsstand einreihen, ebenso wie Apulien mit Negroamaro und Primitivo.

(Text: Dr. Steffen Maus. Der Autor ist seit 1998 als freier Journalist und Buchautor tätig. Zur ProWein 2011 präsentiert er sein neues Buch „Wein/Italien“, das zeitgemässe Standardwerk über das Weinland Italien).

Messetipp: ProWein

27. bis 29. März 2011 in der Messe Düsseldorf

www.prowein.de

Schweizer Vertretung der Messe Düsseldorf:

INTERMESS DÖRGELOH AG

Obere Zäune 16, 8001 Zürich

Tel. 043 244 89 10

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