Datum:

Marketingtechnisches Lehrstück

von Alimenta Import

Letzte Woche ist die Sortenorganisation Appenzeller vor dem Innerrhoder Kantonsgericht in
erster Instanz abgeblitzt. Man wollte dort mit ­einer Klage gegen die Verwendung des Namens «Appenberger Käse» durch die Käserei Ober­hünigen im Bernbiet vorgehen. Die Begründung für das Vorgehen war, dass der Name zu ähnlich sei wie derjenige des eigenen Käses. Das abschlägige Urteil können die Appenzeller nun an das Bundesgericht weiterziehen. Fürs Erste ­müssen sie die Gerichts- und Anwaltskosten übernehmen. Das sind insgesamt 22?000 Franken.

Diese Geschichte ist abseits vom juristischen Parkett ein Lehrstück in Sachen unfreiwilliges Marketing. Der grosse Profiteur der gerichtlichen Auseinandersetzung ist Käser Urs Glauser. Er  erhält dank der Intervention aus der Ostschweiz eine Publizität, von der er bisher nur träumen konnte. Die nationale Presse berichtete flächendeckend, dabei war stets der Name der Käserei und des Produkts angegeben. Im «Tages-Anzeiger» war praktisch die ganze Palette der Glauser’schen Käsetheke namentlich erwähnt.

Wenn der Käser mittels Werbung eine derartige Bekanntheit hätte erreichen wollen, dann hätte er das x-Fache des Betrags ausgeben müssen, den die Appenzeller Sortenorganisation jetzt für die juristische Behandlung des weit hergeholten markenrechtlichen Problems berappen muss.

Eine Seite Reklame in einer grossen Tageszeitung kostet 20?000 Franken. Bis ein breites Publikum davon Kenntnis nimmt, braucht es viele davon. Hinzu kommt, dass Berichterstattung im redak­tio­nellen Teil höhere Glaubwürdigkeit geniesst als solche im Inserateteil. Glauser wird wohl gut ­daran tun, die Produktion von Appenberger präventiv zu steigern.

Die Appenzeller Sortenorganisation hat ihrerseits in den letzten Jahren enorm viel Geld in die
Hände genommen, um ihre starke Marke zu bewerben. Das gut gehütete Geheimnis der Affinage ist bis weit nach Deutschland ein Werbehit. Für mich ist das grösste Geheimnis im Zusammenhang mit Appenzeller und der Klage aber derzeit ein anderes: Wie kann man bloss so fahrlässig mit dem Renommee seiner Marke umgehen?
Adrian Krebs