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Kompromisslose Sicherheit

Daniel Grimm ist Geschäftsführer der Firma QOS GmbH, die sich auf Beratung für Lebensmittelsicherheit spezialisiert hat. Seine Kunden sind Lebensmittelbetriebe auf der ganzen Welt.

von Alimenta Import

Alimenta: Herr Grimm, Ihre Firma bietet ­Unternehmungen Hilfe im Bereich Lebensmittelsicherheit. Warum braucht es solche Hilfestellungen?
Daniel Grimm: Lebensmittelsicherheit kennt keine Kompromisse. Die immer grösser werdenden Mengen, die globalisierten Märk­te und die enorme Schnelllebigkeit von Produkten sind eine grosse Heraus­forderung für die Lebensmittelhersteller. Durch immer kleiner werdende Margen wird es immer kritischer, auch wirklich ­sichere Lebensmittel auf dem Teller zu ­haben. Die Lebensmittelhersteller haben eine hohe ethische und moralische Verantwortung, die viele wahrnehmen, leider aber bei Weitem nicht alle.

Was unterscheidet Sie von kantonalen Lebensmittelkontrolleuren?
Ich arbeite im Auftrag von privaten Firmen. Im Prinzip ist meine Aufgabe aber ähnlich wie die der Kollegen von der Lebensmittel­überwachung. Wir haben dieselben Ziele. Ich nehme aber keine hoheitliche Aufgabe war, wenngleich ich in extremen Fällen auch schon Anzeige erstattet habe. Der grösste Unterschied liegt darin, dass mein Urteil entscheidet, ob eine Unternehmung für die Einzelhändler produzieren darf oder nicht. Im Falle von Nichtkonformitäten kann die wirtschaftliche Existenz eines Unternehmens betroffen sein.

Wie hat sich das Lebensmittelrecht in den vergangenen Jahren verändert?
Der Eigenkontrolle wurde immer mehr Bedeutung beigemessen – Stichwort HACCP – es wurden Verpackungsmaterialien ebenso einbezogen wie Allergene, GVO und be­sondere Vorschriften für Transport und ­internationalen Handel. Auch die Kennzeichnungsvorschriften wurden vereinheitlicht. Eine Flut von Vorschriften gerade aus den USA und aus dem EU-Raum müssen beachtet werden. Lebensmittel müssen für das Bestimmungsland legal sein, das heisst, dass es nicht nur auf inländische Legalität ankommt.
Wie hat sich die Einstellung der Betriebe in Hinsicht auf Lebensmittelsicherheit verändert?
Jeder Betrieb würde jetzt antworten, dass er der Lebensmittelsicherheit grösste Bedeutung beimisst. Jedoch haben leider noch nicht alle Firmen den Wert von HACCP und von einem guten QMS begriffen. Für viel zu viele Firmen ist QMS «Quatsch mit Sosse» und HACCP nicht mehr als eine ­gesetzliche Forderung. Dabei kann man mit den beiden Instrumenten nicht nur eine bessere Übersicht über den eigenen Betrieb gewinnen, sondern vor allem auch die Prozesse erheblich verbessern und damit Geld verdienen.

Was ist die wichtigste Voraussetzung, um in Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit auf der sicheren Seite zu sein?
Wer Verantwortung ernten will, muss Vertrauen säen. Das heisst: Investitionen in die Mitarbeiter, Schulungen, gute Kommuni­kation und die konsequente Umsetzung der Forderungen an Risikoanalysen und das HACCP-Konzept.

Der Staat setzt zunehmend auf Selbstkontrolle. Was halten Sie davon?

Der Staat kann nicht permanent jedem Betrieb auf die Finger schauen. Es ist gut und richtig, dass es für die Lebensmittelunternehmen klare Vorschriften, Standards und auch Gesetze gibt, die ihnen helfen, das richtige zu tun. Ich finde es gut, wenn der Staat auf Selbstverantwortung baut.

Selbstkontrolle bedeutet immer auch Aufzeichnungspflicht. Was raten Sie diesbezüglich den Betrieben?
Klar, Selbstkontrolle muss dokumentiert werden. Hier kommt es darauf an, Lösun­gen zu finden, die für den Betrieb gut und praktikabel sind und von den Mitarbeitern verstanden werden.
Ich bin bestrebt, für meine Kunden Systeme auszuarbeiten, die schlank und effizient sind und von allen Beteiligten getragen ­werden – vom CEO bis zur Produktionscrew. Dieses Vorgehen ist zwar am Anfang etwas beschwerlicher, aber auf Dauer nachhaltiger.

Vor allem KMU können sich beratende Fir­men häufig gar nicht leisten. Was raten Sie ­diesen?
Eine gute Beratung hilft Kosten senken. Die Opportunitätskosten im Falle eines Rückrufs, eine Unfalls oder einer anderen Krise sind der Einsatz; man kann sich Beratung leisten. Ein guter Berater übernimmt vor allem eine Garantie für das, was er rät, ­vorausgesetzt, dass auch alle mitspielen. Dazu braucht man Fachwissen und gegenseitigen Respekt. Unabhängig davon ist die Tarifstruktur der QOS auf die Kunden ­angepasst. Ich berate kleine Unternehmen oder Non-profit-Organisationen zu erschwinglichen Preisen. Meine grösseren Kunden tragen das mit. Und dafür bin ich dankbar.

In der Schweiz wurde immer mal wieder der Ruf nach einer besseren Organisation der Lebens­mittelsicherheit auf Bundesebene laut. Was sagen Sie dazu?
Ich finde die Idee eines Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit grundsätzlich gut. Aber es müsste von Anfang an für die ­vernetzten Aufgaben im System und auf ­Kontrollmechanismen ausgelegt sein. Sonst wäre das neue Amt schnell ein völlig überforderter Papiertiger.