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Nordafrika-Exporte: noch keine Gefahr

Die Exporte von Milchpulver, Schokolade, Biskuits und Babynahrung in die arabischen Länder sind derzeit nicht gefährdet. Hingegen führen die ­unsicheren politischen Verhältnisse zu administrativen Hürden.

von Alimenta Import

Für den Februar 2011 meldet die Eidgenössische Zollverwaltung eine Er­höhung der Exporte um 10,4 Prozent. Ver­antwortlich für die Zunahme sind vorab die ­Maschinen- und Metallindustrie, Elektronik- und Uhrenexporte, wo sogar Steigerungen bis zu 20 Prozent verzeichnet werden. Bei den ­Lebensmittelexporten, zu denen statistisch auch Tabak und Getränke gezählt werden, ging der Exportwert um ein Prozent zurück. Nur beim Kaffee steigen die Exporte weiter an. Was importieren die Länder, die in den letzten Wochen die Schlagzeilen dominieren?

Schokolade für Ägypten
Ägypten ist mit 80 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste arabische Land. Im letzten Jahr exportierte die Schweiz Lebensmittel für 22,9 Millionen Franken dorthin. Nebst den Tabakprodukten im Wert von drei Millionen Franken wurden 237 Tonnen Schokolade für 2,1 Millionen Franken verkauft. Damit liegt Ägypten in der Rangliste der wichtigsten Abnehmerländer auf Platz 46. Bei den Biskuitsexporten belegt das Land den 50. Rang. Chocosuisse-Direktor Franz U. Schmid sieht keine aktuellen Schwierigkeiten. Er weist aber darauf hin, dass Libyen seine Grenzen für Schweizer Produkte bereits im Juli 2009 dichtgemacht habe, was einige Schokoladeproduzenten direkt betreffe.

Aufschwung für Milchpulverexporte
Laut den Zahlen der Zollverwaltung begann erst im letzten September der Export von Baby­nahrung nach Ägypten. So wurde für das Jahr 2010 Babynahrung für 1,5 Millionen Fran­ken verkauft, im Januar und Februar ­waren es 571?600 Franken. Hochdorf Nutricare AG exportiert Babynahrung in diesen Markt. Die ägyptische Revolution ändere grundsätzlich nichts daran, sagt Christoph Hug, Sprecher von Hochdorf Nutritec. Die Bestellungen der Regierung würden aufrechterhalten. Hingegen gebe es administrative Hürden, die die Bestellungen verzögerten. Konkret gehe es um ein Problem mit der Bank und um eine Zahlung, die noch nicht bestätigt sei.
Auch in Tunesien ist Nutricare mit administrativen Hürden konfrontiert. Manche tune­sische Bestellungen werden nur auf ­Vorauszahlung hin geliefert. Weil derzeit alle Gelder, die Tunesien verlassen, genau geprüft werden, dauert das seine Zeit.

Butter und Milchpulver am Nil
Im letzten Jahr importierte Ägypten für 10,8 Millionen Franken Schweizer Milchpulver. Cremo verkauft Milchpulver in manche nordafrikanische Länder und im ­nahen Osten. Laut Cremo-Generalsekretär ­Michel Pellaux hat die Firma zum Teil auch Butter ausserhalb der EU verkauft, um die ­Lager abbauen zu können. Dabei waren die Hauptkunden Russland, die Türkei und auch Ägypten. Auch Cremo verlangt von den ägyptischen Importeuren Vorauszahlung, was bei der aktuellen Krise das ganze Prozedere verlängert. Gleiches gilt für die Zollformalitäten, für die es auch eine funktionsfähige staatliche Verwaltung braucht. ­Pellaux schätzt, dass man diesen Ländern ein bisschen Zeit lassen müsse, bis sie wieder Tritt gefasst hätten.

Noch sehr unklar sind die Auswirkungen der nuklearen Katastrophe in Fukushima. Möglicherweise wird Japan im grossen Stil ­Lebensmittel importieren müssen. Im ­Milchsektor, aber auch beim Getreide könnte
dies zu Erhöhungen der Weltmarktpreise f­ühren.