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Schonender Winterschlaf für Äpfel

Mit hoher Luftfeuchtigkeit, hohem CO2-Gehalt und einer Temperatur von maximal 2 Grad Celsius in den Lagerzellen lässt sich Obst über Monate frisch halten. Eine umweltfreundliche Ammoniakkälteanlage sorgt für die Kühlung.

von Alimenta Import

Die österreichische Firma Obst Gössl aus Puch in der Steiermark handelt seit über 125 Jahren mit Obst. Um sicherzustellen, dass dieses auch abseits der Erntezeit frisch zu den Konsumenten gelangt, lagert der Obstgrosshändler die Äpfel direkt nach der Ernte in ­einer «kontrollierten Atmosphäre» ein. Hierfür wird in den Kühlzellen der sogenannten CA-Lager (Controlled Atmosphere) der Sauer­stoffgehalt reduziert. Gleichzeitig wird der Kohlendioxidgehalt erhöht, und die Äpfel werden bei ein bis zwei Grad Celsius und einer hohen Luftfeuchtigkeit in eine Art Winterschlaf versetzt. Überwacht mit modernster Mess- und Regeltechnik verlangsamt diese ­Lagertechnik die weitere Reifung und sorgt so dafür, dass die Äpfel über das ganze Jahr ­hinweg frisch ausgeliefert werden können.

Im Jahr 2009 wurde die Kapazität bei  Obst Gössl um drei zusätzliche CA-Lager mit einer Grundfläche von jeweils 100 m2 und ­einer Höhe von zehn Metern erweitert. Das Lagervermögen stieg dadurch von 250 Tonnen auf 300 Tonnen an. Zusätzlich wurde ein neues Hochregallager mit einer Gesamtkapazität von rund 6000 Grosskisten für jeweils 300 kg Äpfel gebaut. Die Firma Johnson ­Controls installierte die Kompressionskälte­anlage mit dem Kältemittel Ammoniak (NH3). Als Kälteträger kommt ein Ethylen­glykol-Wassergemisch zum Einsatz.

Hohe Flexibilität und geringere Kosten
Um im Hochregallager eine kontinuierliche Temperatur von ein bis höchstens drei Grad Celsius zu gewährleisten, wurde eine Sole-Umluftkühlanlage (siehe Kasten) im Bereich der Deckenpaneele des Lagers installiert. Eine Doppellüftungsanlage mit zwei unter dem Dach montierten drehzahlgeregelten Ventilatoren ermöglicht die Freikühlung. Nach einer Ozonierung übernehmen diese Ventilatoren darüber hinaus die Raumfreispülung und saugen die Abluft mittels Unterdruckverfahren aus dem Lager ab. Die Be- und Entladung des Lagers erfolgt mit vollautomatischer Fördertechnik an sechs Öffnungen des Gebäudes.
In diesen Zugangsbereichen verhindern jeweils zusätzliche Torluftschleier den Kaltluftaustritt und tragen damit zur Energieeffizienz der Anlage bei. Die Entwärmung des ­gesamten Systems erfolgt über zwei adiabate Glykol-Rückkühler (siehe Kasten), die auf dem Dach des Gebäudes installiert wurden.

Unabhängige Systeme ergänzen sich
Damit die drei neu errichteten CA-Lager ­unabhängig voneinander betrieben werden ­können, installierte Johnson Controls in jeder Kühlzelle drei Sole-Lüfterkühler mit eigenem Solokreislauf und eigener Solepumpe. Zudem wurde jede Zelle mit einer eigenen Mess- und Regeltechnik inklusive Visualisierung aus­gestattet. Auch im Gangbereich zwischen den Lagern und im Manipulationsbereich vor dem Lager wurden insgesamt acht Sole-Lüfterkühler installiert. Diese halten die Temperaturen konstant auf zwei bis vier Grad Celsius und sorgen damit in allen Bereichen des Lagers für eine ausreichende Kühlung der Äpfel.
Die zentrale Regelung der NH3-Kälte­an­lage erfolgt vollautomatisch über eine speicher­programmierbare Steuerung (SPS). Zudem ermöglichen eigene Steuerungseinheiten ­direkt an den Verdichtern die Regelung der Kompressoren. Damit sorgt die Kälteanlage für
die effiziente und nachhaltige Solekühlung sowohl des neuen Hochregallagers als auch der CA-Lager und der zwischen ihnen liegenden Gänge. Zudem berücksichtigten die Kälte­experten bei der Auslegung der neu instal­lier­ten Anlage bereits eine für 2011 vorgesehe­ne Umrüstung der Bestandslager von Direkt­expansion mit R22 (Chlordifluormethan) auf Sole-Umluftkühlung. Eurammon/ep