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Swissmill will hoch hinaus

Die Getreidemühle Swissmill will in Zürich ein 118 Meter hohes, ­topmodernes Getreidesilo bauen. Grund sind mangelnde Lagerkapazität und zunehmende Vielfalt der zu lagernden Produkte.

von Alimenta Import

Die führende Schweizer Getreidemühle und Coop-Tochter Swissmill möchte ihr Kornhaus in Zürich aufstocken. Ganze 118 Meter hoch wird das als Getreidespeicher benutzte Bauwerk werden und somit das zweithöchste Gebäude in Zürich sein. Der Stadtrat, Gemeinderat und die Baubehörden segneten das Projekt bereits vor einiger Zeit ab. Doch Vertreter des Quartiers Wipkingen und der Alternativen Liste ergriffen das Referendum gegen den Entscheid der Behörden und erreichten so eine Abstimmung. Ihre Hauptbefürchtung, der Turm werde dem Flussbad Unterer Letten vor der Sonne stehen, stiess bei der Mehrheit der Stadt Zürcher jedoch auf taube Ohren: Mitte Februar dieses Jahres sprachen sich 58,3 Prozent der Stimmberechtigten für die Aufstockung aus.

Mit Zürich seit Langem eng verwurzelt
«Swissmill ist seit 1843 eng mit dem Standort und der Stadt verwurzelt. Auch bei einem Nein hätten wir alles daran gesetzt, nach Lösungen zu suchen, diese Tradition am heuti­gen Standort fortzufahren», sagt Romeo Sciaranetti, Lei­ter der Swissmill. Warum aber will der Konzern einen solch gigantischen Bau realisieren? «Die Erhöhung des bestehenden Kornhauses ist nötig, weil in Basel Speicherraum für ca. 60?000 Tonnen Getreide entfällt, weil dieser im Rahmen der Stadtentwicklung für den Forschungs-Campus Novartis aufgegeben wer­den musste.» Arbeitsplätze gingen durch die Schliessung nicht verloren, das Handling des ehemaligen Silos sei durch einen Drittanbieter erfolgt. Mit dem Ja zum Kornhaus könne die Swissmill in die Zukunft schauen und die umweltgerechteste Variante für die Gewinnung von mehr Silokapazität umsetzen. Getreide solle da gelagert werden, wo es verarbeitet werde. Umlagerungen seien aus öko­nomischen wie auch aus ökologischen Gründen Unsinn, sagt Sciaranetti. Gänzlich kann die Aufstockung in Zürich das Basler Silo jedoch nicht ersetzen, betragen die dadurch gewonnenen zusätzlichen Lagerkapazitäten doch lediglich 20?000 Tonnen. Ein Silo eines Fremdlagerhalters in Basel soll den restlichen Bedarf decken.

Dass Swissmill in die Höhe und nicht in die Breite oder Tiefe bauen wird, hat praktische Gründe. «In den Boden können wir nicht wegen des Grundwassers, in die Breite nicht wegen des Denkmalschutzes. Aufgrund der zentralen Rolle des Kornhauses im Tagesbetrieb können wir das Projekt zudem nicht an einem beliebigen Ort auf dem Firmenareal realisieren», sagt Sciaranetti. Angesichts der Verknüpfung von Lagerungs- und Verarbeitungsfunktionen im Kornhaus sei die Erhöhung des bestehenden Silos die einzig sinnvolle Lösung. 25 Millionen Franken kostet die Aufstockung. Eine Menge Geld, insbesondere wenn man bedenkt, dass durch den Bau weder die Lagerkapazität noch die Produktion ausgedehnt wird.
Dafür werde aber die Lagerflexibilität erhöht, so Romeo Sciaranetti, und der enormen Produktvielfalt könne Rechnung getragen werden: «Die Vielfalt der Produkte und des Rohwarensortiments ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Dadurch wurde auch die Lagerung komplexer. Denn unterschiedliche Getreidequalitäten benötigen separate Silozellen. Deshalb enthält der geplante Aufbau 45 quadratische Silozellen.» Dass Zürich als Lagerstandort durch den Erweiterungsbau an Bedeutung gewinnt und Basel an derselben verliert, ist laut Sciaranetti kein Zufall. Die Warenströme hätten sich stark verändert. Das Getreide komme vermehrt mit sogenannten Ganzzügen aus dem grenznahen Europa direkt nach Zürich. Die Menge an Rohwaren, welche per Schiff nach Basel transportiert würden, werde immer kleiner.

Baugesuch wird im Mai eingereicht
Wie sieht der Zeitplan hinsichtlich des Baus aus? «Im kommenden Monat reichen wir das Baugesuch ein. Um einen kontinuierlichen Verarbeitungsprozess sicherzustellen, muss das bestehende Kornhaus während des Erweiterungsbaus immer in Betrieb bleiben. Falls es zu keinen Verzögerungen kommt, dürfte das neue Kornhaus 2013 stehen», sagt Romeo Sciaranetti. Mit Verzögerungen meint er vor allem Einsprachen seitens der Anwohner. Denn diese haben trotz dem Ja der Stimmbevölkerung das Recht, dem Baugesuch Steine in den Weg zu legen. Sciaranetti ist jedoch zuversichtlich: «Die Bedeutung von Swissmill mit seinen 75 Mitarbeitenden für den Industriestandort Zürich wird allgemein anerkannt. Zudem hat sich die Stadt im Jahr 2005 ausdrücklich für die Erhaltung der Industrie in Zürich West ausgesprochen.»