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Wachsen in ausländischen Nischen

Trotz dem harten Schweizer Franken und trotz dem Verlust von Denner als Abnehmer steigerte Emmi im letzten Jahr Umsatz und Gewinn. Bis in fünf Jahren will Emmi die Hälfte des Umsatzes im Export erzielen.

von Alimenta Import

«Halten im Inland, Wachsen im Ausland, striktes Kostenmanagement». Die Erfolgsformel von Emmi-Chef Urs Riedener ist klar und einfach. Und sie ­bewährt sich: In einem Jahr, in dem der starke Franken der Exportwirtschaft das Leben schwer macht, präsentiert Emmi ein Rekordergebnis. «Wir haben einen stabilen Umsatz erwartet», sagte Riedener vor den Medien
in Luzern. «Effektiv konnten wir nun noch einmal zulegen.» Der Nettoumsatz von 2,684 Mil­liarden Franken liegt 2,5 Prozent über dem Vorjahreswert, der Reingewinn von 86,1 Millionen sogar 14,3 Prozent darüber. Damit liegt die Reingewinnmarge bei 3,2 Prozent, 2009 war sie bei 2,9 Prozent.

Wachstum muss im Ausland passieren
Wachsen in der Schweiz kann Emmi praktisch nicht mehr. Der Umsatz stagniert seit ein paar Jahren bei knapp zwei Milliarden Franken. Weiter positiv war die Entwicklung bei Caffè latte und Kaltbach Käse. Auch die Übernahme von Fromalp trug zum Umsatzwachstum bei. Rückläufig war die Entwicklung bei Frischkäse und Schmelzkäse, wo Preisdruck aus dem Ausland die Margen schrumpfen liess. Auch bei Milch, Rahm und Butter gingen die Umsätze zurück, die Gründe dafür sind einerseits tiefere Milchpreise, andererseits der Verlust von Denner als Kunden. ­Denner wird seit der Übernahme durch die Migros von deren Molkerei Elsa beliefert.

Wegen dieser durchzogenen Entwicklung im Inland bedeutet Wachsen für Emmi vor allem Wachsen im Export. Und hier konnte Emmi vor allem beim Käse zulegen, die ­Umsätze wuchsen um 6,2 Prozent auf 411,6 Millio­nen Franken. In den USA, inzwischen für Emmi der zweitwichtigste Markt nach der Schweiz, ermöglichte die Übernahme der Firma Roth im Jahr 2009 eine ­Steigerung der Verkäufe von lokalen Sorten, aber auch der Exporte aus der Schweiz. Ebenso konnten die Fondue-Verkäufe in allen Exportmärkten gesteigert werden. Der Frischkäseumsatz im Export stieg von 0,6 auf 33,2 Mil­­lionen Franken, dank einer neuen Zusammenarbeit mit Venchiaredo und dem Ausbau der Marke Trentinalatte in Italien.

Rückläufig waren hingegen die interna­tionalen Umsätze mit Frischprodukten. Der Rückgang um 7,2 Prozent auf 191,5 Millionen Franken erklärt sich durch den starken Schweizer Franken und durch leichte Rückgänge in Deutschland, wo die Marketing-­Maschinerie erst im Oktober mit der neuen Dachmarke richtig angeworfen wurde. Weiterhin auch im Export auf Erfolgskurs ist Emmi mit Caffè latte, wo die Verkäufe um 27 Prozent zulegten.

Fortwährende Einkaufstour
Emmi setzte auch im letzten Jahr seine Einkaufstour fort (siehe Kasten). Die Fromalp-Übernahme, schon im Jahr 2009 aufgegleist, wurde von der Wettbewerbskommission ­abgesegnet. In den USA übernahm Emmi den Ziegenkäseproduzenten Grove Chèvre, in Deutschland die Joghurtmarke Onken, die auch in England stark ist, und in der Schweiz die Regionalmolkerei Frenkendorf und die Ziegenkäserei Bettex. Alle diese Zukäufe seien nicht einfach nur Umsatzbringer, sondern sie stünden für profitaben Umsatz, betonte ­Riedener.

Emmi will bis in fünf Jahren die Hälfte des Umsatzes im Ausland erzielen. Heute beträgt dieser Anteil 27 Prozent. Erreichen will Emmi dieses Ziel durch gezieltes Wachstum in kleinen Marktsegmenten. «Mit einer führenden Position in Nischen werden wir vom Handel wahrgenommen», sagte Riedener. So sei beispielsweise Onken in England führend bei den Grosspackungen für Joghurt, ein Segment, dass in wirtschaftlich härteren Zeiten Anklang finde. Hingegen werde man nie zum europäischen Marktführer für Joghurt werden. In Asien sind die Segmente noch kleiner: Hotels und ansässige Europäer werden in Hongkong und Shanghai mit Emmi-Produkten beliefert. Auch manche Airlines haben Emmi-Produkte im Sortiment.

Aber auch bei Emmi ist nicht alles nur rosig. Beim Käse sei das Jahr zwar 2010 erfreulich gewesen, sagte Riedener. Er sei aber nicht sicher, ob das so weitergehe. Schon im Januar sei der Käseexport im Vergleich
zum Vorjahr um über 12 Prozent zurück­gegangen. Insbesondere im schwierigen Emmentaler-Markt sei die Herausforderung, die Wertschöpfung aufrechtzuerhalten: Schon am ­ers­ten Tag der Nichteinigung habe es die ­ersten Tiefpreis-Angebote der Konkurrenz g­egeben.