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Was geht uns Fukushima an?

von Alimenta Import

Seit mehr als drei Wochen ist die mediale Öffentlichkeit mit den Auswirkungen des verheerenden Tsunamis an Japans Ostküste beschäftigt. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Katastrophe im AKW Fukushima. Allerdings hat das Interesse bereits stark abgenommen. Während kurz nach dem Erdbeben jedes aufsteigende Räuchlein aus dem Reaktor einen Artikel wert war, wird heute in den Tageszusammenfassungen beiläufig von ­drohender oder bereits laufender Kernschmelze berichtet.
Das ist kein Einzelfall. Nach Gross-Katastrophen ist der Fokus der Weltöffentlichkeit während ­einiger Tage bis Wochen exzessiv auf das Geschehen gerichtet, doch das Interesse ermattet rasch, und bald wird wieder ein neuer Schauplatz die gesammelte Aufmerksamkeit absorbieren.

Was geht uns also Fukushima längerfristig an? Sehr viel, denn gerade die Land- und Ernährungs­wirtschaft ist von entwichener Radioaktivität langfristig betroffen. Man nehme zum Beispiel die Schaffleischproduktion in Nordwales, daselbst ein wichtiger Sektor der Landwirtschaft. Noch vor Fukushima berichtete der England-Korrespondent des «Tages-Anzeigers», dass dort auch 25 Jahre nach Tschernobyl noch jeder Schlachtkörper auf Radioaktivität  untersucht werden müsse, und über fünf Prozent davon müssen wegen überschrittener Grenzwerte entsorgt werden. Wales liegt ja nicht gerade in der Nachbarschaft von Tschernobyl, aber Wind und Niederschlag sorgten dafür, dass mehrere 1000 Kilometer vom Unfall entfernt ein völlig verschont geglaubtes Gebiet langfristig in Mitleidenschaft gezogen wird.

Noch ist es viel zu früh, die Auswirkungen von Fukushima auf Land- und Lebensmittelwirtschaft zu bilanzieren. Das Beispiel Tschernobyl zeigt aber, dass hier eine andere Art von Globalisierung zum Tragen kommt, die auch den Landwirt im abgelegensten Tälchen, auch der Käser in der idyllischsten Aussichtslage betreffen kann. ­Deshalb sollte die Diskussion um die Zukunft der Atomkraft keinen Lebensmittelspezialisten kühl lassen.
Adrian Krebs