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«Die Branche hätte sich zerfleischt»

Jürg Simon ist zuversichtlich, dass es mit dem Frieden in der Emmentaler-Gemeinschaft gut bestellt ist. Zum ersten Mal gelinge in der schweizerischen Käsewirtschaft ein innovatives Branchenprojekt.

von Alimenta Import

Alimenta: Ist mit der Zustimmungserklärung die Emmentalerbranche jetzt wieder vereint?
Jürg Simon: Alle relevanten Akteure sind dabei. Ausser Karl Wick, der aber von sich ­selber sagt, er produziere keinen Emmen­taler. Wir haben die schriftliche Zu­stim­mungserklärung ohne Vorbehalte ­aller Aussenseiter. Jetzt müssen einfach noch alle anderen Mitglieder diese Charta ­unterschreiben.
 
An der DV haben 94 der Delegierten zugestimmt. Nur zwei Gegenstimmen waren zu verzeichnen. Kamen diese aus der Ostschweiz?
Der Handel und die Käser stimmten ­einstimmig zu. Zwei Milchproduzenten stimm­ten dagegen. Woher sie kommen, wissen wir nicht. Die Abstimmung war geheim.

Geht jetzt der Kampf gegen Fälscher im Ausland los, nachdem im Inland der (regulären) Überproduktion der Riegel geschoben wurde und in der Branche eine Einigung da ist?
Wir schieben der Überproduktion keinen Riegel. Doch sie wird sauber kanalisiert, damit der Emmentaler AOC nicht ge­schädigt wird. Es gehört zur Strategie, dass ­geltendes Recht durchgesetzt wird. Es wird zu Pro­zessen in Italien kommen. Momentan läuft schon einer.

War es auch der Druck des BLW mit dem Stopp der Absatzförderung, der zur Einigung geführt hat?
Das BLW hat keine Rolle gespielt. Es wurde nur gesagt, dass noch nicht entschieden werden könne, die Gelder zu zahlen.

Was sagen Sie einem Käser, der jahrelang nach Vorgaben und Referenzmenge der Sorte produziert hat und plötzlich sieht, dass Ausgetretene mit einer höheren Referenzmenge belohnt werden?
Erstens konnte er dank der Mengenführung, die seit 2006 in Kraft ist, einen ­höheren Ertrag erwirtschaften als vorher. Zweitens besteht die Möglichkeit, dass es auch in Zukunft so weitergeht. Wenn die Verhandlungen gescheitert wären, wäre ­diese Mengenführung in sehr kurzer Zeit aufgehoben worden.
 
Dann hätte es ein Chaos ge­geben?
Es hätte ein Rennen gegeben, und der ­«Fitteste», nicht unbedingt der qualitativ ­Beste,  hätte gewonnen. Die Branche hätte sich zerfleischt.
 
Was passiert im Fall Wick?
Der produziert laut eigenen Aussagen keinen Emmentaler. Im Übrigen laufen die bekannten Verfahren.

Die neue Marke in der Emmentaler-Familie heisst mit Arbeitstitel «Swaler». Wie würden Sie ihn taufen, wenn es nur nach Ihnen ginge?
Ich würde ihm vielleicht wirklich Swaler ­sagen. Aber der Name wird im Vorstand ­bestimmt.

Die Aus- und wieder neu Eingestiegenen ­sagen, dass aus marktwirtschaftlicher Sicht die  fünfjährige Kündigungsfrist aus der ES ein Unsinn sei.
Ein Austritt aus der ES ist nach wie vor jährlich möglich. Daran ändert die Charta gar nichts. Sie stellt aber durch die ­Produkt- und Kennzeichenabgrenzung ­sicher, dass auch bei Austritten aus der ES im Interesse des Emmentaler AOC nach klaren und gleichen Spielregeln produziert wird. Unzulässige Nachahmung ist nicht freie Marktwirtschaft.

Der Mediator leistete laut den Aussenseitern sehr gute Arbeit. Ist das auch Ihre Ansicht?
Der Mediator leistete effektiv sehr gute ­Arbeit. Die Knacknuss war sicher, dass
er die Aussenseiter auf eine gemeinsame ­Linie einigen konnte.
Interview: Hans Peter Schneider