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Banges Warten auf die ­Preisvorgabe

In der unsicheren Situation beim Emmentaler haben viele Lieferanten nur Absichtserklärungen der Händler erhalten. Obwohl sich alle momentan ­restriktiv an die Mengenvorgaben halten, rutschen die Preise.

von Alimenta Import

Niemand öffnet die Emmentaler-Schleusen. Alle Akteure halten sich noch an die Produktionsfreigabe der ­Sortenorganisation von 70 Prozent. In Sachen Produktionsmenge will nun auch die Cremo die Zügel selber in die Hand nehmen. «Wir lassen die Produktion der von Mühlenen-Lieferanten gedrosselt und haben unsere eigene Käserei in Kriechenwil für mindestens zwei Monate geschlossen», sagt Cremo-Generalsekretär Michel Pellaux. Im Sommer werde dann aufgrund der La­ger und der Verkäufe weiter entschieden. Auch der aus der Sortenorganisation ausgetretene Affineur und Händler Lustenberger & Dürst lässt von seinen Käsereien im März und April noch nach Vorgaben produzieren. Ab Mai soll sich laut L&D Geschäftsführer Richard Gander die Produktionsmenge mit den zwölf ver­bleibenden Käsereien, nach dem Absatzbudget richten, wobei 100% angestrebt würden.

«Marktorientierte» Produktion und Preise
L&D lasse den Käser ohne Einschränkung während neun Monaten produzieren, in den restlichen drei Monaten müsse er aber auf Magerkäseproduktion umschwenken, meint ein Branchenkenner. Gander dementiert und sagt, wenn die Qualität erfüllt sei, könne der Käser 80 Prozent her­stellen und bestimme auch selber, wann und wie er die restlichen 20 Prozent produziere. Magerkäse werde nur dort hergestellt, wo qualitative Probleme ­be­stehen würden oder wo ein Betrieb eine Neu­orientierung suche. Auch ­bezüglich des Preises halten sich die Händler noch bedeckt. Darüber will Emmi laut Esther Gerster ihre Lieferanten in den nächsten Tagen informieren. Der Preis werde sich an den Verkaufs­erlösen orientieren und marktorientiert sein. Auch Walo von Mühlenen sagt, er werde wohl zuerst nur einen Teil zahlen und die Nach­zahlung an die Käser erst machen, wenn der Markterlös feststeht. Die Käser ­haben Verständnis für die schwierige Markt­situation, und der Einfluss des starken Frankens wird von vielen geltend gemacht. Die Emmentalerkäser sind sogar froh, dass sich ihre Händler überhaupt noch mit Emmentaler beschäftigen. «Wenn man die Verluste anschaut, die der Handel im Export einfährt, muss man froh sein, wenn man noch produzieren darf», ist einer überzeugt. Dieser ist zusammen mit seinem Händler L&D aus der Sorte ausgetreten, ob unter Druck oder nicht, lässt er offen. «Ich musste mich entscheiden», so der Käser, der im Mai entweder ohne Sorte oder ohne Käsehändler dagestanden wäre.

Maulkorb für Käsereien
«Ein falsches Wort und man ist weg», sagt
ein anderer Emmentaler-Käser. Nicht einmal über seine verarbeitete Milchmenge dürfe er Auskunft geben. Dies geben die Richtlinien des Käsekaufvertragsentwurfs, respektive der Absichtserklärung von L&D vor. An diesen klammern sich die Produzenten nun, wenn sie im Mai noch liefern wollen. Richard Gander sagt, dass die neu gegründete Organisation «Allianz LeSuperbe Partners (ALSP), in der L&D die zwölf Käsereien vertikal ­integriert hat, als Einheit auftritt, und so der Umgang mit Vertragsdaten geregelt sei. Im Vertragsentwurf stehe, dass der Emmentaler-Preis nach Marktverhältnissen definiert werde. Ein ausgetretener Käser sagt, dass L&D wieder Sortenmitglied werden könnte. Schliesslich hätten alle, auch die Händler, ein Interesse daran, mit der Käsereimarke zu arbeiten, und mit dieser darf sich nur schmücken, wer ­innerhalb der Sorte produziert. Richard Gander sagt dazu, dass der Austritt nicht gegen die Sorte gerichtet sei, sondern ein Versuch, die Wettbewerbsfähigkeit im mit Tiefpreisen verseuchten Markt wie­derherzustellen. Laut SO Emmentaler werden im italienischen Detailhandel 100 Gramm Emmentaler zu einem Euro angeboten. In der Schweiz verkaufte Coop letzte Woche mit dem Slogan «So viel Emme für ­wenig Taler» für 8.70 Franken das Kilo. Für die einen ist dieses Preisniveau ungesund tief – für andere helfen diese Aktionen, den Markt zu entlasten.