Datum:

Migration: Branchenlösung wird von Amt nicht anerkannt

Verpacker und Lebensmittelhersteller sind sich einig: Die Checkliste, die die Konformitätsarbeit erleichtert, sollte von offizieller Seite bestätigt werden. Das Bundesamt für Gesundheit, BAG, hat aber kein Gehör.

von Alimenta Import

Das Problem der Migration aus der Verpackung kann mit der Checkliste gut angegangen werden.

«Die Leistungen der JIG sind ein Wettbewerbsvorteil der schweizerischen Verpackungs- und Lebensmittelbranche», sagte Andreas Zopfi, Leiter der Geschäftsstelle des Schweizerischen Verpackungsinstitutes (SVI) an der Pressekonferenz vom 22. Januar. Die JIG (Joint Industry Group on Packaging for Food Contact) ist die Arbeitsgruppe, die sich seit fünf Jahren mit dem Problem der Migration, also von Stoffen, die aus der Verpackung ins Lebensmittel ­gelangen, befasst. Sie präsentierte letzten Sommer eine Checkliste, mit welcher die Kon­formitätsarbeit erleichtert werden kann. Damit konnte der (Lebensmittel-)Verpackungs­anwender sicher sein, dass die eingesetzte Verpackung tatsächlich sicher ist und keine Migra­tionsgefahr darstellt. Über die ganze Wertschöpfungskette hinweg können anhand der Checkliste die Gefahrenquellen vom Verpackungszulieferer über den Verpackungshersteller ausgeschlossen werden. Die JIG wollte die Checkliste letztes Jahr auch von ­offizieller Seite absegnen lassen, doch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat bis heute die Liste nicht anerkannt.

Keine Erhebung auf Gesetzesstufe
«Und dies soll auch so bleiben», sagt Vincent Dudler vom BAG. Dies sei immer so kommuniziert worden, obwohl das Amt die Arbeit der Branchen gelobt habe. Wenn die Branche diese zusätzliche Sicherheit einbauen will, sei dies auch für das BAG gut, doch die Check­liste soll nicht auf Gesetzesstufe gehoben werden. Für Dudler sollte das Prinzip der Selbstkontrolle weiterentwickelt werden. Das BAG will die Problematik der Migration sowieso mit einem Artikel über Selbstverantwortungskontrolle angehen und dazu die Verfahrens­praxis nach Artikel 52 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung ändern, um die Kommunikation entlang der Wertschöpfungskette zu verbessern.

Mit der Checkliste weiter arbeiten
Für Beat Hodler, Vertreter der Lebensmittelindustrie in der JIG, wäre es sicher auch wünschbar gewesen, wenn das BAG die Liste anerkannt hätte. «Am rechtlichen Status würde die Annahme nichts ändern», ist ­Hodler überzeugt. «Die Liste hätte durch eine Anerkennung seitens des BAG einfach einen etwas offizielleren Charakter erhalten», sagt Hodler. Auf jeden Fall müsse man mit der Checkliste weiter arbeiten und damit der Industrie zeigen, dass die JLG die Problematik der Migration angeht und nicht einfach die Hände in den Schoss legt. Hodler verweist auf die vor ein paar Jahren aufgekommene Acry­l­amidproblematik, bei der sich die Industrie in einem Forschungsprojekt engagiert, und innert kurzer Zeit positive Resultate erbracht habe.

Die Kantonschemiker haben Verständnis für das Anliegen der Industrie: Wenn etwas amtlich abgesegnet sei, könne es besser ein­gefordert werden. Die kantonalen Prüfer ­können laut Zürcher Kantonslabor sowieso auf andere Dokumente zurückgreifen, um zu prüfen, was der Verpackungslieferant auf ­seiner Deklaration verspricht.
hanspeter.schneider@alimentaonline.ch