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SMP: Agrarpolitik trübt Freude über Milchmarkt

Marktkonforme Produktion, leicht steigende Preise: Der Markt hat sich zugunsten der Milchbauern gewendet. Für Unmut sorgte an der Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) die künftige Agrarpolitik. Bei der Strategie setzt der Verband auf Kontinuität.

von Alimenta Import

Kurt Nüesch der Direktor (links) und Hanspeter Kern, der Präsident der SMP an ihrer ersten Delegiertenversammlung.

Rekordhohe Butterberge, Überproduktion, sinkende Milchpreise: Die Milchbranche tat sich schwer mit der Aufhebung der Milchkontingentierung. Nun scheint sich der Markt allmählich einzupendeln. Die Bauern haben von Januar bis August 2013 rund drei Prozent weniger Milch produziert als im Vorjahr. Teure Entsorgungsaktionen überschüssiger Butter im Ausland waren dadurch nicht nötig. Weil die Milchmenge wieder eher der Nachfrage entspricht, erzielen die Bauern wieder leicht bessere Preise für ihre Milch.?Auch wenn sich die Lage auf dem Milchmarkt entspannt hat, herrschte an der heutigen Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) in Bern nicht eitel Sonnenschein. Sorgen bereitet ihnen die neue Agrarpolitik, die ab Anfang 2014 umgesetzt wird. „Die Milchproduzenten können mit dieser Reform nicht zufrieden sein“, bilanzierte SMP-Direktor Kurt Nüesch. Für viele Betriebe sei die neue Agrarpolitik eine grosse Herausforderung. Die Aufhebung der tierbezogenen Beiträge und Umlagerung in Flächenbeiträge werde für einen grossen Teil der Milchbauern zu teilweise beträchtlichen Einbussen bei den Direktzahlungen führen. Kritik übte Nüesch am Programm für graslandbasierte Milch- und Fleischpoduktion, das ab nächstem Jahr neu eingeführt wird. Die Anforderungen seien zu hoch. Sie würden weit über das hinausgehen, was beispielsweise bei der österreichischen Heumilch gefordert werde.

Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), verwies auf das Parlament, das die Eckwerte der Agrarreform definiert habe. Das BLW habe innerhalb dieser Vorgaben das Maximum für die Produktion rausgeholt. Die künftige Agrarpolitik sei wichtig, um bei der Gesellschaft Akzeptanz zu finden für die Direktzahlungen. Die Milchbranche dürfe sich nicht wundern, wenn sich das Parlament angesichts der Überproduktion und den endlosen Diskussionen um die Mengenbegrenzung für die Abschaffung der Tierbeiträge ausgesprochen habe.
Sorgen bereitet den Milchproduzenten auch eine allfällige Öffnung der „weissen Linie“, weil diese zu Einkommenseinbussen führen würde, wie eine im Auftrag der SMP durchgeführte Studie gezeigt hat. Das BLW arbeitet seinerseits an einem Bericht zum Thema, der im Frühjahr 2014 vorliegen wird. Man verfolge keine versteckte Agenda, erklärte Lehmann. Der Bericht sei ergebnisoffen. Geprüft werde unter anderem, welche Kompensationen man den Landwirten gewähren müsste, wenn der Grenzschutz bei der „weissen Linie“ abgebaut würde.

Vorgestellt wurde an der Delegiertenversammlung die überarbeitete Strategie der SMP. Diese wird voraussichtlich am 6. Dezember 2013 vom Vorstand gutgeheissen. Die SMP setzt weitgehend auf Kontinuität: Für die Wahl in den SMP-Vorstand soll es keine neuen Voraussetzungen geben, wie das Albert Rösti und Peter Gfeller bei ihrem Abgang angeregt haben. Aber: Interessenbindungen sollen künftig bei der Nomination aktiv offengelegt werden müssen. Neu will die SMP eine Plattform für Molkereimilch aufbauen. Zudem will man Massnahmen definieren, wie im Falle erneuter Überproduktion reagiert werden soll.
Zu reden gab an der Delegiertenversammlung auch die kürzlich von der SVP lancierte „Ernährungs- und Landwirtschaftsinitiative“. Diese sei parteipolitisch motiviert und diene lediglich der persönlichen Profilierung, kritisierte Ruedi Schnyder, zweiter Vizepräsident der SMP. Ein Selbstversorgungsgrad in die Verfassung schreiben zu wollen, sei nicht sinnvoll. Auch SMP-Präsident Hanspeter Kern mahnte zur Vorsicht: Mit Ackerbau können mehr Kalorien produziert werden, als wenn die gleiche Fläche für die Milchproduktion verwendet werde. lid