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Bauernverband und Industrie gemeinsam gegen SVP-Initiative

Der Schweizer Bauernverband (SBV) und der Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) haben an einer Medienkonferenz gemeinsam ihre Argumente gegen die SVP-Masseneinwanderungsinitiative dargelegt.

von Alimenta Import

Die produzierende Landwirtschaft und die Versorgung des Schweizer Marktes mit regionalen Frischprodukten seien bei einem Ja zur SVP-Initiative gefährdet, warnte SBV-Direktor Jacques Bourgeois an der heutigen Medienkonferenz in Bern. Der Bauernverband geht davon aus, dass bei einer Beschränkung wertschöpfungsstarke Branchen bei der Zuteilung von Arbeitskräften bevorzugt würden und die Landwirtschaft wie auch die Gastronomie und Hotellerie, das Baugewerbe und Pflegeinstitutionen leer ausgehen würden.

Dies würde in der Landwirtschaft vor allem arbeitsintensive Branchen, wie etwa den Gemüsebau, treffen. Die dort wegfallenden Arbeitskräfte könnten laut Bourgeois nicht durch Schweizer Personal ersetzt werden. „Die Schweizer nehmen diese Stellen entweder nicht an oder sie sind zu teuer“, so der SBV-Direktor. Heute werden in der Schweizer Landwirtschaft rund 20‘000 ausländische Arbeitskräfte pro Jahr eingesetzt. Fast 90 Prozent davon bleiben weniger als ein Jahr lang in der Schweiz. „Von einer Masseneinwanderung kann also in unserer Branche keine Rede sein“, so Bourgeois.

Das Bevölkerungswachstum sorgt aber auch für Druck auf das Kulturland, dessen Schutz für den Bauernverband hohe Priorität hat. Laut Bourgeois sorgt dort das neue Raumplanungsgesetz bereits für einen verbesserten Schutz, zudem könne man das Problem auch mittels baulichen Massnahmen, etwa durch verdichtetes Bauen, angehen.

Bei einer Zustimmung zur Initiative erwartet auch die Industrie grosse Probleme. Die Initative würde den Fachkräftemangel verstärken, sagte Swissmem-Präsident Hans Hess. Ihm fehle jedes Verständnis dafür, weshalb die SVP aus wahltaktischen und populistischen Gründen eine Initiative lanciere, die so fundamental gegen die Interessen der Wirtschaft gerichtet sei. Nach Ansicht von Swissmem würde ein Ja zur Initiative den bilateralen Weg der Schweiz beenden und so der Schweizer Industrie massive Nachteile bescheren.

Philip Mosimann, CEO des Maschinenherstellers Bucher Industries, sieht für sein Unternehmen ebenfalls gravierende Folgen im Falle einer Annahme. Er geht von einer direkten Gefährdung von rund 250 Arbeitsplätzen in der Schweiz aus. Bucher Industries, unter anderem bekannt für die Herstellung von Land- und Kommunalmaschinen, sei auf gut ausgebildete ausländische Fachkräfte angewiesen, die in der Schweiz nicht zu finden seien, so Mosimann. Laut Mosimann würde Bucher bei einem Ja die Produktionsstandorte allenfalls in die EU verlagern. lid