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Milchmarktöffnung: Scharfe Kritik von Bauernverband und Big-M

Die vollständige Öffnung des Milchmarktes sei eine „Schnapsidee“, kritisiert der Schweizer Bauernverband (SBV). Big-M spricht von Realitätsignoranz.

von Alimenta Import

Die vollständige Liberalisierung des Milchmarktes führe zu einem enormen Importdruck, heisst es in einer Reaktion des Schweizer Bauernverbands auf den Bericht des Bundesamts für Landwirtschaft. Bei Produkten wie Rahm, Butter oder Trinkmilch, die rund 80 Prozent der Milchprodukte ausmachen, könne man sich vom Ausland kaum abgrenzen.

Der Käsemarkt, der seit 2007 vollständig liberalisiert ist, könne nicht mit demjenigen für Rahm, Butter oder Trinkmilch verglichen werden. Denn beim Käse würde die Schweiz über starke Marken verfügen. Ein Abbau des Grenzschutzes würde zu einem massiven Preissturz und somit zu Einkommensausfällen bei den Milchproduzenten führen. Um die Verluste zu kompensieren, seien öffentliche Gelder in der Höhe von über 200 Mio. Franken nötig. Ob diese über eine längere Zeit gewährt würden, sei mehr als fragwürdig.

Auch Big M spricht von realitätsfernen Überlegungen des Bundesamtes und verweist in ihrer Mitteilung auf die in den Jahren vor dem Milchkontingentsausstieg vom jetzigen BLW-Direktor, Bernard Lehmann verfasste Studie. In dieser habe Lemann vorgerechnet, dass die Milchmenge nach dem Kontingenstausstieg um 20 Prozent steigen, der Milchpreis auf 65 Rappen sinken werde. In Tat und Wahrheit sei die Menge um nur 8,5% gestiegen, der Milchpreis auf 47 Rappen gesunken.

Mit der Öffnung des Milchmarktes seien nur noch ungefähr 6 Prozent der Bauern in der Lage zu melken. Nämlich diejenigen, die kurz vor der Pensionierung stünden und bereit wären, ihr Vermögen oder Nebenerwerb in Raten zu vernichten. hps