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«Dem Original ein Gesicht geben»

Heinz Wälti gibt der Weiterführung der Allgemeinverbindlichkeit gute Chancen. Im Marketing sollen Promis wie Matthias Sempach und neu Michelle Hunziker die Emmentaler-Verkäufe ankurbeln.

von Alimenta Import

alimenta: Sie sind seit Frühling neuer Präsident von Emmentaler Switzerland. Welches sind die grössten Unterschiede zwischen Ihrer alter Funktion als Landi-Chef und dem neuen Amt als Präsident von Emmentaler Switzerland?
Heinz Wälti: Das Präsidentenamt ist ziemlich aufwändig. Und ich werde noch mehr Zeit einsetzen müssen, um von Käserei zu Käserei zu gehen und Überzeugungsarbeit zu leisten.

Überzeugen wovon?
Mein Job ist es, zu einen und die Reihen zu schliessen. In einer Sortenoganisation gibt es immer Abweichler. Mit diesen müssen wir Geduld haben, aber versuchen, den Kompass gemeinsam in eine Richtung einzustellen. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass jeder Händler Emmentaler AOP billiger verkaufen will.

Das grosse Problem ist aber die Allgemeinverbindlichkeit, die nächsten Sommer aufhört und auf freiwilliger Basis erfolgen soll. Wie stehen die Chancen?
Ich bin ja kein Katastrophenmaler, doch wenn wir diese nicht realisieren können, dann sehe ich schwarz. Es würde bedeuten: Jeder gegen Jeden. Doch heute deutes alles auf eine Annahme der Allgemeinverbindlichkeit auf privatrechtlicher Basis hin.

Es gibt aber viele Akteure, unter anderem 18 Händler und selbstvermarktende Käsereien.
Wir haben allen ins Gewissen geredet und probieren alle einzubinden. Wenn die Allgemeinverbindlichkeit nicht weitergeführt werden könnte und unser Emmentalermarkt zusammenbrechen würde, müssten selbst Migros und Coop im Allgäu Emmentaler einkaufen.

Was läuft denn heute schief?
Es läuft viel an der offiziellen Steuerung vorbei. Auch wenn Käsereien schliessen, werden die Kontingente an der offiziellen Steuerung vorbei verschoben. Künftig müssen wir uns darüber unterhalten, was mit dem Käsekontingent geschieht, wenn eine Käserei zugeht. Wenn das Kontingent gestrichen wird, kann gleichzeitig der Milch- und Käsepreis heraufgesetzt werden.

Sie beklagen, dass die Konsumenten immer weniger für Nahrungsmittel ausgeben müssen. Die Landi wurde unter Ihrer Führung aber auch zum Discounter.
Das war etwas anderes. Wer produziert in der Schweiz schon Bohrmaschinen? Die Landi hat eine schlanke Struktur, darum kann sie günstig sein. Wir haben aber immer Schweizer Produkte bevorzugt.

Sie sagen, das Wichtigste sei jetzt das Marketing und dem Emmentaler ein Gesicht zu geben. Wie werden die neuen TV-Spots aussehen?
Wir werden mit Prominenten Werbung machen.

Also mit Matthias Sempach?

Mättu hat in der Schweiz einen unglaublichen Bekanntheitsgrad. In Deutschland kennt man ihn natürlich nicht.

Mit wem soll dann im Ausland Emmentaler-Werbung gemacht werden?
Mit Michelle Hunziker. Diese hat in Italien einen Bekanntheitsgrad von praktisch hundert Prozent. Momentan drehen wir die Filme in Italien.

Gibt es andere Promis für die Werbung?
Nein. Unsere Mittel sind nicht unbeschränkt.

Sie wollen neue Märkte suchen und sprechen oft von Asien als Absatzland für Emmentaler. Warum eigentlich?

Wir haben die Position in unseren Absatzmärkten zu halten. Deutschland und Frankreich laufen auf tiefem Niveau gut. Italien ist durch die Wirtschaftskrise eine Katastrophe. Sicher wollen wir neue Märkte suchen, aber sicher auch die «alten» behalten.

Tilsiter lancierte für Deutschland den Swizzrocker. Wäre eine ganz neue Positionierung für einen neuen Emmentaler auch denkbar?
Es wurde schon viel probiert – viele Produkte wurden zum Rohrkrepierer. Jetzt haben wir den «Milden», den «Rezenten», den «Höhlengereiften». Wir haben schon jetzt genug zu tun und die Mittel sind beschränkt. Ich möchte wirklich einfach mit dem Original auf den Markt gehen. Eine Marke und fertig.

Was sollen aber die Emmentaler-Käsereien produzieren, wenn Emmentaler AOP nur
zu sechzig Prozent produziert werden darf?

Ich denke, dass die Anzahl der Käsereien noch zurückgehen wird. Wir müssen jedoch  mit aller Kraft versuchen, die Menge zu steigern. Primär soll den Käsereien mehr von der Wertschöpfung gegeben werden. Aber auch ich habe kein Allgemeinrezept.

Interview: Hans Peter Schneider