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Bier purzelt unter 50 Rappen-Marke

Bier ist ein «Kampfprodukt» im Detailhandel. Durch den stärkeren Franken ist Importbier nun noch günstiger geworden. Aldi und Denner verbilligen die Dose auf 45 Rappen.

von Alimenta Import

Hans Peter Schneider. Im Zuge des starken Frankens senkten viele Detailhändler die Preise von importierten Produkten. Besonders die Preise von sogenannten «Kampfprodukten», purzeln. Etwa beim Bier. «Seit dem Fall der Euro-Untergrenze ist 50-cl-Import-Dosenbier für unter 50 Rappen auf dem Markt zu haben», sagt Simon Gfeller, Marketingchef von Landi Schweiz AG. Bier in Dosen ist ein Trend, doch das meiste Dosenbier stammt aus dem Ausland und nur wenige Brauereien in der Schweiz können in die Aludose abfüllen. Auch Ramseier Suisse investierte in eine Abfüllanlage in ihrer Brauerei in Hochdorf, um das Farmer-Dosenbier 50 cl aus der Schweiz anbieten zu können.

Doch jetzt ist die fenaco-Tochter auf dem falschen Fuss erwischt worden. Importiertes Bier ist durch die Euroschwäche noch einmal billiger geworden und Aldi und Denner bieten die Dose für 45 Rappen an. Weil die Fenaco die Produktion in die Schweiz verlegt hat, werde der Preis bei 50 Rappen je Dose bleiben, sagt Gfeller: «50 Rappen ist bereits ein sehr eng kalkulierter Preis, aber dank der Swissness sehr gut vertretbar». So importiert Denner seit Jahren das Bier Gralsburg Export von der Brauerei Oettinger. «Durch den Direktimport konnten wir die Preisvorteile im Einkauf direkt weitergeben», sagt Denner-Sprecher, Thomas Kaderli. So sei der Preis für die Dose am 2. Februar von 55 auf 45 Rappen gesunken.

Druck wird zunehmen

Aldi bietet sein «Karlskrone»-Bier ebenfalls seit ein paar Tagen für 45 Rappen an. Das Billigbier stamme aus Deutschland, Österreich und Belgien. Laut Branchenkennern ist es die belgische Brauerei Martens. «Durch den Entscheid der Nationalbank ist das Bier günstiger geworden», sagt Aldi-Sprecher Philippe Vetterli. Er hält fest, dass realistischerweise ein Schweizer Bier aufgrund der Kostenstruktur nicht für 45 Rappen angeboten werden könne. Dennoch halte der Discounter an der langjährigen Partnerschaft mit Schweizer Brauereien fest und beschaffe 40 Prozent des Biersortiments in der Schweiz.

«Der Druck wird für die Konzernbrauereien wie Feldschlösschen und Calanda sicher zunehmen», vermutet Alois Gmür, Chef der Einsiedler Brauerei Rosengarten. Für ihn sei der Zug im Billigsegment schon lange abgefahren. «Die Kunden, die nur auf den Preis schauen, haben wir längst verloren», so Gmür, der wie alle anderen kleinen und mittleren Brauereien Bier in einem höheren Preissegment verkauft. «Wenn wir mit den «Grossen» konkurrieren möchten, würden wir von der ersten Minute an Geld drauflegen», so Gmür. In Grossbrauereien werde alles ausgereizt, was möglich sei, um billiger produzieren zu können. «Der Billigbiertrinker bleibt beim Billigbier», sagt Martin Uster, Geschäftsführer der Brauerei Uster. Da spiele es keine Rolle ob das Bier nun 50 oder 45 Rappen koste, so Uster und meint: «Wenn es nur wegen dem tiefen Preis verkauft wird, kann der Handel die Dose gleich für 20 Rappen verkaufen».
hanspeter.schneider@rubmedia.ch