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Ochsengalle oder Kartonei

von Alimenta Import

Man könnte darüber streiten, ob es sinnvoll ist, den Ochsen als Energiekick zu missbrauchen. Ochsengalle wird zur Produktion von Energy Drinks wie Red Bull verwendet. Da scheinen plötzlich die Inhaltsstoffe der «veganen» Energy Drinks wie Vegalino, das alles andere als Red Bull sein soll, sehr sinnvoll. Wenn simples Coffein und Traubensaft vielleicht nicht gerade Flügel verleihen, aber immerhin Energie geben, was braucht es da noch Galle vom Ochsen? Da erscheint mir als Fleischverzehrer die veganische Lebensweise auf einmal gar nicht mehr so abwegig. Warum braucht es den «Rothirsch» – in Trockenfleischform versteht sich – im Müesli-Kraftriegel? Zwar ein gelungener Marketinggag, doch mindestens ungewohnt. Alle Extravaganzen – ein veganer Supermarkt heisst «Veganz» und war an der Biofach unter dem Slogan «Veganz on tour» im Wohnwagen unterwegs – bieten neue Möglichkeiten für die Nahrungsmittelindustrie.
Dennoch nimmt der krampfhafte Zwang, in keiner Weise mit einem tierischen Produkt in Berührung zu kommen, wie es die veganische Lebensweise vorschreibt, zeitweilig absurde Züge an. Der Ei-Ersatz «MyEy» zum «eifreien» Backen, enthält nährstoffmässig alles (Aromastoffindustrie sei Dank), was ein Original vom Huhn zu bieten hat , inklusive Kartonhülle mit Plastikdeckel. Ob da die Umweltbilanz bis zum Ende durchgerechnet wurde? Bot doch das Vorbild mit der Schale bisher die perfekte Verpackungslösung.
Nicht genug: Vegan erstreckt sich nicht alleine aufs Essen. In einer «korrekten Welt» gehört auch die Energie dazu. Wer etwas auf sich hält, kocht die veganen Speisen mit «gutem» Strom. So verteufelt Greenpeace Deutschland selbst erneuerbare Energien, die aus Biogas- oder Biomasse hergestellt werden. Schliesslich gäbe es aus Sicht der Ultras in der Umweltorganisation das Biogas gar nicht ohne Tierhaltung. Konsequent weitergedacht oder eben Religion? Die Grenzen verschwimmen in den Meinungen und Ansichten.
Hans Peter Schneider