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Drohendes Ende einer Erfolgsgeschichte

Schweizer Rapsöl hat bei den Konsumenten ein hervorragendes Image und der Absatz hat sich innerhalb von 15 Jahren verdoppelt. Nun droht Gefahr durch Freihandel mit Malaysia und Indonesien.

von Hans Peter Schneider

Der Rapsanbau in der Schweiz hat sich verdoppelt.

Hans Peter Schneider. «Die verarbeitete Menge an Raps ist von 42?000 Tonnen im 1999 auf fast das Doppelte, nämlich 82?000 Tonnen gestiegen», sagte Stephan Scheuner, Direktor der Branchenorganisation Swiss Granum an der Swiss Granum-Qualitätstagung von Ende November in Bern. Raps findet auf dem Schweizer Markt guten Absatz und ist in der Nahrungsmittelindustrie ein immer öfter eingesetztes Produkt. «Wir haben seit zwei Jahren unsere Rezepturen teilweise auf Schweizer Raps umgestellt», sagte Benno Eigenmann, Chef des Backingredienzen-Herstellers Bakels Nutribake AG, Hochdorf. So konnten die Schweizer Landwirte seit 1999 die Anbaufläche um ein Drittel ausdehnen. Der Rapsölpreis beträgt gemäss Swiss Granum 248 Franken pro 100 Kilogramm. Dazu kommen noch die Abfälle für die Futtermittelindustrie, die sogenannten Rapskuchen von 27 Franken. Auf ausländischem Speiseöl wird ein Importzoll von 130 Franken erhoben, wie Adrian Aebi vom Bundesamt für Landwirtschaft in Bern sagte. Der im internationalen Vergleich hohe Preis für inländisches Öl hält die Industrie nicht davon ab, Rapsöl einzusetzen. Besonders weil einige Kunden und vor allem die Konsumenten nicht mehr Palmöl in den Produkten wollten, wie Eigenmann sagt. Zudem ist mit dem Einsatz von HOLL-Raps, dessen Öl gebraten werden kann, der Verbrauch weiter gestiegen.

«Raps ist in der Schweizer Landwirtschaft eine Erfolgsgeschichte», schrieb die Sonntagszeitung kürzlich. Auch Urs Reinhard, Präsident vom Verband Swiss Olio beschreibt den Rapsanbau als absolute Erfolgsstory. Dieser trage zudem auch durch das privat getragene Umlagerungssystem zum Erhalt des Sonnenblumenanbaus bei. Momentan würden 10?000 Tonnen Sonnenblumenöl produziert, während die Nachfrage doppelt so hoch sei.

Doch es droht Ungemach. Das Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien könnte für Schweizer Rapsöl das Aus bedeuten. Denn billiges Palmöl, angebaut in riesigen Plantagen von Malaysia, könnte das teurere Rapsöl verdrängen. Schon jetzt kommen über 50 Prozent der Palmölimporte aus Malaysia und Indonesien. «Es ist zu befürchten, dass der niedrigere Preis voll durchschlagen wird», sagt Reinhard. Besonders im Bereich der Frittiermedien, wo das schweizerische HOLL-Rapsöl ersetzt werden könnte. Dort wirke sich Swissness kaum aus, weil nicht danach gefragt werde, worin das Endprodukt frittiert wurde. Doch auch die übrigen Öle könnten stark unter Druck kommen, weil Palmöl als internationaler Benchmark für die Preisentwicklung gelte. Es sei gut vorstellbar, dass die Verarbeiter umschwenken könnten, wenn Palmöl günstiger zu haben sei. Schliesslich passe sich die Industrie der Nachfrage der Kunden an, sagt Eigenmann von Nutribake.

Form der Entwicklungshilfe torpedieren

«Dem erfolgreichen Rapsanbau wird ein Bein abgehackt», sagt Peter M. Bachmann VR-Präsident bei der Pflanzenöl Handelsfirma Pro Fair Trade AG, «wenn die Schweiz mit einem Freihandelsabkommen eine kraftvolle Form der Entwicklungshilfe unterminiert». Seit 2006 können Öle aus Entwicklungsländern, sogenannten LDC-Ländern (low development countries) zollfrei in die Schweiz eingeführt werden. Die Firmen seien bereit, einen Aufschlag über den Weltmarktpreis zu zahlen und überhaupt erst ermöglichen, den Entwicklungsländern eine nachhaltige Ölproduktion zu ermöglichen. Auch Adrian Aebi betonte in Bern, dass Ölimport eben auch eine Form der Entwicklungshilfe sein könne. Der Börsenpreis für malaysisches Palmöl bewegt sich zwischen 50 und 60 Franken pro hundert Kilo. Dabei betrage der LDC-Preiszuschlag zwischen 20 und 30 Prozent. Das Palmöl wird jedoch auf wesentlich kleineren Plantagen, sozialverträglich nach Fairtraderegeln und umweltverträglich angebaut. Dabei fallen höhere Transportkosten an. «Für Malysia und Indonesien mit über 50 Mio. Tonnen Jahresproduktion ist es nicht relevant, ob es noch ein wenig mehr exportieren kann», sagt Bachmann. Denn die Importe der Schweiz aus Malaysia belaufen sich schon heute auf 50 Prozent des Palmölbedarfs. Für Malaysia hingegen machen diese nur 0,05 Prozent der Jahresproduktion aus. Dennoch werde sich Malaysia nicht abspeisen lassen, sagte Adrian Aebi.

Und die Ölbranche wappnet sich deshalb für eine Liberalisierung. Viel in der Hand hat sie nicht. Massnahmen wie die strikte GVO-Freiheit auf allen Sorten, die Auslobung mit dem Suisse-Garantie-Label und nicht zuletzt die starke partnerschaftliche Zusammenarbeit, müssten aber strikte befolgt werden, betonte Scheuner in Bern.

In den Freihandelsverhandlungen würden alle Interessen gewichtet, sagte Raphaela Brand vom Seco. Auch der Bereich der Schweizer Ölsaaten, der allerdings gegenüber anderen wichtigen Industrien sehr klein sei. Doch komme es bei den Verhandlungen auf die Frage an: «Was sind wir bereit zu geben, dass Malaysia uns entgegen kommt?» Dieser Entscheid liege schlussendlich bei Johann Schneider-Ammann.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch