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«Ich habe ein Herz für Schweizer Zucker»

Erland Brügger ist Chef der bekanntesten Schweizer Getränkemarke Rivella und Präsident des Mineralwasserverbandes. Er will auf Schweizer Rohstoffe, auch auf Schweizer Zucker setzen - aber nicht zu jedem Preis.

von Hans Peter Schneider

Erland Brügger, CEO von Rivella.

alimenta: Die Inlandproduktion von Erfrischungsgetränken hat 2015 gesamtschweizerisch um 1,9 Prozent abgenommen. Was sind die Gründe dafür?
Erland Brügger: Die Gastronomie war schwieriger und es hatte weniger Touristen. Zudem hat der Einkaufstourismus zugenommen. Einzig das gute Wetter, aber auch die Einwanderung haben verhindert, dass nicht noch mehr verloren ging. Doch aus der Sicht des Verbandes ist es auch wichtig, dass der Gesamtmarkt gewachsen ist, nämlich um 1,5 Prozent.

Auch die Exporte nahmen ab, um 16,2 Prozent – um wie viel bei Rivella?
Unser Export hat im Wert abgenommen, aber nicht im Volumen. Mit 26 Millionen Litern konnten wir im Ausland sogar ein Rekordergebnis verzeichnen. Wir sind happy, dass wir wachsen konnten.

Sie sagen, dass die Swissness-Gesetzgebung immer noch Fragen offen lasse. Wie setzt Rivella nun konkret die Vorgaben um? Ist Wasser für Rivella nun wesensbestimmend?
Die Diskussion ist für Rivella nicht so heiss, weil wir mit Milchserum und Zucker genug Substanz haben, um die Swissnessvorgaben zu erreichen. Es betrifft uns höchstens bei Passaia Light. Bei Passionsfruchtkonzentrat ist es klar, dieses stammt nicht aus der Schweiz. Jetzt fehlt aber der Schweizer Teil des Zuckers. Es geht in der Diskussion nicht darum, chinesisches Apfelsaftkonzentrat einzubürgern, sondern vor allem um Light-Produkte. Also, wie soll mit Aromastoffen umgegangen werden? Wie soll hier eine Swissness ausgesprochen werden? Und ist es eine schweizerische Leistung, Getränke abzufüllen?

Spielt für eine starke Marke wie Rivella Swissness überhaupt eine Rolle?
Wir führen auch das Schweizer Fähnchen auch nicht mehr so gross auf der Flasche… Nein, dies ist nicht unsere Denkart. Etwas schweizerischeres als Rivella gibt es fast gar nicht, und wir setzen alles daran, die Produkte in der Schweiz herzustellen. Auch die Rohstoffe wollen wir hier beziehen. Das Milchserum stammt sowieso aus der Schweiz und solange es eine Zuckerfabrik in der Schweiz gibt, werden wir auch den Zucker aus der Schweiz beziehen.

Mit der neuen Zuckermarktordnung der EU könnte aber schon bald ganz billiger Zucker auf den Markt drängen. Was machen Sie, wenn Sie ganz billige Angebote auf dem Tisch haben?
Das werden wir diskutieren müssen. Momentan geht die Diskussion dahin, ob wir irgendwo ein gewisses Premium für Schweizer Zucker sehen. Wir haben ein gewisses Herz für Schweizer Zucker, was aber nicht heisst, dass wir jeden Preis dafür werden zahlen können. Es muss alles vernünftig und wettbewerbsorientiert funktionieren.

Sie bezeichnen Largo als politische Baustelle. Was tut sich da?
Die ersten Feedbacks zeigen, dass der Bund wohl Verständnis für die Lebensmittelindustrie hat. Es sieht so aus, dass er der Lebensmittelindustrie entgegenkommen könnte, was die dreisprachigen Warnhinweise, die zu kurz gewählten Übergangsfristen und die Deklaration der Herkunft der Rohstoffe betrifft.

Rivella setzt seit einigen Monaten auf eine neue Markenarchitektur. Warum haben Sie «Cliq» aus dem Sortiment genommen?
Wir wollten die Farbenlogik ein wenig durchbrechen. Als wir die Submarke «Cliq» lancierten, wollten wir die Farbendoktrin mit Rhabarber und Pfirsich durchbrechen. Wir machten dies vor allem, damit man nicht sagen konnte: jetzt hat es noch ein «Oranges» und ein «Pinkiges» gegeben. Sondern wir wollten einfach mehr auf das Aroma schauen. Wir überprüften nochmals den Gesamtauftritt und wollten ein wenig Ordnung schaffen. Jetzt gibt es einfach die Klassikversionen mit den drei Plus-Varianten. Und das «Grüne» wird als Grüntee bezeichnet.

Und ein «Gelbes» kommt niemals wieder ins Sortiment?
Sag niemals nie. Aber im Moment ist nichts geplant.

Und wie steht es mit ganz anderen Geschmacksrichtungen? Kommt zum Beispiel bald ein Basilico-Geschmack ins Regal?
Wir lancieren dieser Tage etwas ganz anderes Neues.

Und was ist das?
Wir lancieren unter unseren zweiten Marke Michel «LIQIT». Diese Woche wird «LIQIT» bei Coop und anderen Händlern gelistet. Es ist ein Getränk auf Basis von 10 Prozent Fruchtsaft, wie Orange und Mango, Ananas mit Grapefruit und Granatapfel mit Passionsfrucht.

Ist es nicht fast zu eng für die Getränkeanbieter in der Schweiz?
Im Markt Schweiz hat es viel Potenzial. Natürlich auch im ausländischen Markt, doch dort hat niemand auf Rivella gewartet. In einem starken Heimmarkt können wir wahrscheinlich mehr bewirken als im Ausland, wo zwar der Markt gigantisch ist, doch wir als Nobody es schwer haben.

Bisher beschränkte sich Rivella im Ausland auf die Niederlande und einzelne Städte in Deutschland. Ist Rivella nicht gezwungen, in weitere Märkte zu expandieren?
In den Niederlanden, Luxemburg oder in Baden Württemberg sind wir stark unterwegs. Als Familienunternehmen haben wir  nicht die grosse Kriegskasse für ganz neue Märkte. So ist zum Beispiel Asien nicht auf dem Radar.

Rivella installierte kürzlich die neue Krones-Anlage. Sollen dort neue Produkte abgefüllt werden?
Diese hat die Rivella-Anlage, die seit dem Jahr 2000 Getränke abfüllte, ersetzt und weist Vorzüge auf wie einen tieferen Wasser-, Reinigungsmittel- oder Energieverbrauch.